Sydney – Einleben

Nach unserer Ankunft sind die folgenden Tage dazu da sich in dieser Stadt möglichst gut einzuleben und vorallem einen Job zu finden.

Da wir fast genau einen Monat hier verbringen und wir in unserem Appartement kochen können aben wir sogleich versucht uns mit den nötigen Vorräten einzudecken und sind dafür nur ein paar Schritte bis zur Milsons Point Zugstation gegangen. An diesem Punkt verläuft die „Hauptstraße“ welche gesäumt von Restaurants und Geschäften ist. Wir stürmen sogleich das nächsten Supermarkt den wir finden können und staunen nicht schlecht als wir auf die Preise schauen! Oh Gott! Alles scheint grenzenlos teuer zu sein. Schnell kommen wir zur Erkenntnis das wir hier nur das nötigste kaufen sollten – sicher ist es hier nur so teuer da der Supermarkt klein und in einer noblen Gegend liegt. Gesagt getan – die Vorräte zuhause gebunkert und ab geht’s ins Stadtleben.

Ich muss zugeben, dass wir uns nur sehr langsam an Sydney gewöhnen konnten. Ein wichtigen Tipp könnte ich hierbei wohl an alle Reisenden oder vorallem Weltreisenden geben: Wählt euere Route so, dass Australien oder andere Industrienationen mit hohen Preisen am Anfang liegen. Der Schock ist einfach zu groß wenn man wie wir von Thailand direkt nach Sydney kommt. Der preisliche Unterschied ist enorm! Hinzu kommt der psychologische Nachteil vom Umrechnungskurs. Da der Australische Dollar momentan in etwa mit dem Faktor 1,5 zum Eurokurs umgerechnet wird, erscheinen Preise in Dollarangaben natuerlich gleich sehr hoch. Zudem kann man Thailand nochmal wunderbar das Restgeld verprassen und ein paar tolle Souvenirs mit nach Hause nehmen die man sich sonst nicht hätte leisten wollen.

Man kann auch in Sydney sehr günstig leben – wir haben das weitgehend geschafft bisher ohne ständig in den eigenen vier Wänden bleiben zu müssen. Jedoch ist es auf jeden Fall ein teueres Pflaster und für Budgetbegrenzte Backpacker sicher kein leichtes Zuckerschlecken.

Nach etwas Orientierungszeit weiß man sich jedoch zu helfen. Ein Stück Heimat, nicht weit von unserem Zuhause lehrte uns auf den rechten Weg zurück zu kommen: Als wir in North Sydney auf der Suche nach einem großen Supermarkt sind trauen wir unseren Augen nicht, was wir gar nicht so weit von der Bahnstation finden: ALDI. Es ist unglaublich, die Welt ist so klein! Natürlich stürmen wir den heimischen Supermarkt sofort und sind erleichtert über die im Vergleich zum Supermarkt in Milsons Point sehr niedrigen Preise. Unsere Hoffnungen wurden erhöhrt – man kann mit etwas gutem Willen mit etwa 40 Dollar pro Woche oder sogar länger für Lebensmittel auskommen.

Das man auf einer Weltreise mit Ungeziefer zu rechnen hat war uns bewusst, eigentlich hatten wir natürlich im als „dreckig“ verschrieenen Bangkok sofort damit gerechnet, dort blieben wir aber total verschohnt. Dazu, dass wir anfangs Probleme hatten uns an Sydney aufgrund der Preise und geänderten Umstände zu gewöhnen kam nun leider noch unsere erste Erfahrung mit „Cockroaches“ was die Stimmung nicht gerade anhob. Diese Biester sind in Australien ganz schön groß – was vermutlich an den besonders guten klimatischen Bedingungen liegt, denn Sydney ist eine sehr sehr saubere Stadt. Jedenfalls hatten wir fast jeden Abend im Appartement mit einem dieser possierlichen Tierchen zu kämpfen .. aber auch daran gewöhnt man sich mit der Zeit.

Neu war für uns auch die strenge Kontrollen vorallem was Alkohol angeht. In den meißten Pubs gibt es Securitys, die Bars sind teilweise fast schon „abgeriegelt“. Oft mussten wir die ID zücken bevor wir irgendwo rein durften. Türsteher überall vermiesen einem fast schon die Lust sich anzustellen. Die Gemütlichkeit blieb da das ein oder andere Mal auf der Strecke. Viele Bars schließen schon um 12 Uhr – die Anpassung daran war nicht gerade leicht. Auch sonst wird in Australien sehr viel kontrolliert. Fast überall sieht man Überwachungskameras. Ein bischen Big Brother Feeling ist dabei immer gegeben. Die Kameras haben wir trotzdem noch zu schätzen gelernt als wir in Kings Cross leider miterleben durften wie ein Mann niedergeschossen wurde. Da lernt man es doch zu schätzen wenn man wieder ins kameragesicherte „The Rocks“ zurückkehren kann.

Eigentlich dachten wir immer Deutschland wäre Weltmeister im Schilderpark und Regelwerk. Als wir nach Sydney kommen fällt uns jedoch gleich auf, dass hier noch krassere Zustände herrschen. Überall sind Schilder aufgehängt die einem sagen was man zu tun und zu lassen hat, wo videoüberwacht wird, wer was wo und wann kaufen darf usw. Nicht nur die Straßen sind zugepflastert mit Schildern – einfach überall erquicken uns die Blechscheiben mit neuen Informationen. Eines der Paradebeispiele dafür sind die Züge in Sydney. Man kann sich gut während der Fahrt damit beschäftigen sämtliche Schilder im Abteil durchzulesen – vermutlich ist man nicht fertig damit bis man an der Zielstation ankommt! Wenn man den Sarkasmus bei Seite lässt, muss man aber auch feststellen, dass dieser Schilderpark nützlich sein kann. Das Beispiel dafür sind die Australischen Straßen, welche stark beschildert sind aber vor allem mit nützlichen Warnsignalen wie z.B., dass man oft eine Pause einlegen sollte oder man sich besser anschnallen sollte. Auch sonst sind die Straßen vom feinsten. Breit, astreiner Asphalt, wie gesagt gut beschildert und nicht allzu befahren.

Gleich zu Beginn in Sydney wurden wir auch mit unserem „vorzüglichen“ deutschen Ruf auseinandergesetzt. Ein australischer Jugendlicher der auf uns zukam um ein bischen Kleingeld für ein Telefongespräch zu erfragen machte eine sehr peinliche Szene mitten auf der Straße. Die rechte Hand in den Himmel streckend und „Heil“ schreiend, fragte er uns ob wir das toll oder eher schlecht fänden. Nachdem wir erwiderten, dass sich Deutschland seit 50 Jahren geändert habe, ging er verdutzt und vermutlich mit einer neuen Erkenntnis und um 1 Dollar reicher von dannen.

Nach den ersten Tagen sind wir hauptsächlich arbeiten gegangen oder haben uns an die schönen Stränden von Sydney vergnügt. Hier kann man dem restlichen Sydney entfliehen und fühlt sich wie im Urlaub.

Arbeit zu finden ist anfangs nicht ganz leicht – aber mit ein bischen Organisationstalent und vor allem Mund-zu-Mund-Propaganda, sprich Erfahrungsaustausch mit anderen, kommt man dann doch schnell zu einem Job welcher mit etwas Glück sogar mit „Cash“ bezahlt wird.

Abends gabs dann schönes gegrilltes australisches T-Bone Steak von unserem Gastgeber Derek. Wie alles in Australien ist auch das schön groß. Dazu gab es „Sweet Corn“ und Kartoffeln. Lecker! Kulinarisch hat Sydney sowieso viel zu bieten. Es gibt vorallem viele Thai und China Restaurants und eigentlich auch sonst alle länderspezifischen Spezialitäten. Leider blieb es uns meistens verwehrt Einzukehren, da wir mit unserem Budget uns darauf begrenzen mussten selbst zu kochen.

Eine weitere Umstellung für uns war das gechlorte Leitungswasser. Sogar unser Trinkwasser welches wir bei ALDI kauften schmeckte etwas nach „Schwimmbad“. Unter der Dusche begegnete uns zuerst der Chlorgeruch, wenn man sich irgendwo Getränke mit Eiswürfel kaufte so konnte man darauf gehen, dass der Chlorgeschmack im Getränk war.

Auffällig war, dass die Australier alle ziemlich sportlich sind. In Sydney waren jeden Morgen und Abends viele Gruppen von Jogger, sogar vor der Haustür, unterwegs. Viele fahren mit dem Fahrrad durch die Hügelige Stadt. Sydney ist übrigends erstaunlich bergig. Man hat andauernd irgendwelche Ansteigungen zu erklimmen, was uns durch unsere ständige Lauferei auch etwas fit hielt. An den Stränden von Sydney gibt es extra kleine Fitnessbereiche, etwa wie Kinderspielplätze nur für Große. Hier kann man sich kostenlos an ettlichen Fittnessgeräten bedienen und ein bischen trainieren – viele nutzen das!

Für Backpacker ist Sydney insofern interessant, als dass es hier eine ausgedehnte spezialisierte Infrastruktur gibt. Eigentlich ist in ganz Australien der Backpackertourismus eine riesige Industrie. Steigt man an der Central Station in Sydney aus und geht z.b. in die Pitt oder George Str. so findet man sehr viele auf Backpacker spezialisierte Unterkünfte, Informationseinrichtungen und vor allem Reisebüros. Greyhoundbuse verkehren durch das ganze Land und sind ständig zu sehen. Fliegen ist recht oft billiger um vom Punkt A nach B in diesem riesigen Land zu kommen. Daher bieten viele Reisebüros auch Studenten bzw. Backpackertarife an und werben damit.

Wir haben uns sofort mit speziellen Broschüren und Zeitschriften wie z.b. „The World“ eingedeckt. Hier steht einfach alles drinn was man wissen muss. Was gibt es in Sydney und im Rest von Australien zu tun? Wieviel kostet was? Reiseberichte! Wo finde ich Arbeit? Welche Vorraussetzungen brauche ich dafür? Nach ein paar Zeilen Lesearbeit hat man einen ziemlich guten Überblick und findet sich somit schnell zu recht.

Man kann also in Sydney kaum etwas falsch machen und ist zudem von einer großen Backpackergemeinde umgeben.

Als kleines Extra konnten wir von dem Sydney Entertainmentbook profitieren. Dieses Buch beinhaltet unzählige Coupons wo man bei ausgesuchten Restaurants und sonstigen Attraktionen und Aktionen viele Rabatte und Extras bekommt. Das Buch kostet normalerweise etwa 60 Dollar und ist auf jeden Fall eine gute Sache wenn man es ausreichend nutzen kann.

Marcel Münch 2006