Reisebericht vom Tag 01: Perth, Bunbury, Margaret River, Augusta
Küste von Bunbury

Das große Ziel hieß Melbourne – ungefähr 3.500km Luftlinie von Perth. Vor Antritt der Reise war mir noch nicht ganz klar, wie groß die Herausforderung sein würde, die vor uns lag. Bei dem Kurierdienst-Unternehmen Hansetrans habe ich das „Schnell-hin-und-noch-schneller-wieder-weg“-Prinzip gelernt, welches es mir ermöglicht hatte, die Strecke Paderborn-Mailand-Paderborn in 24 Stunden zurückzulegen.

In Australien würde ich mit diesem Prinzip nicht sehr weit kommen. Zum einen gibt es hier ein Tempolimit und zum anderen machen die hier beheimateten Kängurus eine Autofahrt nach Sonnenuntergang zu einem riskanten Unterfangen. Ich musste also umdenken: Plötzlich war wieder der Weg das Ziel – die kleinen Dinge am Straßenrand aufmerksam betrachten; die wahre Schönheit des Augenblicks erkennen. Verweilen wo es einem angenehm erscheint und weiter reisen wo es ungemütlich ist. Meine Omi hat immer gesagt „Wo man singt da lass dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder“. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen machten wir uns sodann auf den Weg um irgendwann irgendwo anzukommen.

Es war ein schöner Tag, zumindest in Perth, an dem wir uns auf den Weg nach Melbourne machten. Wir standen mit den ersten Sonnenstrahlen auf und verstauten unseren ganzen Kram im Auto. Erstaunlich, was in einen Kombi so alles rein passt. Waren wir beide doch lediglich mit kleinem Gepäck nach Australien gereist, hatten wir nun fast einen kompletten Hausstand im Wagen.

Alles lag gut sortiert und fest verschnürt im Kofferraum und auf der Rücksitzbank. Die Klamotten würden wir in den kommenden zehn Tagen täglich dreimal wechseln können. Die unendlich vielen Mp3´s würden uns einen ununterbrochenen Musikgenuss ermöglich ohne in die missliche Lage zu kommen, ein Lied zweimal zu hören. Die gezielt platzierten Wasservor-räte (4 x 15l Kanister) sorgten zum einen für eine perfekte Straßenlage, zum anderen nahmen sie uns auch die Angst vor einer Panne mitten in der Wüste. Direkt neben dem Zelt und der Luftmatratze lagen eine große Kiste Dosenbier, zwei Klappstühle (mit integriertem Bierdosenhalter) und ein Klapptisch. Das vorhandene Geschirr und die Kochutensilien ermöglichen es, auf einem x-beliebigen Parkplatz ein 5-Gänge Menü zuzubereiten und zu servieren. Sollte uns jedoch eine Busladung ausgehungerter Weight-Watcher die Lebensmittelvorräte wegessen, würde ich mit der Angel- oder Tauchausrüstung  für nahrhaften Ersatz sorgen können. Wir waren eigentlich auf so gut wie alles vorbereitet!

Schnell noch frühstücken, sich von allen verabschieden, das Kaffeepulver in der Küche vergessen und dann nichts wie los. Der erste Streckenabschnitt für den heutigen Tag war vergleichsweise einfach. Bereits nach wenigen Minuten hatten wir die dringend benötigte Tankstelle erreicht. Einmal voll tanken, Flüssigkeitsstände überprüfen und Luftdruck checken. Letzteres geht hier übrigens sehr einfach: Einfach gewünschten Luftdruck an der Säule einstellen, Schlauch aufs Ventil stecken und der Rest geht automatisch.

Die wahre Herausforderung wartete jedoch noch auf uns: Die ersten Meter als Autofahrer in Australien für Olle. Während  Perth im Rückspiegel immer kleiner wurde, übertönten meine angsterfüllten Schreie „Weiter rechts, weiter rechts – Du fährst zu weit links! Aaaahhhh!“ die Musik, die wir uns für den Beginn unserer Reise ausgesucht hatten. Ob wir das heutige Etappenziel Augusta wirklich erreichen würden schien zumindest für mich zu diesem Zeitpunkt mehr als fraglich.

Mit unserem leicht betagten Ford Falcon Station Wagon waren wir nun also unterwegs in südlicher Richtung. Wir fuhren auf dem Highway 1, welcher die wichtigsten Küstenstädte Australiens miteinander verbindet. Über kurz oder lang würde er uns also nach Melbourne bringen. Nach knapp zwei Stunden Fahrt durchquerten wir auf ihm jedoch zunächst einmal das verschlafene Küstenstädtchen Bunbury. Da Olle eh genug vom Linksverkehr hatte bot sich eine kurze Rast für einen Fahrerwechsel mehr als an.

Etwas südlich von Bunbury verließen wir den Highway 1, um auf einer kleineren Landstraße dichter am Meer entlang zu fahren. Wir näherten uns dem süd-westlichsten Zipfel Australiens. Zwischen dem Cape Naturaliste und dem Cape Leeuwin erstrecken sich ca. 80km der besten Surfstrände West Australiens. Auf halber Strecke liegt Margaret´s, dessen Strände als Austragungsort für eines der berühmtesten Surfevents der Welt dienen.

Mit ordentlichem Rückenwind flogen wir weiter Richtung Süden. Unser Tagesziel war Cape Leeuwin, der süd-westlichste Punkt Australiens und der Ort an dem der Indische und der Süd-liche Ozean zusammentreffen. Laut dem „Lonely Planet“ ein Ort, den man auf seiner Reise unbedingt gesehen haben muss. Wie gemacht um dort direkt am Strand unser Zelt aufzuschlagen und die Nacht zu verbringen.

Doch mit jedem Kilometer mit dem wir dem Ziel näher kamen, nahm der Regen, der uns schon den ganzen Tag zu verfolgen schien, zu und unsere Hoffnung auf eine Nacht im Zelt ab. Insgeheim stellten wir uns beide bereits auf eine Nacht im Auto ein. Als wir Augusta pas-sierten ging der sanfte Nieselregen langsam in einen handfesten Schauer über. Am Cape Leeuwin angekommen regnete es dafür dann aber so stark, dass wir die Hand vor Augen nicht erkennen konnten. Außerdem gab es weit und breit keine Möglichkeit, unser Auto für die kommende Nacht so abzustellen, dass wir einerseits einen Blick auf das Meer hatten und andererseits vor den Blicken anderer Touristen geschützt waren.

Mit der einsetzenden Dämmerung machten wir zurück auf den Weg nach Augusta und mit den letzten Sonnenstrahlen des Tages fanden wir ein einigermaßen akzeptables Plätzchen für die Nacht. Dieses lag zwar direkt am Wasser aber dafür auch mitten in Augusta. Ein kleiner Holzverschlag bot uns einwenig Schutz vor dem heftigen Wind und dem stärker werdenden Regen während Olle uns auf einem kleinen Gaskocher eine Dose „Baked Beans“ zum Abendbrot erwärmte.

Wir saßen im Auto, stocherten im Topf herum und sahen dabei zu, wie der Scheibenwischer unseren Traum von einer Nacht am Strand im Sekundentakt wegwischte. Zum Glück hatten wir genügend Decken, Kissen und Schlafsäcke dabei um es uns im Auto bequem zu machen – ich auf der Rücksitzbank und Olle vorne auf Fahrer- und Beifahrersitz. Nach ein bis zwei Dosen gut gekühltem „Emu Bitter“, ein paar Runden Kniffel und Backgammon hatten wir die nötige Bettschwere (haha) und waren bereit für ein Leben mit dem Tag, ein Leben das durch den Sonnenauf- und den Sonnenuntergang bestimmt wird.

Nachdem ich eine Position gefunden hatte, von der ich annahm, dass sie mir eventuell 20 Minuten Schlaf bescheren könnte, blickte ich durch das Seitenfenster hinaus auf den großen Parkplatz, an dessen äußersten Rand wir geparkt hatten. Dabei kämpfte ich gegen eine Erinnerung aus früher Jugend an. Meine Großeltern nahmen mich mit in den Sommerurlaub nach Jugoslawien. Da wir das Urlaubsziel nicht wie geplant am frühen Abend erreichen konnten, übernachteten wir mit dem Wohnwagen einfach auf einem x-beliebigen Parkplatz. Als wir am nächsten Morgen aus dem Fenster sahen, fanden wir uns inmitten eines stark besuchten Wochenmarktes wieder. An diesem Abend in Augusta hatte ich das seltsame Gefühl, dass manche Dinge im Leben durchaus zweimal passieren können.


Reisebericht vom Tag 02: Augusta, Valley of the Giants, Albany, Cape Richie

Cape Richie

Zu den Vorteilen einer Übernachtung im Auto gehört die Sonne, die einem am frühen Morgen aus dem Schlaf holt. An diesem Morgen in Augusta war es so früh, dass sich noch kein Wochenmarktbesucher vor die Tür geschweige denn auf den Marktplatz getraut hatte. Da es außerdem immer noch regnete haben wir uns dazu entschlossen, das Frühstück ca. 200km weiter östlich zu uns zunehmen. Also zogen wir unsere Buchsen wieder an, verstauten die Schlafsachen auf dem Rücksitz, drehten den Zündschlüssel um und brausten davon. Alles ohne auch nur einen Fuß vor die Autotür zu  setzen.

Als wir uns Northcliffe und der Tank sich dem Ende näherte, war die Zeit reif zum Frühstücken. Das  Örtchen Northcliffe dürfte ungefähr 50 Einwohner zählen, liegt mitten im Nichts und mindestens 50km weit weg vom nächsten Lebensmittelgeschäft. Dafür gibt es hier aber eine Tankstelle, dessen Preise, bedenkt man die Abgeschlagenheit der Örtlichkeit, nur lächerliche 20% höher waren als erwartet. Ein paar Picknick Bänke direkt an einer Eisenbahntrasse ermöglichen durchreisenden Touristen eine Rast. Diese Schienen sahen aus, als wenn sie Mitte des 19. Jahrhunderts verlegt wurden, nachdem man am nah gelegenen Gardner River Gold gefunden hatte. Leider fand man später heraus, dass es sich bei dem Fund lediglich um ein paar Goldmünzen handelte,  die ein Reisender bei seiner Morgentoilette verloren hatte. Danach geriet sowohl die Eisenbahnanbindung als auch das Örtchen Northcliffe in Vergessenheit. Zu den heutigen Attraktionen gehören zweifelsohne zwei nagelneue Telefonzellen direkt neben den Rastanlagen,  welche auch sogleich gereinigt wurden als wir unsere Frühstücksutensilien auspackten. Hier in Northcliffe weiß man halt noch was sich gehört. Man putzt sich raus wenn unerwarteter Besuch vorbeischaut.

Tief beeindruckt von den Erlebnissen und frisch gestärkt vom Müsli machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Albany. Während Olle mit einer unglaublichen Sicherheit unser Auto über die kurvenreiche Strecke dirigierte, hielt ich Ausschau nach einem  interessanten „Scenic Drive“, „Scenic Lookout“ oder  sonstigen Touristenfallen, wo wir für wenig Unterhaltung viel Geld ausgeben konnten. Als wir das östliche Ende des Shannon National Park erreichten, wurde ich fündig: „The Valley of Giants – Tree Top Walk“. Wow, das klang faszinierend.

Zu dem Tree Top Walk gehörte dann auch noch ein kleiner Rundgang, der über die lokale Flora und Fauna informierte. Da wir immerhin A$ 6 pro Person gezahlt hatten, und Olle’s Verlangen auf eine zweite Runde gegen Null tendierte, haben wir uns dann auch noch diesen Spaziergang genehmigt. Außer lustig gewachsenen Bäumen gab es hier aber nicht viel zu sehen.

Mittlerweile war es schon Nachmittag und von Albany trennten uns noch einige Kilometer. Wenn wir dort noch vor Einbruch der Dunkelheit ankommen wollten, mussten wir uns fast schon einwenig beeilen.

Während ich vor meinem Australien Trip noch dachte Dänemark würde im Norden Europas liegen, musste ich nun feststellen, dass ich mich wohl getäuscht hatte. Denmark liegt an der Südküste Australiens ungefähr 50km westlich von Albany. Werde meinen früheren Erdkundelehrer nach meiner Rückkehr mit dieser Erkenntnis konfrontieren und eine Notenkorrektur fordern.

Als wir am frühen Abend in Albany ankamen fing es endlich wieder an zu regnen. Leider blieb uns somit die wahre Schönheit dieses idyllisch gelegenen Hafenstädtchens verborgen. Wie gewöhnliche Touristen steuerten wir das Einkaufscenter im Ortskern an, aßen unser Abendbrot bei „Subways“ und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Platz für die Nacht.

Ungefähr 100km weiter östlich wurden wir schließlich fündig. Eine unbefestigte Straße führte uns zum Cape Richie und direkt zur Küste. Am Ende der Straße befand sich ein Campingplatz. Da wir jedoch nichts für eine Übernachtung bezahlen wollten, fuhren wir die Straße die wir gekommen waren wieder zurück, missachteten ein „Einfahrt Verboten“ Schild und bogen in einen kleinen Seiteweg ab. Eine der besten Entscheidungen des Tages. Wir parkten unser Auto direkt auf einem Plateau an der Steilküste und hatten einen wunderbaren Ausblick auf das vor uns liegende Meer.

Der Versuch das Zelt aufzubauen blieb leider auch an diesem Abend ungekrönt. Der Wind pfiff uns so stark um die Ohren, dass weder das Zelt gewillt war an einem Platz stehen zu bleiben noch der Gaskocher Lust hatte uns mit seinen Diensten zu beglücken. Uns stand also wieder eine Nacht im Auto bevor. Dieses mal jedoch mit einem phantastischen Ausblick.


Reisebericht vom Tag 03: Cape Richie, Esperance, Cape Le Grand

Küstenstreifen in Esperance

Den nächsten Morgen wurden wir dann endlich mal mit Sonnenstrahlen geweckt. Und bei einem solchen Ausblick macht das Aufwachen und Frühstücken auch richtig Spaß. Die Bilder die wir von diesem wunderschönen Fleckchen Erde gemacht haben zeigen leider nicht, wie steil und tief es eigentlich bergab ging. Schon ein bisschen gefährlich, wenn man nachts betrunken aus dem Auto taumelt, um im Sturm und Regen einen geeigneten Platz für die Notdurft zu finden…

Die Sonne kitzelte uns also förmlich aus unseren Träumen. Kein entrinnen, kein nochmal umdrehen. Die Bettlaken, die wir vor die Fenster gehängt hatten waren maximal ein Sichtschutz, aber keinesfalls ein guter Sonnenschutz. Aber das macht nichts. Hätte uns nicht die Sonne geweckt, wären wir wahrscheinlich in Auto erfroren. Meine Nase war zumindest ein einziger Eisblock.

Als wir dann aus dem Auto krochen und uns die Augen rieben mussten wir feststellen, dass die Aussicht bei Sonnenaufgang noch um Längen besser ist als im Twilight. Jetzt konnten wir sogar erkennen, das firekt gegenüber von uns eine Insel war. Sie ist wirklich sehr, sehr klein. Wir haben uns gefragt, ob da wohl jemals schon jemand hingeschwommen ist? War überhaupt schon mal jemand da? Schlaue Antworten sind ausdrücklich erwünscht.

Frühstückszeit: Unser super Gaskocher hat uns trotz des Windes nicht im Stich gelassen. Es hat zwar schon ne Weile gedauert, bis wir rausgefunden hatten, wie unser „bei Wind und Wetter und auch im Sturm oder Orkan Gaskocher“ richtig funktioniert, aber dafür tat er dies dann umso besser. Somit mussten wir nie auf unseren morgendlichen Kaffee verzichten und konnten den tollen Ausblick richtig genießen.

Es ist uns ziemlich schwer gefallen uns wieder auf den Weg zu machen. Der Strand sah so schön und vor allen Dingen menschenleer aus. Aber das Ziel für diesen Tag hieß Esperance bzw. ein geeigneter, nach Möglichkeit kostenloser Schlafplatz in der näheren Umgebung. In diesem Sinne: Segel setzen und losrudern.

Der Weg von Cape Richie nach Esperance führt leider größtenteils nicht wirklich am Wasser vorbei aber dafür ziemlich dicht am Fitzgerald River National Park. Da wir doch einwenig unter Zeitdruck waren quittierten wir dieses mit einem Kopfnicken und freuten uns darüber, dass von Zeit zu Zeit ein Känguruh neben unserem Auto herhüpfte. Ein Umstand, den wir erst einige Tage später zu schätzen lernten als wir in der Nullabor Plain wesentlich mehr tote als lebendige Känguruhs zu sehen bekamen.

Wir erreichten Esperance am frühen Nachmittag und die Hauptstraße trug uns direkt ans Wasser und den Observatory Point. Höchste Zeit um den knurrenden Magen zur Ruhe zu stellen. Da weit und breit kein Imbiss zu sehen war, mussten wir also selber für Nahrung sorgen. Auto auf den Parkplatz gestellt, Gaskocher angeschmissen und auf die Schnelle ne akkurate Tuna Pasta an den Start gebracht.

Während wir also unseren Lunch genießen blicken wir hinaus aufs Meer und lassen uns eine steife Brise um die Ohren wehen. Herrlich. Die Zeit verging extrem schnell und erst bei einsetzender Dämmerung wurde uns klar, dass wir noch keinen Schlafplatz für die Nacht gefunden hatten.

Nach einem Blick in die Karte war ziemlich schnell klar: Cape Le Grand im Recherche Archipelago Nature Resort – dort oder nirgendwo. Wir saßen keine fünf Minuten im Auto als es wieder wie aus Kübeln anfing zu regnen und mit jeder Minute wurde die Sicht schlechter und die Straße leerer: „Prima, dann haben wir das Cape ja ganz für uns alleine!“

Als wir das Nature Resort erreichten waren wir zunächst ziemlich verunsicher. Wir standen vor einem Wachhäuschen und einer Schranke, welche jedoch geöffnet war. Ein großes Schild wies uns darauf hin, dass wir pro Person, PKW und Tag eine bestimmte Summe zu entrichten hätten. Ich machte mich auf um mit dem Personal zu sprechen, stellte aber zu meiner Verwunderung fest, dass niemand in dem Häuschen saß. Stattdessen fand ich ein weiters Schild, dass mich darüber aufklärte, ich hätte den entsprechenden Betrag in einen Umschlag zu packen und diesen in einen Kasten zu stecken, welcher vor lauter Umschlägen fast aus allen Nähten platzte. Interessantes System, aber warum nicht.

Die Straße führte uns dann auf einen Campingplatz direkt am Meer. Dieser Campingplatz war vom Feinsten ausgestattet: Küche mit Kochgelegenheit, Duschen und WC und Stellplatz für Autos und Zelte. Das Beste war jedoch: Er war menschenleer!! Wr hatten einige weifel, ob wir an diesem Platz bleiben sollten (wer würde uns zur Hilfe kommen falls irgenein Schlächter nur auf uns wartet), aber aus Mangel an Alternativen (die Hauptstraße war gute 20min Autofahrt entfernt und es war schon fast dunkel) haben wir uns dann auf diesem verlassenen Campingplatz einen wunderschönen Abend gemacht und sind wiedereinmal mit dem Meeresrauschen in den Ohren weggedöst…

Übrigens: Der Schlächter hat sich in der Nacht nicht gezeigt.


Reisebericht vom Tag 04: Cape Le Grand, Norseman, Cocklebiddy

146,6km geradeaus: Auf los geht´s los…
„Olle!!! Der Schlächter, da steht er!! Am Strand. Er beobachtet uns und gleich kommt er um uns zu holen!“ Ich muss gestehen bin schon lange nicht mehr so unsanft aus meinen Träumen gerissen worden. Mein Puls war von einem Schlag auf den nächsten bei 160. Schlächter, Strand, beobachten… Die Worte schossen in einer Irsinnsgeschwindigkeit durch meinen Kopf und suchten nach einer Verknüpfung. Meine Augen reagierten als Erstes. Durch die leicht beschlagenen Fenster konnte ich etwas erahnen. In einiger Entfernung stand etwas das mit halbwachen Verstand an den Rächer aus „Ich weiß was Du letzten Sommer gemacht hast“ erinnerte: Diesen Typen, dessen Gesicht man nie erkennen kann, weil es von seiner Fischermannmütze verdeckt wird. Ich starrte ihn geschlagene 5 Minuten an und er starrte zurück, doch er bewegte sich nicht. Schließlich nahm ich allen Mut zusammen und mein Klappmesser in die Hand, stieg aus dem Auto und bekam unmittelbar einen Lachkrampf. Die beschlagenen Fenster hatten die Wahrnehmung derart getrübt, dass auf die Entfernung ein einfaches Warnschild als Person durchging.

Nachdem wir uns von diesem Schreck erholt hatten frühstückten wir am Strand und machten uns schließlich auf den Weg. An der nächsten Tankstelle erfuhren wir, dass die direkte Verbindung von Esperance nach Balladonia aufgrund des anhaltenden Regens derart verschlammt sei, dass selbst 4WD diesertage ihre Probleme hätten. Super, das bedeutete ja nur 200km Umweg über Norseman. Diese Trabantenstadt würde meines Erachtens niemals auch nur eine Menschenseele zu Gesicht bekommen, würde sie nicht von diesem unglückseligen Umstand profitieren, dass sie an der einzigen befestigten Straße auf dem Weg von Esperance nach Adelaide liegen. Wir haben uns dann aber den Spaß gegönnt und dem örtlichen Shopping Centre einen Besuch abgestattet.

Auf unserem Weg nach Cocklebiddy kamen wir am Dundas Nature Reserve vorbei. Ein Aussteigen war hier aber aufgrund der vielen Fliegen nicht möglich. Die haben hier alles belagert. Hier wäre der passend Ort, um den Horrorfilm „Die Fliegen“ zu drehen. Weiter Richtung Wüste wurden dann auch die Wege immer roter und die Bäume immer kürzer. Endlich ein Gefühl von Outback, da bis dato Flora und Faune eher durch Artenvielfalt denn durch Kargheit und Minimalismus bestachen.

Als wir es dann vor Hunger kaum noch aushielten,  bogen wir in eine Seitenstraße Richtung “Luna Camping Park” ab. Dort durften wir dann kostenlos die Kochmöglichkeiten nutzen. Das war sehr nett, aber aufgrund der vielen Fliegen habe ich dann den Rest meines Mittagessens im Auto verzehrt. Schnell wieder weg!

Als wären wir noch nicht genug gerade aus gefahren, stand uns nun die längste Strecke Australiens bevor, die nur geradeaus geht. Zwischen Balladonia und Caiguna liegen 146,6km Teer und keine einzige Kurve, noch nicht einmal annäherungsweise. Der einzige
Höhepunkt: Ungefähr zehn Kängurus, die gerade gemeinschaftlich dabei waren, über die Straße zu gehen. Ein paar links, ein paar rechts und der Rest auf der Straße. Es war kein Problem zu halten, aber wir waren zu überrascht um direkt Fotos zu machen, wie sie da direkt vor unserem Auto mit „über die Straße gehen“ beschäftigt waren. Als sie dann realisierten, dass wir da waren, hüpften sie schnell in alle Richtungen weg.

Übernachten wollten wir in Cocklebiddy. Als wir dann gegen Dämmerung dort ankamen, mussten wir feststellen, dass es sich um kein Dorf, sondern lediglich um eine Tankstelle und ein kleines Krankenhaus handelte. Na gut, auch nicht so schlimm. Wir stellten uns auf den Parkplatz der Tankstelle, um dort zu übernachten. Keine fünf Minuten später kam dann direkt ein Geldeinsammler vorbei, aber wir waren wirklich nicht gewillt, für das Stehen auf einem Parkplatz Geld zu bezahlen. Also stellten wir uns an den Straßenrand einer Seitenstraße, die direkt gegenüber der Tankstelle war.  Man sollte übrigens wissen, dass die Straßen dieser Gegend auch als Landebahn der Flying Doctors genutzt werden. Diese Schilder haben wir ausreichend gesehen, aber dann nicht wirklich realisiert, dass wir direkt gegenüber von einer Ambulance standen. Nun gut, es wurde also dunkel und wir spielten wieder ein paar Runden Backgammon und tranken Bier. Auf einmal wurde Yvonne ganz unruhig, weil ein Flugzeug über uns am Kreisen war. Er hatte die Befürchtung, dass das Flugzeug wohl auf unserer Straße landen will. Ich hab das noch abgetan und auch wirklich nicht für möglich gehalten. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir quasi in Front einer Ambulance standen, war diese Theorie doch nicht wirklich verwunderlich.

Nun gut… das Flugzeug setze also direkt in unsere Richtung zur Landung an. Normal schockierte Leute springen dann also aus dem Wagen und gehen in Deckung. Wir saßen nur starr und steif da und schauten ungläubig auf das sich nähernde Flugzeug. Aber sicher, ich könnte die Geschichte nicht erzählen, wenn sie nicht noch eine glückliche Wendung genommen hätte. So ziemlich in letzter Minute oder besser Sekunde hat der Pilot wohl noch unser Licht (Kerzen) im Auto erkannt, ist abgedreht und landete dann direkt auf dem Highway. Das ist für die Flugzeuge natürlich nachts auch ein bisschen gefährlich, weil auf dem Highway die Roadtrains unterwegs sind, und die können so schnell nicht stoppen, wenn ihnen was in den Weg kommt. Was auch die vielen toten Kängurus am Straßenrand erklärt. Aber wie auch immer. Glück gehabt! Glücklicherweise waren wir noch nicht am Schlafen und hatten ein paar kleine Kerzen an. Dass nachts noch ein weiteres Flugzeug über uns kreiste, habe ich Yvonne gar nicht erst erzählt. Aber bei diesem war ich auch überzeugt, dass es das gleiche Flugzeug war, was wieder weggeflogen ist. Und das Kreisen erkläre ich mir damit, dass der Pilot über die Lichter am Straßenrand sicherlich verwundert war und vielleicht einfach noch mal schauen wollte, was sich unter ihm genau befand.


Reisebericht vom Tag 05: Cocklebiddy, Bordervillage, Cactus Beach

Great Australian Bight Marine Park

Die vierte Nacht im Auto, oder besser gesagt auf den Vordersitzen mit der Getriebekonsole an einer ungünstigen Stelle, hat mir doch ziemlich zugesetzt. Die Schlafintervalle werden immer kürzer und die Schlafpausen mitten in der Nacht immer länger. Befürchte mittlerweile schon, dass meine Hüfte nach 10 Nächten in einem 90° Winkel verharren wird und mir einen aufrechten Gang in Zukunft unmöglichen machen wird.

Ich war somit ganz glücklich, als Yvonne mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachte und mir anbot, die ersten Kilometer zu fahren, damit ich es mir auf der Rücksitzbank noch etwas bequem machen konnte. Das war mal ne Abwechslung: Gerader Rücken und Hüfte, dafür aber angewinkelte Beine. Ich hatte somit etwas Entspannung und Yvonne ihren Spaß. Sie ist wahrscheinlich bis heute der Überzeugung ich hätte es nicht mitbekommen, dass sie in einem ziemlichen Tempo über den Highway gerauscht ist. „Pedal to the Medal“ sag ich da nur. Kaum saß sie am Steuer und wurde nicht beobachtet, waren die Grundsätze ökonomischen Autofahrens über Bord geworfen. Aber was solls: Der Highway meilenweit einsehbar und kein Mensch unterwegs. Woran soll man den sonst merken dass man am Leben ist. Eigentlich beneide ich sie ja nur :)

Frühstückspause & Fahrerwechsel haben wir dann kurz vor der Grenze zu South Australia gemacht (Spätestens da war mir klar, dass sie einen Bleifuss gehabt haben musste: 260km in 2h). Obwohl wir unsere Essenvorräte ordentlich eingeteilt hatten, in der Hoffnung wir müssten bis Melbourne nicht einkaufen gehen, haben wir heute Morgen vollends über die Stränge geschlagen: Jeder bekam 2 Äpfel in sein Müsli!! So mancher mag uns jetzt vielleicht für durchgeknallte Yuppies halten, aber dieser Luxus hatte an diesem Morgen seine Berechtigung. Eine Informationstafel neben unserem Auto machte uns darauf aufmerksam, dass es nicht erlaubt sei, Obst nach SA einzuführen, wegen Fruchtfliegen oder so ähnlich. Wir müssten Obst vorher aufessen oder am Kontrollpunkt entsorgen.

Der Kontrollpunkt befindet sich übrigens mitten in SA!! Sehr sinnvoll wie ich finde. Jetzt will auch nicht darauf rumreiten, dass es eine Fruchtfliege höchstwahrscheinlich auch nicht interessiert hätte, wenn wir das Obst bereits am „Letzten Mülleimer vor der Grenze“ entsorgt hätten. „Ne, über diese Grenze da darf ich nicht fliegen, dann tue ich das auch nicht“, oder wie soll ich mir das vorstellen? Da die Informationstafel uns aber im selben Atemzug mit empfindlichen Strafen bei einem Verstoss drohte (Visaentzug, Einreiseverbot SA auf Lebenszeit oder sowas ähnliches) und wir ordnungsbewusste Deutsche sind, haben wir dann in den sauren Apfel gebissen (ha ha), die Apfeltration verdoppelt und den Rest weggeschmissen.

Wäre dankbar gewesen, wenn mir das vorher einmal jemand gesagt hätte. Aber denkste Puppe. „Hey Mate, sag mal, wir fahren morgen nach Melbourne. Irgendwelche Tipps oder Besonderheiten die es zu beachten gibt?“ – „In Australien ist Linksverkehr“ – „Ah ja? Na dann vielen Dank auch!“ – „No worries, catch ya later!“

Die ersten Highway Kilomerter in SA führen uns entlang des „Great AUstralian Bight Marine Park“. Über knapp 200km hatten wir das Gefühl, quasi direkt am Stand entlang zu fahren – taumhaft!! Alle paar Minuten kommt man an einem Scenic Lookout vorbei. Zwei oder drei davon sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Mehr aber nicht unbedingt, da der Ausblick bei allen gleich atemberaubend ist und sich auch kaum ändert.

Das nächste Etappenziel war dann der berühmte „Cactus Beach“. Eine ca. 20km lange extreme Schotterstraße führte uns vom Highway A1 zu diesem wirklich netten Punkt. Wir brauchten ca. 30 Minuten für diese Strecke, bei welcher wir in jeder Sekunde befürchteten, dass unser Auto gleich auseinander fällt, obwohl wir nicht viel schneller als Schrittgeschwindigkeit fuhren. Wir fuhren zwischen riesigen Sanddünen hindurch und über eine Straße, die von zwei Seen mit unterschiedlicher Wasserfärbung begrenzt wurden (der Linke war normal blau aber der Rechte hatten einen unverkennbaren Hang ins Violette).

Am „Cactus Beach“ angekommen mussten wir leider feststellen, dass sich dieser Ort nicht unbedingt gut zum Wildcampen eignet. Also kurz den Augenblick genossen und wieder zurück. Wir suchten uns eine kleine Seitenstraße, in der wir das Auto geschützt vor Blicken abstellen konnten, und kochten auf unserem Gaskocher ein 3 Gänge Menü. Übernachtet haben wir dann aber doch nicht an dieser Stelle, da ein anderes Auto in Sichtweite stehen blieb. Um einer erneuten Begegnung mit dem Schlächter oder einfach nur unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen, sind wir dann ein paar Seitenstraßen weiter gefahren (sicherlich einer der Vorteile wenn man im Auto übernachtet: Zündung starten und schon sind wir wieder weg).


Reisebericht vom Tag 06: Cactus Beach, Cape Bauer, Mt Camel Beach

Cape Bauer

Tag sechs unserer Reise began gleich mit einem Höhepunkt: Unsere Mobiltelefone hatten wieder Empfang! Ein sicheres Zeichen, dass die Zivilisation nicht mehr ganz so weit weg sein konnte. Bereits nach 50km hatten wir sie erreicht, also zumindest die ersten Ausläufer in Form von Ceduna.

Wir waren die ersten Leute an diesem Morgen um 8Uhr die vor der Eingangstür der örtlichen Touristeninformation warteten. Als man uns hereinließ, machten wir einen Höflichkeitsschlender durch die Auslagen, erfragten etwas an der Information und verschwanden dann im Restroom. Nach fünf Tagen unterwegs endlich mal wieder eine ordentliche Toilette ;-)

Anschließend waren wir so erleichtert, dass wir aus Dankbarkeit erstmal den Internetrechner für eine gute Stunde in Beschlag nahmen. Fünf Tage keine Emails mehr gelesen und keine SMS geschrieben, geschweige denn empfangen. Das war schon eine harte Probe.

Der große Haken daran war jedoch, dass bekanntermaßen aus Tagen die bereits mit einer ausgedehnten Pause beginnen nicht wirklich was produktives wird. Unser Tagesziel war eigentlich Port Lincoln, knappe 500km von Ceduna entfernt. Da wir aber noch einige Stopps an diversen mehr oder weniger bekannten Stränden machen wollten, war uns aber bereits bei der Abfahrt in Ceduna klar, dass dasraus nichts werden würde.

Wie verließen Ceduna zur Mittagszeit und fuhren auf der B100 direkt an der Küste entlang. Nach 40km erreichten wir „Smoky Bay“. Laut Reiseführer ein absolutes „Must See“. Da wir aber wie bereits erwähnt unser Frühstück in Perth nicht aufgegessen hatten und uns deswegen seitdem die dicken Regenwolken verfolgen, blieb uns die wahre Schönheit dieses Ortes verschlossen.

Weiter gings zur „Streaky Bay“, genauer gesagt zum „Cape Bauer“. Das „Cape Bauer“ kann man hervorrang mit dem Wagen umrunden und insbesondere der Aussichtspunkt direkt an der Spitze hat es in sich!! Kann ich nur empfehlen. Hatte natürlich den Fehler gemacht und mich von einer Regenpause aus dem Auto locken lassen. Kaum war ich 200m vom Auto weg fing es an Hunde und Katzen zu regnen. Ich wahr wohl innerhalb 30sec wieder im AUto, aber dennoch durchnässt bis auf die Unterhose.

Nachdem wir uns in „Streaky Bay“ mit schlechten Fish & Chips gestärkt hatten, machten wir uns auf den Weg zur 70km entfernten „Venus Bay“. Herlicher Ausblick, Pelikane und neugierige Anwohner, die sich tatsächlich noch nach jedem Touristen argwöhnisch umdrehen. Hier wollten wir dann doch nicht übernachten.

Da wir es keinesfalls mehr bis Port Lincoln schaffen würden, musste eine Alternative her. Die gute Frau aus der Touristeninformation in Ceduna hatte mir was von einem „Mt Camel Beach“ erzählt. In unserer Karte war der nicht zu sehen, aber auf Infoblättchen dass sie mir mitgegeben hat.

Da wir mal wieder nichts zu verlieren hatten, machten wir uns auf den Weg zum „Mt Camel Beach“. Wir verließen schließlich die B100 um wieder einmal unsere Hoffnungen auf eine Schotterstraße, die als Sackgasse zum Meer führen sollte, zu legen. Die Sonne verschwand bereits am Horizont, als die Straße ein Ende fand: Volltreffer!!! Wir standen auf einer Plattform und hatten einen fantastischen Blick auf das offene Meer, welches ungefähr 100m tiefer vor unseren Füßen lag. Leider fegte uns der Wind dermaßen um die Ohren, dass der Versuche das Zelt aufzubauen wieder einmal nichts brachte. Dafür parkten wir das Auto so, dass wir mit einem kühlen Feierabendbier in der Hand beobachten konnten, wie die Abendsonne langsam im Meer versank. Eine wunderschöne Weise um einen Tag zu Ende zu bringen.


Reisebericht vom Tag 07: Mt Camel Beach to Adelaide

Adelaide

Waren wir letzte Nacht noch mit dem Rauschen des Meeres eingeschlafen, weckte uns heute Morgen das Prasseln der Regentropfen auf unserem Auto. Ich versuchte den Sichtschutz von der Windschutzscheibe zu entfernen, musste aber feststellen, dass sich dort keiner befand. Das war Nebel von der feinsten und dichtesten Sorte, der uns den Blick auf unsere Umgebung und insbesondere auf das Meer versperrte. An so einem Ort wollten wir keine fünf Minuten länger bleiben.

Bereits am Abend vorher hatten wir ausgiebig die Karte studiert und überlegt, ob wir heute weiter nach Port Lincoln fahren und versuchen von dort mit einer Fähre nach Adelaide überzusetzen (was übrigens nicht geht wie wir später erfahren haben) oder direkter über Port Augusta nach Adelaide fahren. Nach einem erneuten Blick aus dem Fenster und die Straßenkarte war klar: Das Tageziel heißt Adelaide, und zwar ohne Umwege.

Über einige unbefestigte Straßen schlugen wir uns querfeldein und trafen bei Wudinna wieder auf die A1, welcher wir in Richtung Osten folgten. Gegen 9Uhr waren wir bereits in Kimba und Mittags in Port Augusta, wo wir lediglich eine kurze Kaffeepause machten. Die letzten Kilometer bis Adelaide legten wir wie im Flug zurück, weshalb wir bereits um 15Uhr unser Auto an der Uni im Centrum von Adelaide abstellen konnten.

Unser Plan schien aufzugehen. Das Wetter war bombastisch und wir machten uns auf einen Rundgang durch die Stadt. Ausgangspunkt war wie gesagt die Uni, von dort aus ging es zunächst zur Libary und dann in die Innenstadt selbst. Adelaide hat übrigens eine richtige Fussgängerzone!! So wie man sie aus Europa kennt! Eine Straße mit Geschäften und ohne Autos! Fantastisch (und ziemlich einzigartig für Australien, soweit ich das beurteilen kann). An das westliche Ende der Innenstadt schließt sich der Botanische Garten an, dessen Pfade uns wieder zurück zu unserem Auto führten.

Nächster Halt: Glenelg – der Strand- und Szenebereich Adelaides. Hier haben wir an der Esplanade gestanden, uns den Sonnenuntergang angeschaut und dabei die musikalische Untermalung einer Live Band genossen, die nur wenige Meter entfernt in einer Kneipe spielte. Unser Fazit für Adelaide: Sehenswert – Adelaide ist ziemlich schön und hat starken viktorianischen Charakter.

Mittlerweile war es dunkel. Die Chancen um einen schönen Schlafplatz zu finden tendierten gegen null. In Adelaide konnten wir auch nicht bleiben, da wir mitten in einer Stadt niemals ein ruhiges Plätzchen finden würden. Wir entschlossen uns unser Glück im Osten zu suchen, verließen Adelaide wieder und fuhren auf der A1 weiter Richtung Victoria. In der Nähe von Murray Bridge waren wir dann mittlerweile so müde, dass wir uns einfach auf einen Parkplatz direkt am Highway stellten, den Vorhang zuzogen und einschliefen.


Reisebericht vom Tag 08: Adelaide to Cape Bridgewater

Beachport: „Scenic Beach Drive“

Um ehrlich zu sein gehört eine Nacht direkt am Highway A1 nicht zu unseren sehnlichsten Träumen. Dementsprechend waren wir an diesem Morgen nicht sonderlich enttäuscht, dass die Nacht schon sehr früh vorbei war. Bereits gegen 6Uhr waren wir wieder unterwegs Richtung Mt Gambier.

Als wir unseren Tripp planten, hatten wir diesen Tag eigentlich als einen Transfertag geplant, einen Tag der ausschließlich dazu dient uns von Adelaide nach Warrnambool, dem Startpunkt der Great Ocean Road, zu bringen. Wir waren uns ziemlich sicher, dass wir an diesem Tag sicherlich nicht sonderlich viel sehen würden, da die direkte und somit kürzeste Verbindung zwischen beiden Punkten durch das Land führt und nicht am Wasser vorbei. Damals hatten wir wohl die B1 übersehen.

In Tailem Blend, knappe 30km östlich von Murray Bridge, bogen wir auf die B1, den Princess HWY ab, welcher uns entlang der „Younghusband Peninsula“ zu den Orten Robe und Beachport führt. Eine der besten Entscheidungen die wir dieser Tage getroffen haben.

In Robe machten wir einen kurzen Spaziergang entlang des Strandes und anschließend einen kleinen Umweg zum angepriesenen Aussichtspunkt von Robe. War der Strand eher gewöhnlich, gehörte der Aussichtspunkt schon zur gehobenen Kategorie. Hier hatten wir atemberaubende Blicke auf einen wunderschönen Küstenstreifen. Sehr zu empfehlen!! Beachport hat einen sehr beeindruckenden „Scenic Coast Drive“, dessen Start- und Endpunkt der Pier im Ortskern ist. Ebenfalls äußerst sehenswert.

Unser Tripp führte uns schließlich nach Mt Gambier. Da wir eigentlich noch genügend Zeit hatten um bis zum Einbruch der Dunkelheit in Warrnambool anzukommen, entschlossen wir uns hier eine Stunde zu verbringen. Wir schauten uns die Stadt an und gingen einen Kaffee trinken. Als wir wieder ins Auto stiegen war es 16Uhr. Um 18Uhr wird es dunkel, bis Warrnambool sind es 200km, wir haben noch 2h, das passt sollte man meinen. Doch weit gefehlt! Kurz hinter Mt Gambier liegt die Grenze die SA von VIC trennt. Und um diese Grenze etwas wichtiger zu machen als sie eigentlich ist, gibt es auch hier ein Obstein- und -ausfuhr Verbot und obendrauf noch den Wechsel der Zeitzonen. Es war somit auf einen Schlag 17Uhr, womit uns noch genau 60min bis zum Sonnenuntergang blieben. Entsprechendes Kriesenmanagement war gefragt.

Unterwegs entschlossen wir uns, dass wir nur bis Portland fahren und uns am dortigen Cape Nelson ein schönes Plätzchen suchen würden. Leider war das Glück nicht auf unserer Seite. Die Straße die von Portland hinaus zum Cape Nelson führt war mal wieder eine Sackgasse und endet vor einem Zaun. Hat sich was mit schönem Platz für die Nacht. 10km zurück nach Portland und von dort aus 25km nach Westen, zum Cape Bridgewater. Dort gibt es laut Karte einen Campingplatz und es einen Campingplatz gibt gibt es auch immer eine Möglichkeit wild zu campen. Bingo!

Cape Bridgewater war wieder ein Treffer. Parkplatz direkt am Meer und außer uns keine Menschenseele. Nur wir, ein Bier und das Rauschen des Ozeans.


Reisebericht vom Tag 09: Cape Bridgewater to Apollo Bay

12 Apostels

Heute ist der achte Tag unseres Road Tripps und der dreizehnte im September. Da wir uns in der südlichen Hemisphäre bewegen befinden wir uns mitten im australischen Frühling. Laut diversen Reiseführern die beste Jahreszeit zum „Whale Spotting“. Auch wir wollten Wale sehen. Einer der besten Orte zum Wale beochaten ist Warrnambool mit seinem extra eingerichteten „Whale-Observation-Deck“. Dies ist eine risiege Holzplattform direkt am Strand, von der aus man einen fantastischen Ausblick auf das Meer hat. Am heutigen Tag war sogar ein staatlich geprüfter Walbeobachter (ha ha) vorort, nur leider gab es in den knapp 60min die wir zugegen waren keine Wale zu sehen. Doof!!

Acht Tage waren wir mittlerweile unterwegs und haben ungefähr 4500 australische Highway Kilomerter hinter uns gelassen. Die Strecken die wir gewählt haben hatten alle ihren Charme. Selbst die eher monotone Fahrt durch die Nullabor Plain hatte irgendwie ihren Reiz. Doch die nächsten 400km die vor uns liegen werden alles bisher Gesehene locker in den Schatten stellen! 400km Scenic Drive vom aller Feinsten: Die Great Ocean Road.

Ich habe mal gelesen, dass die Great Ocean Road die meist befahrene und meist fotografierte Straße der welt sei. Nachdem wir diese Strecke gefahren sind kann ich mir das gut vorstellen. Die Straße verläuft immer sehr dicht am Meer und alle paar Kilometer gibt es wirklich sehenswerte „Scenic Lookouts“. Auch wir haben uns an diesem Tag das volle Programm gegeben: London Bridge, The Arch, Loch Ard Gorge, Razorsback und die Twelve Apostels, die ja eigentlich nur noch Eight Apostels heißen dürften, nachdem im August 2005 wieder einmal ein Apostel in sich zusammengebrochen ist. Da man von der Aussichtsplattform aber eh nur einige sehen kann ist das aber nicht ganz so schlimm. Um alle Apostel sehen zu können rate ich zu einem Helikopterrundflug. Was der allerdings kostet kann ich nicht sagen, da wir dies nicht gemacht haben.

Es war dann auch bei den Twelve Apostels, wo wir in den unverhofften Genuss kamen, einige Wale zu beobachten. Einige hundert Meter vor der Küste tummelten sich zwei Exemplare im Wasser. Das war schon ein ziemlich ergreifendes Erlebnis…

Jedem der es in Betracht zieht die Great Ocean Road zu befahren lege ich es ans Herz, dies ebenfalls außerhalb der Hauptsaison zu tun. Wir hatten zu allen Sehenswürdigkeiten einen hervoragenden Zugang und waren meist nur mit einer Handvoll anderen Touristen vor Ort. Einzig und allein die Twelve Apostels waren hoffnungslos überlaufen. Wie es hier zur Hauptsaison aussieht (Australia Day oder ähnliches) möchte ich mir gar nicht erst vorstellen.

Gegen Abend erreichten wir Apollo Bay, unserer bevorzugter Übernachtungsplatz. In Apollo Bay selbst war natürlich mal wieder kein passender Parkplatz zu finden. Aber bereits einige Kilometer weiter östlich wurden wir fündig: ein kleiner, verlassener Parkplatz für Angler mit einem wunderschönen Blick auf das Meer und Apollo Bay. Selbstverständlich war auch wiedermal das Campen verboten, aber wir wollten ja nicht campen ;-)


Reisebericht vom Tag 10: Apollo Bay to Melbourne

Melbourne: Brighton Beach

Es war ein ausgesprochen schöner Sonnenaufgang den wir am Morgen unseres letzten Tages unseres Road Tripps genießen konnten. Wir saßen in unseren Campingstühlen neben unserem Auto, freuten uns über den warmen Kaffee in unserer Hand und die wärmenden Sonnestrahlen im Gesicht. In diesem Moment lag sicher auch etwas wie Wehmut in der Luft. Wir waren nun in unmittelbarer Schlagdistanz zu unserem Ziel: Melbourne. Die Reise, die nahezu unbeschwerte Zeit auf der Straße würde heute zu Ende gehen. Keine weitere Nacht in unserem mitlerweile extrem liebgewonnenen Auto.

Nachdem wir den Sonnenaufgang äußerst exzessiv genossen hatten, machten wir uns gegen 8Uhr wieder auf den Weg. Fast im Schneckentempo legten wir die letzten Kilometer auf der Great Ocean Road zurück. Die Anzahl der Aussichtspunkte wurde zwar weniger, aber wir fotografierten trotzdem nahezu jeden Streckenkilometer. Vielleicht ein Versuch um die Momente und Ausblicke der vergangenen zehn Tage unauslöschbar im Gedächtnis und vor dem geistigen Auge einzubrennen.

Gegen Mittag erreichten wir Torquay: Das offizielle Ende der Great Ocean Road und die Surfer Hochburg etwa eine Autostunde südlich von Melbourne. Hier gibt es den weltberühmten „Jan Juc Beach“ und jede Menge hippe, coole und vor allen Dingen junge Menschen. Ich für meinen Teil hatte das Gefühl, dass jede australische Schulklasse ihre Abschlussfahrt nach Torquay macht.

Nachdem wir den Strand begutachtet hatten, wo leider kein einziger Surfer sein Unwesen trieb, fuhren wir weiter in das Zentrum. In Torquai gibt es eine gigantische Einkaufsmeile. Es gibt kein Surferlabel, das hier nicht vertreten ist. Hier laufen übrigens auch die ganzen Leute mit ihren Surfboards rum, kein Wunder dass am Strand keiner zu sehen ist. Über diese Einkaufsmeile gibt etwas wichtges zu sagen: Alle Geschäfte, die sich an der Hauptstraße präsentieren, haben auch einen Hintereingang. Wer vorne reingeht, zahlt locker das doppelte von dem was man hinten bezahlt. Keine Sorge ist kein Schwarzmarkt oder billige Reproprodukte. Hinten befindet sich jeweils das offizielle Outlet.

Von der Touristeninformation in Torquay aus haben wir uns dann auch in ein Backpacker in Melbourne eingebucht: Das YHA Chapman Garden Melbourne. Wie wir später festgestllt haben ist das kein Backpacker im eigentlichen Sinne, sondern lediglich eine Jugendherberge. Hier trifft man aus Rucksackreisende, aber weniger das junge, flippige Folk.

Gegen Mittag ließen wir Tourquay hinter uns fuhren die letzten Kilometer nach Melbourne. Da wir beide einen Hang zur deutschen Metropole Hamburg haben, war ein kurzer Stop in Altona obligatorisch. Von Altona aus sind es nur wenige Meter bis Williamstown, von wo aus wir einen hervorragenden Blick auf Melbournes Skyline hatten. Einen Ausblick auf eine Stadt, die in den kommenden 6 Monaten unser zu Hause sein sollte.

In Williamstown holten wir noch ein letztes Mal tief Luft unf stürzten uns in das Großstadtgetümmel, welches uns natürlich in seiner vollen Breite traf. Linksverkehr zur Rush Hour in einer Großstadt in der man sich nicht auskennt.

Gegen 15Uhr erreichten wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge unser Backpacker im Norden von Melbourne. Hinter uns liegt eine unglaublich interessante Reise die uns eine Menge tiefer Einblicke in dieses atemberaubende Land gegeben hat.

Ob wir diesen Tripp noch einmal machen würden, so mit im Auto übernachten und so? Ob wir es empfehlen können diesen Tripp zu machen?
Ja, aber ich würde dringend raten mehr Zeit einzuplanen.