Reisebericht vom Tag 01: Perth, Bunbury, Margaret River, Augusta
Küste von Bunbury

Das große Ziel hieß Melbourne – ungefähr 3.500km Luftlinie von Perth. Vor Antritt der Reise war mir noch nicht ganz klar, wie groß die Herausforderung sein würde, die vor uns lag. Bei dem Kurierdienst-Unternehmen Hansetrans habe ich das „Schnell-hin-und-noch-schneller-wieder-weg“-Prinzip gelernt, welches es mir ermöglicht hatte, die Strecke Paderborn-Mailand-Paderborn in 24 Stunden zurückzulegen.

In Australien würde ich mit diesem Prinzip nicht sehr weit kommen. Zum einen gibt es hier ein Tempolimit und zum anderen machen die hier beheimateten Kängurus eine Autofahrt nach Sonnenuntergang zu einem riskanten Unterfangen. Ich musste also umdenken: Plötzlich war wieder der Weg das Ziel – die kleinen Dinge am Straßenrand aufmerksam betrachten; die wahre Schönheit des Augenblicks erkennen. Verweilen wo es einem angenehm erscheint und weiter reisen wo es ungemütlich ist. Meine Omi hat immer gesagt „Wo man singt da lass dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder“. Mit einem fröhlichen Lied auf den Lippen machten wir uns sodann auf den Weg um irgendwann irgendwo anzukommen.

Es war ein schöner Tag, zumindest in Perth, an dem wir uns auf den Weg nach Melbourne machten. Wir standen mit den ersten Sonnenstrahlen auf und verstauten unseren ganzen Kram im Auto. Erstaunlich, was in einen Kombi so alles rein passt. Waren wir beide doch lediglich mit kleinem Gepäck nach Australien gereist, hatten wir nun fast einen kompletten Hausstand im Wagen.

Alles lag gut sortiert und fest verschnürt im Kofferraum und auf der Rücksitzbank. Die Klamotten würden wir in den kommenden zehn Tagen täglich dreimal wechseln können. Die unendlich vielen Mp3´s würden uns einen ununterbrochenen Musikgenuss ermöglich ohne in die missliche Lage zu kommen, ein Lied zweimal zu hören. Die gezielt platzierten Wasservor-räte (4 x 15l Kanister) sorgten zum einen für eine perfekte Straßenlage, zum anderen nahmen sie uns auch die Angst vor einer Panne mitten in der Wüste. Direkt neben dem Zelt und der Luftmatratze lagen eine große Kiste Dosenbier, zwei Klappstühle (mit integriertem Bierdosenhalter) und ein Klapptisch. Das vorhandene Geschirr und die Kochutensilien ermöglichen es, auf einem x-beliebigen Parkplatz ein 5-Gänge Menü zuzubereiten und zu servieren. Sollte uns jedoch eine Busladung ausgehungerter Weight-Watcher die Lebensmittelvorräte wegessen, würde ich mit der Angel- oder Tauchausrüstung  für nahrhaften Ersatz sorgen können. Wir waren eigentlich auf so gut wie alles vorbereitet!

Schnell noch frühstücken, sich von allen verabschieden, das Kaffeepulver in der Küche vergessen und dann nichts wie los. Der erste Streckenabschnitt für den heutigen Tag war vergleichsweise einfach. Bereits nach wenigen Minuten hatten wir die dringend benötigte Tankstelle erreicht. Einmal voll tanken, Flüssigkeitsstände überprüfen und Luftdruck checken. Letzteres geht hier übrigens sehr einfach: Einfach gewünschten Luftdruck an der Säule einstellen, Schlauch aufs Ventil stecken und der Rest geht automatisch.

Die wahre Herausforderung wartete jedoch noch auf uns: Die ersten Meter als Autofahrer in Australien für Olle. Während  Perth im Rückspiegel immer kleiner wurde, übertönten meine angsterfüllten Schreie „Weiter rechts, weiter rechts – Du fährst zu weit links! Aaaahhhh!“ die Musik, die wir uns für den Beginn unserer Reise ausgesucht hatten. Ob wir das heutige Etappenziel Augusta wirklich erreichen würden schien zumindest für mich zu diesem Zeitpunkt mehr als fraglich.

Mit unserem leicht betagten Ford Falcon Station Wagon waren wir nun also unterwegs in südlicher Richtung. Wir fuhren auf dem Highway 1, welcher die wichtigsten Küstenstädte Australiens miteinander verbindet. Über kurz oder lang würde er uns also nach Melbourne bringen. Nach knapp zwei Stunden Fahrt durchquerten wir auf ihm jedoch zunächst einmal das verschlafene Küstenstädtchen Bunbury. Da Olle eh genug vom Linksverkehr hatte bot sich eine kurze Rast für einen Fahrerwechsel mehr als an.

Etwas südlich von Bunbury verließen wir den Highway 1, um auf einer kleineren Landstraße dichter am Meer entlang zu fahren. Wir näherten uns dem süd-westlichsten Zipfel Australiens. Zwischen dem Cape Naturaliste und dem Cape Leeuwin erstrecken sich ca. 80km der besten Surfstrände West Australiens. Auf halber Strecke liegt Margaret´s, dessen Strände als Austragungsort für eines der berühmtesten Surfevents der Welt dienen.

Mit ordentlichem Rückenwind flogen wir weiter Richtung Süden. Unser Tagesziel war Cape Leeuwin, der süd-westlichste Punkt Australiens und der Ort an dem der Indische und der Süd-liche Ozean zusammentreffen. Laut dem „Lonely Planet“ ein Ort, den man auf seiner Reise unbedingt gesehen haben muss. Wie gemacht um dort direkt am Strand unser Zelt aufzuschlagen und die Nacht zu verbringen.

Doch mit jedem Kilometer mit dem wir dem Ziel näher kamen, nahm der Regen, der uns schon den ganzen Tag zu verfolgen schien, zu und unsere Hoffnung auf eine Nacht im Zelt ab. Insgeheim stellten wir uns beide bereits auf eine Nacht im Auto ein. Als wir Augusta pas-sierten ging der sanfte Nieselregen langsam in einen handfesten Schauer über. Am Cape Leeuwin angekommen regnete es dafür dann aber so stark, dass wir die Hand vor Augen nicht erkennen konnten. Auße