Entlang der Gibb-River-Road durch die Kimberleys

Nun sitze ich in der Gecko-Lodge in Darwin und habe eine Woche voller neuer Erfahrungen hinter mir: Eine Campingtour durch die Kimberleys, einer der faszinierendsten, kaum erschlossenen Landschaften Australiens, von Broome Richtung Darwin entlang der Gibb River Road.  Sie ist eine unbefestigte Nebenstrecke des Great Northern Highway und führt auf  665 km von Derby nach Wyndham/Kununurra. Da sie teilweise durch Flussbetten und anderes unwegsames Gelände führt, ist sie nur für Allradfahrzeuge befahrbar und in der Regenzeit (Oktober bis März) meistens komplett gesperrt.

Und so fing alles an:

Pünktlich wurde ich frühmorgens an meinem Hotel in Broome abgeholt und zu den Cable-Beach-Backpackers chauffiert, von wo aus die Fahrt mit dem 4-WD-Bus starten sollte. Ich war gespannt. Endlich würde ich erfahren, wer noch mit mir an dieser Campingtour teilnehmen würde. Noch während ich vor meinem Hotel wartete, gesellte sich ein australisches Ehepaar mittleren Alters zu mir. Es stellte sich heraus, dass die beiden auch mitfuhren.

Wie sich später zeigte, waren sie die einzigen Aussies auf dieser Tour. Mit dabei waren noch ein Taiwanese, der in Canberra studierte, drei japanische Mädels, die mit Working-Holiday-Visa in Australien unterwegs waren, eine Österreicherin, eine Schweizerin, eine Französin und zwei Engländerinnen. Mit mir zusammen waren wir zwölf Passagiere, davon 10 Frauen plus Matt, dem Fahrer und Guide.

Nach einer  kurzen Fahrt und erstem gegenseitigen Beschnuppern legten wir einen kurzen Zwischenstopp an einem Roadhouse ein. Dort war die letzte Gelegenheit, uns mit Bier und anderen überlebensnotwendigen Dingen einzudecken. Danach ging es auf der noch befestigten Gibb River Road zum Boab Prison Tree,  einem Affenbrotbaum, der einen so mächtigen hohlen Stamm hat, dass er in früheren Zeiten dazu missbraucht wurde, um Aborigines darin gefangen zu halten, die dann in der Perlenindustrie schuften mussten. Heute ist der Baum ein Mahnmal, das an die Verbrechen gegen die einheimischen Völker Westaustraliens erinnert.

Danach weihte uns Matt in die Geheimnisse unseres Tour-Busses ein. Er erklärte uns, wo die Lebensmittel, Geschirr, Töpfe, Swags (Schlafsack mit eingebauter Isomatte) und alles andere Zubehör für die nächsten Tage untergebracht waren. Außerdem zeigte er uns, wie wir unser Lager aufzubauen hatten, wo gekocht wurde usw. Ich bekam ziemlich starke Bedenken, wie ich es die nächsten acht Tage unter solch bescheidenen Verhältnissen aushalten sollte. Aber jetzt gab es kein Zurück mehr und vielleicht konnte es auch ein Urlaub von der Zivilisation sein.

Zum Lunch sollte es Sandwiches geben und so legten wir los. Jeder schnappte sich etwas von den Tomaten, Gurken, Käse, Schinken und den anderen Zutaten und begann zu schnippeln. Zugegebenerweise wurde so ein schmackhaftes Busch-Mittagessen hervorgezaubert.

Danach ging’s weiter zum Tunnel Creek, einer 75o m langen Passage von 3 bis 15 m Breite, die zum Großteil höhlenartig angelegt ist. An einigen Stellen mussten wir durch kaltes, knietiefes Wasser waten. An beiden Enden konnten wir Aborigine-Malereien sehen. In einer Art „Lichtung“ entdeckten wir Hunderte von riesigen und bemerkenswert aktiven Fledermäusen.

Unser Nachtcamp schlugen wir an der Windjana Schlucht auf. Auf dem Weg zum Camp stoppte Matt plötzlich und wir mussten Feuerholz für unser Abendessen einsammeln. Es war schon ein komisches Gefühl, nur mit Sandalen durch das Gestrüpp zu streifen, wo ich doch so oft von den gefährlichen Schlangen und Spinnen in Australien gelesen hatte.

 

Bis zum Dinner dauerte es noch eine ganze Weile, weil das Holz erst durchglühen und zu Kohle werden musste. Aber es schmeckte wirklich lecker, es gab gegrillten Fisch mit verschiedenen Gemüsesorten, die in einer Art Wok gedämpft wurden. Danach hieß es für mich zum ersten Mal schlafen in der freien Natur. Das Himmelszelt war absolut beeindruckend und voller Sterne.

Erstaunlicherweise konnte ich recht gut schlafen und wurde kurz nach fünf Uhr von der aufgehenden Sonne und dem Kreischen der Kakadus geweckt. Nach dem Frühstück, Spülen und Verstauen aller Utensilien machten wir einen Gang durch die Windjana Gorge. Sie besteht aus versteinerten Überresten eines ehemaligen Unterwasserriffs und ihre Felswände erheben sich 100 m über dem Lennard River. Schon nach wenigen Metern konnten wir Süßwasserkrokodile sehen, die sich am Ufer sonnten oder durch das Wasser glitten. Auf dem Rückweg entdeckte ich noch eine Western Brown Snake, die wohl sehr giftig ist und sich in flottem Tempo vorwärts bewegte.

Anschließend fuhren wir weiter zur Bell Creek Gorge. Nach einem Fußmarsch erreichten wir ein mit Wasser gefülltes, terrassenförmiges Natursteinbecken. Unser Guide baute das Mittagessen in einer Felsnische auf, während wir ein Bad im kühlen Nass nehmen konnten.

Auf dem Weg zum nächsten Nachtlager war wieder Holzsammeln angesagt. In dieser Nacht schlugen wir unser Lager in der Nähe eines Flusses auf. Wir waren die einzigen menschlichen Lebewesen dort, aber es wimmelte von Fröschen, die den ganzen Abend um die Wette quakten.

So vergingen die Tage wie im Flug. Wir übernachteten meistens an abgelegenen Stellen mitten im Busch, wo es weder Handy-Empfang noch Duschen gab. So nahmen wir jede Gelegenheit wahr, um in Seen zu baden.  Außerdem blieben wir ja unter uns, und jeder war  nach dem Auf- und Abbau des Camps sowieso wieder voller Staub.

Dafür wurden wir mit einer Menge Naturschönheiten entschädigt. Am vierten Tag übernachteten wir auf der El Questro Ranch. Sie liegt im El Questro Wilderness Park und ist eine riesige Rinderfarm, mit angeschlossenem Campingplatz, Bungalows, Bar und Restaurant. Und wir konnten zum ersten Mal wieder duschen! Außerdem wurde an diesem Abend Livemusik (Country) geboten.  Zwei Jackeroos älteren Semesters gaben ihr Bestes und die Zuschauer waren begeistert.

Ein Highlight unserer Reise war die Fahrt in den Purnululu (Bungle Bungle) Nationalpark mit seinen berühmten gestreiften Steintürmen. Diese 350 Millionen Jahre alten Sandsteinformationen wurden erst in den 1980er Jahren entdeckt und im Jahr 2003 auf die Liste des Weltnaturerbes gesetzt.

Wer wollte, konnte an einem Helikopter-Rundflug teilnehmen, um sich einen besseren Überblick über dieses Naturwunder zu verschaffen. Ich nutzte die Gelegenheit, obwohl es mit 250 AUD für einen 30-Minuten-Flug nicht ganz billig war. Es war ein hinreißendes Erlebnis, zumal ich noch nie vorher mit einem Helikopter geflogen war.

 

Bei brütender Hitze,  wanderten wir anschließend zur Cathedral Schlucht. Am nächsten Morgen sahen wir uns noch die Echidna Kluft an und fuhren bis zum Lake Argyle, dem zweitgrößten Süßwasserreservoir Australiens. An unserem letzten Tag unternahmen wir eine Bootsfahrt über den See. Nach dem Mittagessen brachte uns Matt zum Flughafen von Kununurra, von wo aus wir mit einer Propellermaschine der Air North nach Darwin flogen.

In Darwin bezog ich ein Zimmer in der Gecko Lodge, einem Backpacker ca. 25 Minuten Fußwegvon der City entfernt. Zum Abendessen traf ich mich mit einigen anderen Tour-Teilnehmern zu einem Abschiedsessen und sank wenig später erschöpft zum ersten Mal wieder in einer richtiges Bett.

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