Die vierte Nacht im Auto, oder besser gesagt auf den Vordersitzen mit der Getriebekonsole an einer ungünstigen Stelle, hat mir doch ziemlich zugesetzt. Die Schlafintervalle werden immer kürzer und die Schlafpausen mitten in der Nacht immer länger. Befürchte mittlerweile schon, dass meine Hüfte nach 10 Nächten in einem 90° Winkel verharren wird und mir einen aufrechten Gang in Zukunft unmöglichen machen wird.

Ich war somit ganz glücklich, als Clelia mit den ersten Sonnenstrahlen aufwachte und mir anbot, die ersten Kilometer zu fahren, damit ich es mir auf der Rücksitzbank noch etwas bequem machen konnte. Das war mal ne Abwechslung: Gerader Rücken und Hüfte, dafür aber angewinkelte Beine. Ich hatte somit etwas Entspannung und Clelia ihren Spaß.

Sie ist wahrscheinlich bis heute der Überzeugung ich hätte es nicht mitbekommen, dass sie in einem ziemlichen Tempo über den Highway gerauscht ist. „Pedal to the Medal“ sag ich da nur. Kaum saß sie am Steuer und wurde nicht beobachtet, waren die Grundsätze ökonomischen Autofahrens über Bord geworfen.

Aber was solls: Der Highway meilenweit einsehbar und kein Mensch unterwegs. Woran soll man den sonst merken dass man am Leben ist. Eigentlich beneide ich sie ja nur :)

Frühstückspause & Fahrerwechsel haben wir dann kurz vor der Grenze zu South Australia gemacht (Spätestens da war mir klar, dass sie einen Bleifuss gehabt haben musste: 260km in 2h). Obwohl wir unsere Essenvorräte ordentlich eingeteilt hatten, in der Hoffnung wir müssten bis Melbourne nicht einkaufen gehen, haben wir heute Morgen vollends über die Stränge geschlagen: Jeder bekam 2 Äpfel in sein Müsli!! So mancher mag uns jetzt vielleicht für durchgeknallte Yuppies halten, aber dieser Luxus hatte an diesem Morgen seine Berechtigung. Eine Informationstafel neben unserem Auto machte uns darauf aufmerksam, dass es nicht erlaubt sei, Obst nach SA einzuführen, wegen Fruchtfliegen oder so ähnlich. Wir müssten Obst vorher aufessen oder am Kontrollpunkt entsorgen.

Der Kontrollpunkt befindet sich übrigens mitten in SA!! Sehr sinnvoll wie ich finde. Jetzt will auch nicht darauf rumreiten, dass es eine Fruchtfliege höchstwahrscheinlich auch nicht interessiert hätte, wenn wir das Obst bereits am „Letzten Mülleimer vor der Grenze“ entsorgt hätten. „Ne, über diese Grenze da darf ich nicht fliegen, dann tue ich das auch nicht“, oder wie soll ich mir das vorstellen? Da die Informationstafel uns aber im selben Atemzug mit empfindlichen Strafen bei einem Verstoss drohte (Visaentzug, Einreiseverbot SA auf Lebenszeit oder sowas ähnliches) und wir ordnungsbewusste Deutsche sind, haben wir dann in den sauren Apfel gebissen (ha ha), die Apfeltration verdoppelt und den Rest weggeschmissen.

Wäre dankbar gewesen, wenn mir das vorher einmal jemand gesagt hätte. Aber denkste Puppe. „Hey Mate, sag mal, wir fahren morgen nach Melbourne. Irgendwelche Tipps oder Besonderheiten die es zu beachten gibt?“ – „In Australien ist Linksverkehr“ – „Ah ja? Na dann vielen Dank auch!“ – „No worries, catch ya later!“

Die ersten Highway Kilomerter in SA führen uns entlang des „Great AUstralian Bight Marine Park“. Über knapp 200km hatten wir das Gefühl, quasi direkt am Stand entlang zu fahren – taumhaft!! Alle paar Minuten kommt man an einem Scenic Lookout vorbei. Zwei oder drei davon sollte man auf jeden Fall mitnehmen. Mehr aber nicht unbedingt, da der Ausblick bei allen gleich atemberaubend ist und sich auch kaum ändert.

Das nächste Etappenziel war dann der berühmte „Cactus Beach“. Eine ca. 20km lange extreme Schotterstraße führte uns vom Highway A1 zu diesem wirklich netten Punkt. Wir brauchten ca. 30 Minuten für diese Strecke, bei welcher wir in jeder Sekunde befürchteten, dass unser Auto gleich auseinander fällt, obwohl wir nicht viel schneller als Schrittgeschwindigkeit fuhren.

Wir fuhren zwischen riesigen Sanddünen hindurch und über eine Straße, die von zwei Seen mit unterschiedlicher Wasserfärbung begrenzt wurden (der Linke war normal blau aber der Rechte hatten einen unverkennbaren Hang ins Violette).

Am „Cactus Beach“ angekommen mussten wir leider feststellen, dass sich dieser Ort nicht unbedingt gut zum Wildcampen eignet. Also kurz den Augenblick genossen und wieder zurück. Wir suchten uns eine kleine Seitenstraße, in der wir das Auto geschützt vor Blicken abstellen konnten, und kochten auf unserem Gaskocher ein 3 Gänge Menü. Übernachtet haben wir dann aber doch nicht an dieser Stelle, da ein anderes Auto in Sichtweite stehen blieb.

Um einer erneuten Begegnung mit dem Schlächter oder einfach nur unangenehmen Fragen aus dem Weg zu gehen, sind wir dann ein paar Seitenstraßen weiter gefahren (sicherlich einer der Vorteile wenn man im Auto übernachtet: Zündung starten und schon sind wir wieder weg).


Nullarbor Plain

Frühstückspause in Nullarbor. Olle lässt sich gerade sein Frühstück de Luxe schmecken.


Nullabor Plain

In der Nulabor Plain ist es teilweise so trostlos, dass sich sogar die Bäume total gehen lassen.


Great Australian Bight Marine Park

Das Highlight dieses Tages war der “Great Australian Bight Marine Park“. Eine sehr lange Strecke fährt man direkt am Wasser und es gibt unzählig viele schöne Haltepunkte. Die Bilder sprechen hoffentlich für sich.


Great Australian Bight Marine Park 2

Dies ist noch der gleiche Lookout, aber mehr zum Wasser orientiert. Der Strand haut einen jetzt nicht vom Hocker, aber die Färbung des Meeres ist der Knaller.


Great Australian Bight Marine Park

Nächster Stopp einige Kilometer weiter. Zur Abwechslung mal ein Foto mit Blick zurück nach Westen. Diese Farbe…


Great Australian Bight Marine Park

Dritter Stop: Weniger Strand, denn das im Vordergrund sind Ausläufer des Hügels auf dem wir uns gerade befinden, dafür mehr Meer.


Great Australian Bight Marine Park

Da hat Olle kurz einen Gedanken daran verschwendet mal eben zum Wasser zu gehen. Nach 5 Minuten hat er das Unternehmen abgebrochen, da es bis runter zum Meer doch ganz schön weit war.


Great Australian Bight Marine Park

Je weiter wir Richtung Osten fuhren, desto steiler und hügeliger wurde die Küste und schöner das Meer.


Great Australian Bight Marine Park

… und da kommt der Olle auch schon ganz frustriert wieder zurück.


Great Australian Bight Marine Park

Als wir dieses Schild sahen, waren wir bereits über eine Stunde am Wasser unterwegs und hätten wir nicht in die Karte geschaut, der Name dieses Küstenstreifens wäre uns wohl für immer verborgen geblieben. Das Foto haben wir eigentlich geschossen um uns den Namen merken zu können.


Great Australian Bight Marine Park

Für diese Aufnahme bin ich ein paar Meter gegangen. Auf dem Felsen ist der eigentliche Scenic Lookout und das Wandern abseits der gesicherten Wege ist natürlich strengstens verboten. Aber was tut man nicht alles für eine gute Aufnahme. Ich fürchte nur dass man Yvonne auf dem Foto überhaupt nicht mehr erkennen kann…


Great Australian Bight Marine Park

…deswegen habe ich sie für einen zweiten Versuch näher ran geholt.


Great Australian Bight Marine Park

Das Abschlussbild zeigt batürlich wieder Richtung Osten… in die Zukunft! :)


Border Village: West Australia – South Australia

Nach knappen 4,5 Tagen Autofahrt hatten wir dann doch tatsächlich schon die erste Grenze erreicht. Der damit verbundene Zeitzonenwechsel ist uns aber erst Stunden später aufgefallen, als es erstaunlich früh dunkel wurde.


Border Village: West Australia – South Australia

In dem Grenzdörfchen von Western Australia zu South Australia fanden wir dieses nette Schild, welches uns mitteilte, dass wir schon 1462 km Luftlinie hinter uns hatten, dafür aber 1994 km vor uns lagen. New York war uns dann doch ein wenig zu weit.


Yalate Aboriginal Land

Weiter Richtung Osten durchquerten wir dann das „Yalata Aboriginal Land”. Wie zu erkennen ist, werden aus den Büschen langsam wieder Bäume. Den vegetativen Tiefpunkt dieses Landstriches haben wir also hinter uns gelassen.


Yalata Aboriginal Land

Wir sind uns mittlerweile ziemlich sicher, dass diese Schilder nur eine Touristenattraktion sind. Von Kamelen und Wombats keine Spur!!


Point Sinclair – Cactus Beach

Um zu diesen wirklich netten Point Sinclair / Cactus Beach zu gelangen, mussten wir ca. 20 km über eine extreme Schotterstraße fahren. Wir brauchten ca. 30 Minuten für diese Strecke, bei welcher wir in jeder Sekunde befürchteten, dass unser Auto gleich auseinander fällt, obwohl wir nicht viel schneller als Schrittgeschwindigkeit fuhren.

Ganz ehrlich, ich würde es nicht noch mal machen. So schön ist es dann auch nicht, als das ich mir mein Auto dafür zu Schrott fahren würde.