Brisbane Valley

Brisbane die Zweite / Sunshine Coast bei Granny
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 17:00

Wir waren nun also wieder zurück in Brisbane. Neben der Zivilisation und Starbucks Coffee freuten wir uns auch auf das Wiedersehen mit alten Bekanntschaften, die wir bereits in Sydney kennen gelernt hatten und sich nun auch in Brisbane aufhielten.

Da wir im Outback leider kein Internet hatten konnten wir unser Hostel nicht im Voraus buchen und mussten nach unserer Ankunft vor Ort auf die Suche gehen. Um die ganze Sache etwas zu erleichtern, beschlossen wir wieder in das Base Hostel zu gehen. Glücklicherweise hatte dieses auch noch ein paar Betten frei, so dass wir noch am gleichen Tag einchecken konnten. Anders als beim letzten Aufenthalt in diesem Hostel hatten wir dieses Mal leider ein etwas weniger schönes Zimmer. Es war nicht nur wesentlich kleiner, sondern auch älter bzw. noch nicht renoviert. Die Betten quietschten, der Teppich war an einigen Stellen kaum noch zu sehen und unser Fenster ließ sich aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen nicht schließen. Da unser Fenster auch noch direkt zum Innenhof und über der Küche lag, roch es leider permanent nach angebranntem und fettigem Essen. Ich hatte mich natürlich genau in das Bett einquartiert, dass direkt am Fenster stand und lag somit jede Nacht in der stinkenden Zugluft.

Auch meine Hilferufe scheiterten kläglich. Von der Rezeption wurde ich zur Putzfrau geschickt und auch deren Hilfe fiel eher bescheiden aus, sodass sie mir weder zuhörte noch irgendetwas an der Situation änderte. Stattdessen sollte ich vor ihren und den Augen der anderen Zimmermitbewohner versuchen, das Fenster zu schließen. Mir war klar, dass es auch diesmal nicht klappen würde. Hatte die Putzfrau etwa wirklich gedacht ihre Anwesenheit hätte magische Auswirkungen auf das Fenster?

Nachdem sie sich selbst davon überzeugt hatte, dass es wirklich nicht möglich war dieses Fenster zu schließen, erzählte sie mir angenervt, dass vielleicht im Laufe des nächsten Jahres mal ein Handwerker oder so kommen würde um zu sehen, was man da machen könne. Da war mir dann endgültig klar, dass das Fenster auch weiterhin geöffnet bleibt und ich mir wohl besser eine zweite Decke besorgen sollte.

Nachdem wir einen Kaffee getrunken und etwas gekocht hatten gingen wir los um unsere Lebensläufe auszudrucken und diese so wie in Sydney in den Läden zu verteilen. Wir hatten zwar wenig Hoffnung, dass dies etwas bringt, wollten allerdings auch keine Möglichkeit auslassen und uns auf gar keinen Fall noch mal von dem Jobclub ins Outback vermitteln lassen.

Am Abend gingen wir zurück auf unser Zimmer und trafen dort auf eine andere Deutsche. Wir verstanden uns sofort (nicht nur sprachlich gesehen) und vereinbarten am nächsten Tag an die Southbank zu gehen. Die Southbank liegt auf der anderen Seite des Ufers und ist für ihre Restaurants und vor allem für den Stadtstrand bekannt.

Am nächsten Tag machten wir uns also auf den Weg. Der Weg entlang des Ufers, die schmalen Seitenpfade und die beinahe tropische Vegetation waren eine echte Abwechslung zum alltäglichen Großstadtgetümmel. Der Stadtstrand selber ist zwar wunderschön mit Palmen und Sand angelegt, leider aber nicht besonders groß und daher ziemlich überfüllt. In Deutschland wäre dieser Ort sicher ein wahres Highlight für uns gewesen aber hier in Australien, wo wir zuvor bereits Strände wie in Byron Bay gesehen hatten, konnte uns dies nicht wirklich begeistern. Wir beschlossen aufgrund des warmen Wetters uns ein Eis zu gönnen.

Dabei erzählte uns die andere Deutsche von ihrem Praktikum im Hilton Hotel und erkundigte sich im Anschluss darauf nach unseren Plänen. Wir wussten leider überhaupt nicht, was wir darauf antworten sollten. Die Angst, wie in Sydney ohne Job nach ewigem Warten die Stadt zu verlassen, war wieder da. Plötzlich fiel uns wieder das Angebot der Farmerin ein, dass wir für ein paar Tage bei ihrer Mutter an der Sunshine Coast leben könnten. „Warum eigentlich nicht?“, dachten wir uns. In Australien scheint es ja schon fast normal zu sein, dass man mehr oder weniger fremden Menschen sein Haus überlässt. Außerdem hatte sie es uns ja auch mehrmals angeboten. Wir beschlossen also, die Farmerin anzurufen und auf ihr Angebot zurückzukommen.

Wenige Stunden später war dann auch schon alles geklärt: Als erstes war ein Busticket für Montag zu besorgen. Dann vereinbarten wir für den nächsten Tag ein weiteres Telefonat, um den Zeitpunkt unserer Ankunft durchzugeben und den Transfer vom Busbahnhof zum Haus der Mutter zu organisieren. Voller Vorfreude beendeten wir das Gespräch und gingen zum hosteleigenen Traveldesk, um für 30 aus $ pro Person die Tickets zu buchen.

Am nächsten Tag versuchten wir die Farmerin zu der vereinbarten Zeit zu erreichen, doch leider sollte uns dies einfach nicht gelingen. Schon leicht panisch befürchteten wir nun die Tickets umsonst gekauft zu haben bzw. an einen anderen Ort zu reisen ohne zu wissen wo wir wohnen sollten. Glücklicherweise bekam ich eine Stunde später die rettende Sms.

Nun stand es fest. Am nächsten Morgen würden wir Brisbane erneut verlassen um in einem Ort, wo andere Urlaub machen, ein paar Tage kostenlos zu leben. Was kann es für einen armen Backpacker besseres geben? Wir vereinbarten mit unserer neuen deutschen Bekanntschaft, uns nach unserem Aufenthalt an der Sunshine Coast gemeinsam ein Appartement zu suchen und für eine Weile in Brisbane zu bleiben. Da waren sie plötzlich: Unsere Pläne.

Am nächsten Morgen ging es auch schon los und bereits drei Stunden später erreichten wir Caloundra, ein Ort der hauptsächlich vom Tourismus lebt und dementsprechend, d.h. mit vielen Hotels und Ferienappartements, besiedelt ist. Wir wurden bereits von der Farmerin und ihrem Sohn erwartet. Nachdem wir unser Gepäck im Auto verstaut hatten fuhren wir durch den Ort, am Kilometer langen Strand entlang. Super, genau so hatte ich mir das vorgestellt.

Leider entfernten wir uns immer mehr von Strand und Urlaubsort und die Umgebung um uns herum wurde zusehends hässlicher. Nach einer halben Stunde erreichten wir dann unser Ziel, einen kleinen Ort mit Namen Wurtulla. Wurtulla wirkte auf uns sehr amerikanisch, besteht im Wesentlichen aus einer Hauptstraße und einigen Wohnsiedlungen und wird sicherlich in keinem Reiseführer als Sehenswürdigkeit erwähnt. Die Farmerin stoppte vor einem sehr schönen, direkt an einem Fluss gelegenen, Haus in einer dieser Wohnsiedlungen. Uns erwartete dort eine helle und gemütliche Atmosphäre und ein Zimmer, in dem wir uns spontan wohl fühlten.

Wir stellten unser Gepäck ab und gingen in die Küche, wo sich die komplette Familie bereits an einem Tisch versammelt hatte: Der Farmer, seine Frau und die zwei Kinder. Lautstark berichtete der Farmer einer älteren Frau, die am Küchentresen saß, von unseren Aktionen, wie wir die Hunde verloren und Ewigkeiten gesucht hatten, das Fleisch zubereitet und den Haushalt geschmissen hatten. Uns beiden war nach einer Blitzanalyse der Situation klar, dass es sich bei dieser älteren Frau um die Oma handeln müsse, bei der wir nun die nächsten Tage leben würden, und begrüßten sie dementsprechend. Sie reagierte jedoch etwas verhalten und vermittelte uns auch nicht das Gefühl, willkommen zu sein. Nachdem wir uns etwas unterhalten hatten, war klar: Von Sympathie auf beiden Seiten keine Spur.

Sehr erleichtert waren wir, als sich ein Missverständnis aufklärte. Denn bei der älteren Frau handelte es sich nur um eine zufällig anwesende Freundin des Hauses, die wahre Oma tauchte erst später auf. Sie war klein, trug eine Brille, war ganz hibbelig und wollte uns sofort bekochen. Eben so, wie man sich eine Oma vorstellt, und wir mochten uns auf Anhieb. Da wir schon so dankbar dafür waren, dass wir bei ihr leben durften, beschlossen wir, für unsere Verpflegung selber zu sorgen und lehnten ihr Angebot dankend ab. Leider schien dies eine nicht so gute Idee gewesen zu sein. Die Oma konnte nicht verstehen weshalb wir uns unser eigenes Essen kaufen und nicht von ihrem essen wollten und schien deswegen sogar ein wenig beleidigt zu sein.

Ein wenig später verabschiedeten sich der Farmer und seine Frau von uns und fuhren mit ihren Kindern zurück auf die Farm. Auch die Frau, die am Tresen saß war verschwunden. Ein wenig Ruhe kehrte ein. Da die Oma Besuch von einer Freundin aus Darwin hatte, gingen diese am Abend essen, so dass wir nun ganz allein waren. Wir kochten und setzten uns an den Küchentisch.

Plötzlich betrat ein doch sehr beleibtes Mädchen unseres Alters die Küche. Es war die Enkeltochter, von der uns die Oma bereits erzählt hatte. Auch sie hatte hier ihr eigenes Zimmer und lebte dort. Ohne zu zögern setzte sie sich zu uns an den Tisch und begann mit uns zu sprechen, als würden wir uns schon seit Jahren kennen. Offensichtlich war unser Besuch schon im Voraus groß angekündigt worden, da sie uns davon berichtete, wie aufgeregt sie doch gewesen sei uns zwei Deutsche endlich kennen zu lernen. Sie schien recht nett zu sein und einen guten Hunger hatte sie auch mitgebracht, denn auf die eher rein höfliche Frage, ob sie etwas von unseren ohnehin zu knapp bemessenen Spaghetti haben möchte, willigte sie erfreut ein.

Nach dem Abwasch schlug sie vor, uns ein wenig die Gegend und „Moloola-Bar“ zu zeigen. Zwar waren wir beide recht müde und hatten von einer „Moloola-Bar“ auch noch nichts gehört, wollten allerdings auch nicht unhöflich sein. Also setzten wir uns ins Auto und die Fahrt konnte losgehen.

Als erstes hielten wir selbstverständlich an einer Tankstelle um einen kleinen XXL-Snack und eine Cola für unsere Fahrerin zu kaufen. Dann ging es bei lauter Musik und geöffnetem Fenster weiter durch die dunklen Ortschaften. So wie es eben nur die ganz “coolen” Leute machen. Dabei setzten wir auch regelmäßig mit dem alten und durch unser Gewicht ziemlich tief liegenden Wagen auf. Im Großen und Ganzen war der Abend jedoch sehr witzig und wir stellten fest, dass die Unterschiede zwischen deutschen und australischen Jugendlichen gar nicht so groß sind. Meine anfängliche Befürchtung, dass wir trotz Müdigkeit noch in eine Bar, nämlich die „Moloola-Bar“, fahren würden, legte sich in dem Moment, als wir mit dem Auto den Ort „Moloolaba“ erreichten. Ziel unserer Spritztour war also keine Bar, sondern ein Ort. Nun wurde mir auch klar, weshalb unserer Fahrerin auf meine Frage, ob ich denn so mitgehen könne, so komisch reagiert hatte.

Eine halbe Stunde später bogen wir auch schon wieder in die Einfahrt des Hauses ein. Unser erster Abend an der Sunshine Coast war überstanden, wir hatten schon die ersten Pläne für den nächsten Tag und zudem das Gefühl wirklich willkommen zu sein.

Der nächste Morgen begann früh, da uns Klumpen (wie wir die nette Enkelin auf Grund ihres außerordentlichen Bauchumfangs intern getauft hatten) aus den Federn rief, um mit uns an den Strand zu fahren. Mit dabei war ein uns schon bekanntes Gesicht, der Bruder von Klumpen. Mit ihm hatten wir bereits in Currawilla Bekanntschaft machen dürfen, als wir an einem Wochenende auf ihn und die zwei Söhne der Farmer aufpassen sollten. Auf unserem Weg zum Strand wurde selbstverständlich als erstes ein kleiner Zwischenstopp bei einer Tanke gemacht, um dort ein paar XXL-Snacks sowie einen Iced Coffee zu kaufen. Weiter ging es dann in den Drive-In des nahe gelegenen Mc Donald`s, um ein kleines XXL-Menü sowie eine Cola und ein Eis einzupacken.

Mit reichlich Proviant, von dem bei Ankunft am Strand allerdings nichts mehr übrig war, ging es dann endlich weiter. Der Strand, der uns in Caloundra erwartete, war ein zwar sehr schöner, zugleich aber auch sehr touristischer Sandstrand, der sich durch einige Hotelgebäude hindurchschlängelte und auch sonst eher touristenfreundlich, sprich mit einem Pool, einem Spielplatz, einem Kiosk und einer kleinen Promenade angelegt war. Nachdem wir ein paar Sonnenstrahlen getankt hatten, gingen wir zum Wasser, sprangen in die Wellen und badeten zum ersten Mal während unseres gesamten Australienaufenthaltes im Meer. Das war Urlaubsfeeling pur.

Zurück auf unserem Badehandtuch wollten wir noch ein wenig dösen, was aber leider nicht so ganz möglich war, da uns der kleine Bruder von Klumpen permanent mit irgendwelchen Papierschnipseln bewarf und Klumpen selber zum Aufbruch ausrief. Widerwillig aber offiziell verständnisvoll gingen wir mit ihnen zurück zum Auto. Insgesamt waren wir gerade mal eine Stunde am Strand gewesen und daher etwas enttäuscht.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kleinen Halt an einer Imbissbude, um die angeblich besten Pommes abzuholen. Da mich so langsam ebenfalls der Hunger plagte, beschloss ich mir auch ein paar Pommes zu gönnen. Dies war jedoch nicht nötig, da Klumpen bereits die XXL-Familienpackung bestellt hatte. Um zu unserem De-Luxe-Lunch etwas beizusteuern bot ich an, Getränke aus dem Einkaufsladen nebenan zu besorgen. Mein Angebot wurde gerne angenommen. Während ich allerdings noch an eine erfrischende Apfelschorle oder ähnliches dachte, hatte ich auch schon eine XXL-Colaflasche in der Hand.

Zu Hause angekommen konnte es dann losgehen, das große Fressen war eröffnet. Leider konnte ich im Gegensatz zu Klumpen und ihrem Bruder, die sich literweise Barbecuesoße und Ketchup auf ihre Pommes kippten, die Pommes kaum runterkriegen. Dies sollten also die besten Pommes an der ganzen Sunshine Coast sein? Kaum vorstellbar, denn vor mir auf dem Teller häufte sich eine zusammengeklebte, matschige, fetttriefende weiße Masse, die nicht nur unappetitlich aussah, sondern leider auch so schmeckte. Ekelhaft! An Genuss war nicht zu denken. Einfach stehen lassen war allerdings auch nicht möglich, da mich Klumpen und ihr Bruder (den wir intern auf den Namen Fritte getauft hatten, da er mit seinen 13 Jahren einen hässlichen Oberlippenbart trug) die ganze Zeit über beobachteten und erwartungsvoll anlächelten.

Nach dem Genuss dieser Delikatesse machte sich Klumpen auf zu ihrer Arbeit, Fritte begab sich zu seiner Tagesbeschäftigung, d.h. er legte sich vor den Fernseher, und wir zwei Grazien entschieden uns für eine Bikini-Sonnenpause im Garten direkt am Flussufer. Wir saßen noch nicht lange dort als sich auf der anderen Seite des Flusses Unruhe breit machte. Zwei Jungs hatten uns ausgespäht, stürzten sich nun in eines der hauseigenen Boote und fuhren immer wieder völlig „unauffällig“ an uns vorbei.

Wir fühlten uns so langsam ein wenig unwohl und beschlossen die Beiden in Verlegenheit zu bringen indem wir ihnen zuwinkten. Dieser Plan scheiterte leider kläglich. Zwar reagierten sie anfänglich noch etwas peinlich berührt und setzten mit ihrem Boot zum Rückzug an, doch drehten sie bereits wenige Minuten später um und steuerten nun direkt und auch nicht mehr „unauffällig“ auf unseren Liegeplatz zu. Überrascht von soviel „Heldenmut“ wurde uns doch ein wenig mulmig. Wir packten unsere Handtücher und machten uns auf den Weg zurück ins Haus. Alles sollte so entspannt wie möglich und keinesfalls wie eine Flucht aussehen. Als die beiden Jungs dann allerdings ein “Wartet!” raus brachten, entschieden wir uns für eine schnellere Gangart, denn auf Anmache von zwei in der Entfernung sehr jung wirkenden Typen hatten wir überhaupt keine Lust. Zumal wir uns nur mit dem Bikini bekleidet auch nicht passend angezogen fühlten.

Dies war das erste und letzte Mal, dass wir uns im Bikini in den Garten gesetzt hatten. Denn neben der doch eher unangenehmen Geschichte mit den ominösen Jungs hatten wir uns beide auch noch einen leichten Sonnenbrand geholt.

Am Abend trafen wir die restlichen Familienmitglieder wieder: Granny (so hatten wir die Oma bei der wir lebten intern getauft), ihre Freundin aus Darwin und natürlich Klumpen. Von Granny und ihrer Freundin sahen wir allerdings mal wieder nicht viel. Wie sie auftauchten, so verschwanden sie auch wieder. Klumpen hingegen setzte sich zu uns an den Küchentisch vor den immer noch laufenden Fernseher und berichtete uns, dass sie eine kleine furchtbar süße Schlange habe. Wenige Minuten später hatte ich diese auch schon trotz Ekel und Angst in der Hand. Eine Schlange als Haustier? Nie!

Am nächsten Morgen wurden wir wieder von Klumpen geweckt. Eile war angesagt, denn es sollte noch einmal zum Strand gehen. Schnell aßen wir ein paar Toast und kramten unsere Sachen zusammen. Auf der Fahrt zum Strand beichtete uns Klumpen, dass sie gewöhnlicher Weise Strände meidet und verabscheut, da dort immer nur oberflächliche Menschen und Tussis anzutreffen seien. In diesem Moment war uns klar, dass sie nur uns zuliebe zum Strand fährt und dass wir uns auch an diesem Tag nicht länger als eine Stunde dort aufhalten würden.

Dieses Mal fuhren wir zu einem eher versteckten Strand, der weniger touristisch und ihres Erachtens auch weniger schön sei. Wir waren allerdings mit diesem Strand viel zufriedener. Es waren kaum Menschen dort, die Wellen waren hoch und wir konnten uns so richtig entspannen. Selbst Klumpen traute sich diesmal ins Wasser und hielt es ein paar Minuten still auf der Decke aus. Die Gesprächsthemen waren typisch: Jungs, andere Mädchen, Partys etc. Allerdings wurde ich auch durch ein paar Dinge sehr überrascht. Beispielsweise schien sie immer noch davon auszugehen, dass Deutschland in Ost und West eingeteilt ist, dass es ähnlich groß wie Australien sei und dass die gesamte amerikanische Musik zwar auch in Deutschland gespielt, jedoch übersetzt wird.

Wir waren mittelschwer entsetzt und bemühten uns sehr, diese vollkommen veralteten Tatsachen und haarsträubenden Mythen aufzuklären. Wir erzählten ihr, dass sie unbedingt mal nach Europa bzw. Deutschland reisen müsse, um sich ein Bild davon machen zu können. Daraufhin erklärte sie uns, dass sie unheimliche Angst hätte in unser Land zu kommen, da dort während der Herrschaft der Nationalsozialisten so schlimme Dinge passiert seien. Ist dieses Zerrbild wirklich ein Bild, das in Übersee von Deutschland und den Deutschen existiert? Wir waren und nicht sicher, ob wir diese Vorurteile und Irrtümer einfach nur zum Lachen oder todtraurig finden sollten. Zwar wurden wir hier in Australien schon öfter mit Vorurteilen, wie z.B., dass wir uns ausschließlich von Wurst und Bier ernähren, konfrontiert, doch war dies hier ein viel ernster zu nehmendes Problem. Wir haben lange darüber diskutiert und ich hoffe, dass Klumpen nun einen realistischeren Eindruck von Deutschland und den Deutschen hat.

Die nächsten Tage verliefen ähnlich. Granny war kaum anzutreffen, nachts arbeitete sie bis in die frühen Morgenstunden und tagsüber war sie immer unterwegs oder schlief. Klumpen musste viel arbeiten. Fritte machte sich derweil in Klumpens Zimmer breit. Da Klumpens Zimmer gegenüber der Toilette lag und Fritte nie daran dachte, die Zimmertür zu schließen, hatte er die inoffizielle Rolle der Toilettenaufsicht übernommen. Wir stellten uns vor, dass er eine geheime Liste führt, wer wann und wie lange die Toilette aufsucht. Der Gedanke daran war uns sehr unangenehm und so beschlossen wir eines Abends tatsächlich, zur nächsten Tankstelle zu laufen, um dort auf Toilette zu gehen und der strengen Klo-Kontrolle von Fritte aus dem Weg zu gehen.

Neben den alltäglichen Rundfahrten mit Klumpen in ihrem Ghetto-Playboybunny-Auto besuchten wir die Underwater World. Ein angeblich wirklich toller Unterwasserpark, in dem wir nicht nur Haie, Rochen etc., sondern auch Krokodile und andere typisch australische Wasserbewohner sehen würden. Da das Wetter schlecht bzw. verregnet, unser Geldbeutel bislang sehr wenig oder kaum strapaziert wurde, wir uns so langsam ein wenig touristisch fühlten und sich die anderen Freizeitoptionen und Besichtigungsvorschläge ziemlich uninteressant anhörten (z.B. Besuch im Freizeitpark), beschlossen wir diesen Vorschlag von Granny und Klumpen anzunehmen.

Bereits als wir auf das Gelände fuhren ahnte ich nichts Gutes. Das Gebäude sah zwar ansprechend aber leider ziemlich klein aus, schien demnach auch nicht besonders vielfältig ausgestattet zu sein. Nichts desto trotz betraten wir den Laden und zahlten brav den Eintritt, der auch schon bei stolzen 28 aus $ lag. Während der ersten paar Meter kamen wir an einem Becken mit Rochen und einem Interaktiv- Becken mit Seesternen, Muscheln und Korallen vorbei. Hier konnte man einen Seestern anfassen. Die war zwar eine lustige Erfahrung, sollte leider aber auch das einzige Highlight bleiben. Es folgten zig Aquarien mit irgendwelchen Fischen, die entweder einfach nur braun und uninteressant oder in einer dunklen Höhle versteckt waren.

Der gläserne Unterwassertunnel führte durch ein größeres Aquarium, in dem neben einer größeren Anzahl unscheinbarer Fische dann tatsächlich auch zwei Haie schwammen. Als echtes Highlight wurde dann die Show angekündigt. Wir freuten uns auf eine Krokodilshow oder etwas ähnlich Spektakuläres, wurden aber schnell von der wenig aufregenden Realität eingeholt: Es handelte sich um eine Seehundshow! Es war nicht zu fassen. Wir waren in Australien und saßen auf einer Tribüne um uns eine völlig bescheuerte Seehundshow wie in einem deutschen Seewasseraquarium anzusehen.

Es war grauenvoll. Vermutlich sollte die Show humorvoll und spannend sein. Tatsächlich war sie einfach nur schlecht gemacht. Ein plötzlicher Sturz einer „zufällig“ aus dem Publikum herausgefischten Urlauberin ins ach so gefährliche Seehundbecken brachte nicht nur die kleinen Kinder, sondern auch Klumpen zum Lachen. Sollte das witzig sein? Die komplette Show war ein Fake, der auch noch schlecht inszeniert wurde.

Nach dieser ernüchternden Vorstellung und einem Besuch am Fischotterbecken hatten wir dann auch schon alles gesehen. Klumpen schien mehr als begeistert doch ich konnte meine Enttäuschung einfach nicht verbergen.

Am darauf folgenden Abend war ein Ausflug in das Nachtleben von Caloundra vorgesehen. Es sollten noch eine Freundin von Klumpen und deren Freund bzw. ”friend with benefits“, wie sie es so schön und unzutreffend nannte, mitkommen. Einer der kleinen Clubs in Caloundra war unser Ziel. Selbstverständlich begannen wir schon früh mit dem Styling, denn wir wollten am Abend gut auszusehen und freuten uns auf eine ausgiebige Partytime. Leider verlief auch dieses Mal alles wieder etwas anders als erwartet.

Es war bereits acht Uhr und von Klumpen war weit und breit nichts zu sehen. Wir hatten vereinbart uns mit ihren Freunden um sieben zu treffen, etwas zu trinken und dann gegen neun los zu fahren. Wir vermuteten schon, dass die gesamte Aktion ins Wasser gefallen war und Klumpen vergessen hatte, uns Bescheid zu geben. Aber plötzlich stand sie hinter uns und fragte, ob wir bereit seien zur Abfahrt. Ohne lange nachzufragen stiegen wir zu den anderen ins Auto. Ich erkannte ein Pärchen, das sich weigerte dieses zuzugeben, Klumpen und ….eine ältere Frau am Steuer. Es war Klumpens “jung gebliebene” Mutter.

Wir hatten sie bereits einige Tage zuvor gesehen, als sie am frühen Morgen an uns vorbei in das Zimmer ihrer Tochter stürmte, um ihr von einem total süßen Typen zu berichten, den sie irgendwo kennen gelernt hatte. Nun saß sie also vor uns. Immer noch redeten wir uns ein, dass sie das viel zu kurze, bauchfreie und sehr weit ausgeschnittene Top, die lila Lackschuhe, den übertriebenen Lidschatten auf der faltigen Haut und den roten Lippenstift, der nicht nur auf ihrem Mund, sondern auch auf ihren gelben, ungepflegten Zähnen klebte, grundlos trug und uns einfach nur in die Disco fahren würde. Natürlich war dies ein Irrtum, denn Mutter war auf Männerfang.

Bereits auf der Fahrt mussten wir ihr versprechen, sie später nicht mit Mama oder sonst wie anzusprechen, sondern mit ihrem Namen, da die Typen sonst zu abgeschreckt wären. Wir fuhren auch leider nicht nach Caloundra in einen der normalen Clubs, sondern in ein Waldhotel, in dem eine Art Ü-40 Party mit Lifemusik stattfinden sollte. Dort angekommen traf uns dann endgültig der Schlag. Musste denn wirklich immer alles schief laufen? In dem mittelgroßen, mit Teppich ausgelegten Raum spielte eine Countryband, deren Bandmitglieder offensichtlich aus dem Seniorenheim ausgebrochen waren und sich nur noch schwer ohne Gehhilfe aufrecht halten konnten. Vor ihnen standen im Raum verteilt ein paar ähnlich alte Leute in ihren Jugendlich-Verkleidungen und warteten darauf, wie in den 60ern endlich abhotten zu können.

Wir beschlossen die Bar zu stürmen, um unsere Lage schön zu trinken. Leider änderte sich auch nach dem zweiten Billigbier nichts an der furchtbaren Situation. Während meine Freundin langsam von Aggression in Depression verfiel, konnte ich mal wieder nur über die ganze Situation lachen. Was hatte Klumpen nur dazu getrieben uns hierher zu schleppen? Scheinbar stellte sich auch das heimliche Paar diese Frage, denn wenig später schlich Klumpen durch den Raum, um sich von ihrer partywütigen und bereits mit einigen Männern beschäftigten Mutter zu verabschieden. Wir konnten aufatmen.

Selbstverständlich erhofften wir nun etwas weitaus Besseres. Aber Fehlanzeige. Denn wir fuhren nun zwar zu einem normalen Club in Caloundra, in dem wir aber nahezu die einzigen Gäste waren. Wieder einmal spielte eine grausame Lifeband grausame australische Schlager. Zu allem Überfluss wurde am Nebentisch ein Junggesellenabschied gefeiert. Logisch, dass es sich dabei um eine reine Männerrunde handelte. Logisch auch, dass jeder dieser peinlichen Runde versuchte, mal eben etwas völlig Verrücktes anzustellen oder einen letzten Aufriss zu starten. Logisch auch die Konsequenz: Da außer uns und ein paar alten Ladys für den letzten Aufriss keine anderen Opfer vorhanden waren, hatten wir nun diesen Chaoten-Verein am Hals. Irgendwie dämmerte uns nun, dass dieser Abend gelaufen war. Aber endgültig Schluss war dann in dem Moment, als meine Freundin von einer lesbischen Dame höheren Alters angesprochen wurde. Offensichtlich ein echter Aufreißer-Club und wir das willkommene Frischfleisch. Um zwei Uhr lagen wir dann endlich in unseren Betten. Allein!

Wenige Tage später starteten wir mit Granny einen kleinen Tagesausflug. Unser Ziel waren die Glass House Mountains, ein wunderschönes Wald- und Berggebiet in der Nähe der Sunshine Coast. Wir fuhren also los und waren auf eine kleine Wandertour vorbereitet, d.h. wir hatten uns für halbwegs festes Schuhwerk und „zweckmäßige“ Klamotten entschieden. Nach einigen Zwischenstopps in irgendwelchen völlig uninteressanten Souvenirläden, in denen Elfen, Engel und sonstiger Quatsch zum Hinstellen verkauft wurde, erreichten wir dann endlich die Berge.

Wir parkten an einem Aussichtspunkt mit einem wunderschönen Ausblick auf die umliegenden Wälder. Da dort einige Wanderrouten starten waren einige Infotafeln für Touristen und Wanderer aufgestellt. Obwohl ich mich bislang überhaupt nicht mit historischen und kulturellen Einzelheiten beschäftigt hatte, überkam mich die Neugier und ich las mir einige der Informationen durch.

Also: Die Glass House Mountains gehören zu Caloundra und wurden 1770 von Captain James Cook entdeckt und benannt. Der Begriff „Mountain“ ist vielleicht ein wenig irreführend, denn eigentlich handelt es sich nicht um (alpine) Berge, sondern eher um Hügel mit einer Höhe zwischen 100 und 556 Metern, die sich aber trotzdem deutlich vom ansonsten flachen Umland abheben. Wie es sich für ein ordentliches Touristenziel gehört, gibt es auch für die Glass House Mountains eine Legende zu ihrer Entstehung. Demnach stehen die Berge in ihrer Position und Anordnung für eine Familie, in der, als das Wasser anstieg, ein Streit entfachte. Der Vater der Familie hatte dabei seinen ältesten Sohn gebeten, sich um seine erneut schwangere Mutter zu kümmern. Dieser zeigte allerdings kein Interesse und wurde daher von seinem Vater verachtet bzw. der Vater wand sich aus Enttäuschung von seinem Sohn ab. Zwei sehr ähnlich aussehende Berge stellen also Zwillingskinder der Familie, der besonders dicke Berg die schwangere Mutter, der abgewandte Berg den Vater dar und so weiter.

Welch ein Blödsinn! Muss denn jeder Hügel mit einer derart lächerlichen und weit hergeholten Geschichte für die Touristen „interessant“ gemacht werden? Spontan hatte ich jegliche Lust verloren, mich weiter mit den Infotafeln zu beschäftigen.

Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir davon ausgegangen, dass dieser Waldparkplatz der Ausgangspunkt für eine kleine Wanderung sein sollte. Als sich Granny jedoch wieder ins Auto setzte wurde uns schlagartig klar, dass wir nicht den Ausgangspunkt, sondern das Ziel des heutigen Ausflugs erreicht hatten. Also keine Wanderung?! Glücklicherweise konnten wir Granny, die unsere Irritation bemerkt hatte, doch noch zu einem kleinen, entspannenden Waldspaziergang überreden. Und wir hatten wieder etwas gelernt: „Ausflug“ bedeutet, mit dem Auto einige Orte anzufahren, kurz auszusteigen, Fotos zu machen und weiter zu fahren. Körperliche Aktivitäten sind dabei weitestgehend zu vermeiden.

Auf unserer Rückfahrt fuhren wir an einigen Obstplantagen vorbei. Dabei kamen wir auf das leidige Thema Jobsuche zu sprechen und dass wir auch bereit wären, auf einer Obstplantage zu arbeiten. Prompt wendete Granny mitten auf der Straße, fuhr zurück und bog in einen Feldweg ein. Nun standen wir vor einer Erdbeerplantage. Sie parkte ihren Wagen, wir stiegen aus und betraten ein Gebäude. Dort fragte sie auch ohne lange zu zögern ob nicht noch ein oder zwei Arbeitskräfte gesucht würden. Ein spontaner und total netter Versuch, leider wie all unsere Jobsuchversuche ohne Erfolg, denn es werden nur Erbeerpflücker mit Diplom und mehrjähriger Berufserfahrung eingestellt.

Am nächsten Tag machten wir uns mit Grany auf die Jobsuche. Wir fuhren die großen Einkaufszentren ab und erkundigten uns nach Arbeitsplätzen. Leider wieder einmal ohne Erfolg. Auch der darauf folgende Tag, den wir mit der Jobsuche verbrachten, endete erfolglos. Trotz der engagierten Hilfe von Granny, Fritte und Klumpen wollte es einfach nicht klappen. Keiner wollte uns Backpacker einstellen.

Wenige Abende später kam Klumpen wie so oft mit einem Burger und einer Pizza unter dem Arm nach Hause. Sie legte uns zwei Bewerbungsformulare auf den Tisch und verkündete stolz, dass wir diese schnellstmöglich ausfüllen und zurückbringen müssten, da wir den Job in diesem Pizzaladen schon so gut wie in der Tasche hätten. Dies taten wir dann auch und noch in derselben Woche bekamen wir eine Einladung zum Vorstellungsgespräch. Angst und Freude zugleich schossen uns durch den Kopf. Wir bemühten uns einigermaßen seriös auszusehen und wurden dann von Klumpen vor der Pizzeria abgesetzt.

Wir waren ausnahmsweise pünktlich, standen dafür aber auch vor verschlossenen Türen und mussten erst einmal die für Australien obligatorischen 15 Minuten Minimum-Verspätung abwarten. Endlich begrüßte uns eine Frau. Alles schien gut zu laufen. Sie war nett und das Gespräch verlief recht entspannt. Allerdings sollte auch dies wieder einmal ein Griff ins Klo sein. Denn kurz bevor wir den Termin für unser Probearbeiten klären wollten, stellte ich die alles entscheidende Frage. Ich fragte, wie oft und zu welchen Konditionen wir arbeiten könnten. Daraufhin antwortete sie mit dem absoluten Aus- Kriterium: Sie erklärte, dass sie uns nur als Springer bzw. alle zwei Wochen oder in Notfällen einsetzen könne, um uns nicht einarbeiten zu müssen. Weiterhin fuhr sie fort, dass sie es ohnehin eher weniger befürworten würde, reisende Menschen wie uns einzustellen. Und damit war das Gespräch leider beendet und wir hatten immer noch keinen Job. An diesem Tag beschlossen wir, die Jobsuche vorerst zu vergessen, die letzten Tage als Urlaub zu akzeptieren und noch einmal in Brisbane auf die Suche zu gehen.

Die nächsten Tage verbrachten wir am Strand, in der Bibliothek (dort konnte man das Internet für eine halbe Stunde kostenlos nutzen) und beim Shoppen in einem der großen Shoppingzentren, um uns ein paar neue Hosen zu kaufen. Da unsere Ernährung bislang hauptsächlich aus Weisbrot und anderen kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln bestand, hatten sich auch bei mir ein paar Kilos angesetzt, so dass ich meine Hosen nicht mehr höher als zu den Knien ziehen konnte. Nach wenigen Stunden waren wir auch schon fündig geworden.
In derselben Woche ergab sich die tolle Möglichkeit, an einem Surfunterricht teilzunehmen. Granny war mit uns zu einer ihrer Bekannten gefahren, die eine Austauschschülerin aus Deutschland bei sich aufgenommen hatte. Wir verstanden uns mit der Austauschschülerin auf Anhieb gut und sie erzählte uns von ihren Surfstunden aus der Schule. Ich war begeistert und sie bot mir an einmal zum Unterricht mitzukommen. Gesagt, getan. Der Surfunterricht war wirklich spannend. Ich habe mein Bestes gegeben, aber das war natürlich bei weitem nicht genug. Was für Zuschauer immer so leicht und elegant aussieht, ist für eine sportlich eher weniger aktive Person wie mich tatsächlich eine knochenharte Anstrengung. Nicht nur das ständige Aufstemmen mit den Armen, sondern auch das Halten des Gleichgewichts war eine echte Herausforderung. Dafür war der Surflehrer, anders als befürchtet, total nett und diese Probestunde eine super Erfahrung. Trotz weitestgehender Talentlosigkeit hatte ich meinen Spaß und stand sogar einige Male auf dem Brett! Und ich weiß nun, dass ich unbedingt noch einmal surfen möchte. Leider endete auch dieser Tag mal wieder mit einer der offensichtlich von mir abonnierten kleinen Pannen: Ich hatte trockene Wäsche für den Nachhauseweg vergessen. Mit tropfnassem Bikini stand ich also im Dämmerlicht am Strand und es blieb mir nichts anderes übrig, als in Minimalbekleidung den Rückweg mit dem Bus anzutreten.

Die Zeit verstrich nun wie im Flug und aus den anfänglich geplanten „paar“ Tagen waren mittlerweile fast drei Wochen geworden. Es war also an der Zeit unsere Sachen zu packen und in den Alltag, d.h. nach Brisbane, zurückzukehren. Doch zuvor, an unserem letzten Wochenende, war noch einmal Party mit Klumpen und ihren Freunden angesagt. Sie wollte uns nach dem Fiasko unseres ersten Partyabends beweisen, dass es auch anders geht, dieses Mal jedoch nicht in Caloundra, sondern in Brisbane. Der Freund bzw. die Affäre von Klumpens Freundin hatte uns zu einem Partyabend eingeladen und uns zugesichert, dass wir alle bei ihm übernachten könnten.

Auf unserem Hinweg hielten wir an einem der Bottleshops an, um uns für den Abend mit alkoholischen Getränken einzudecken. Für mich gab es Wein (zur Vermeidung von Kopfschmerz diesmal kein Goon) und für Klumpen und meine Freundin süße Alkopops. Während der Fahrt bekam Klumpen dann einen Anruf von ihrer Freundin, die bereits in Brisbane bei ihrem Typen war. Sie erzählte, dass wir uns beeilen und schon mal im Auto vortrinken sollten, da wir uns direkt nach Ankunft in das Partyleben stürzen wollten. Ein wenig angenervt über die absolut ungemütliche Stimmung und den überflüssigen Stress, wollten wir daraufhin mit dem Trinken beginnen. Das Problem war, dass meine Freundin keinen Flaschenöffner und ich keinen Korkenzieher hatte.

Nach ein paar Überredungsakten fuhren wir schließlich auf eine Raststätte, um das Problem in Angriff zu nehmen. Wir gingen in die Tankstelle und fragten nach Flaschenöffner und Korkenzieher. Leider ohne Erfolg. Etwas geknickt gingen wir wieder zum Auto. Da sah ich einen großen Truck mit ein paar Männern auf dem Parkplatz stehen. Diese Männer hatten mit Sicherheit zumindest einen Flaschenöffner dachte ich mir und ging mit meiner Freundin zu ihnen, um sie danach zu fragen. Tatsächlich waren wenige Minuten später die Flaschen meiner Freundin geöffnet. Meine Weinflasche allerdings war in Ermangelung eines Korkenziehers immer noch verschlossen.

Die Fahrt ging weiter, meine Freundin trank, die Musik dröhnte. Wozu hatte ich mir diese blöde Weinflasche gekauft, wenn ich sie nun noch nicht einmal trinken konnte? Was habe ich in solchen Situationen in der Vergangenheit getan? Na klar: Wenn der Korken nicht raus will, dann muss er eben rein. Mit aller Kraft drückte ich also den Korken immer weiter in die Flasche. Das letzte Stück erledigte meine Freundin und bekam als Belohnung einen ordentlichen Schwall des guten Gesöffs ab, als sich plötzlich der Korken in der Flasche versenkte. Endlich konnte auch ich meinen Wein antrinken.

Klumpens Stimmung wurde langsam aber sicher immer schlechter. Sie musste fahren und konnte nicht trinken. Hinzu kam, dass sie scheinbar wirklich überfordert mit der neuen Verkehrssituation war. Die vielen Straßen in der Großstadt, der Straßenverkehr und die unbekannte Umgebung machten ihr zu schaffen. Mehrmals rief sie ihre Freundin an, um sich den Weg erklären zu lassen. Er war ganz einfach, doch sie sah sich nicht in der Lage blind den Anweisungen zu folgen. Ständig mussten wir wieder umdrehen, die Musik war nun auch aus (das hatten wir in Klumpens Ghetto-Playboybunny-Auto noch nie erlebt) und Klumpen war nicht mehr ansprechbar. Immerzu brüllte sie ihre Freundin am anderen Ende der Telefonleitung an bis sie endgültig den Verstand zu verlieren schien und an den Straßenrand fuhr. Nun brüllte sie ins Telefon, dass sie sich keinen Millimeter mehr von der Stelle rühren würde und legte auf.

Stillschweigend saßen wir zu dritt in dem Auto und meine Freundin und ich fragten uns, was plötzlich in die sonst so fröhliche Klumpen gefahren war. Plötzlich klingelte das Handy, doch Klumpen ging nicht ran. Was sollte das nun werden? Wollte sie jetzt tatsächlich eingeschnappt in der Parkbucht stehen bleiben und warten, bis der nächste Tag gekommen war? Langsam wurde ich unruhig.

Nach dem fünften unbeantworteten Anruf schien sie dann doch noch ihre Meinung geändert zu haben und ging ran. Sie brüllte ins Telefon, dass die Beiden kommen sollten, um uns von dieser Parkbucht abzuholen. Tatsächlich kamen wenige Minuten später ihre Freundin und deren Freund, um die völlig missgelaunte Klumpen und uns durch die Straßen zu lotsen.

Am Haus angekommen ging es auch gleich schon weiter. Zu uns gesellte sich noch ein weiterer Typ, der weiße, spitze und absolut hässliche Bordellschleicher trug und ein etwas dickeres, in ein pinkfarbenes Minikleid gehülltes Kampfschweinchen.

Während der Typ noch einen recht netten Eindruck machte, war das Kampfschweinchen wirklich furchtbar. Scheinbar hatte sie sich so viel Selbstbewusstsein angetrunken, dass sie nun ohne zu Stottern behaupten konnte, die Tollste und Schönste auf der Welt zu sein. Weiterhin erklärte sie uns, dass wir neben ihr die Krümel vom Kuchen seien. Wie passend dachte ich mir, denn wie eine geplatzte Kirschtorte sah sie tatsächlich aus.

Die Taxifahrt war dann auch recht spannend, da das Kampfschweinchen tatsächlich meinte, uns allen ihren super push up BH zeigen zu müssen und die Jungs einmal fühlen lassen zu müssen. Auch Klumpens Freundin war mehr oder weniger außer Rand und Band und hielt ihre Brüste aus dem Fenster in den Fahrtwind.

Das konnte ja noch ein witziger Abend werden.

Letztendlich war er das auch.

Ein paar Typen versuchten ihr Glück als Frauenversteher, von Klumpen und Konsorten haben wir eher weniger zu sehen bekommen und meine Freundin und ich haben mal wieder so richtig auf der Tanzfläche abgespackt.

Auf unserem Rückweg war Klumpen kurz davor eine Prügelei anzuzetteln und musste sich wenig später neben ihrem Auto übergeben. Wir fielen in unser Bett bzw. auf unsere Luftmatratze und sahen Klumpen erst am nächsten Morgen wieder: Sie hatte tatsächlich in ihrem Auto geschlafen.

Während wir außer Müdigkeit keine postalkoholischen Symptome verspürten ging es Klumpen umso schlechter. Sie lag im Bett des Hausbewohners und beichtete uns um 14.30 Uhr, nicht fahren zu können und noch etwas schlafen zu müssen. Na toll …was sollten wir nun die ganze Zeit über tun? Wir wollten einfach nur zurück und duschen.

Da das Haus, in dem wir übernachtet hatten, eher dreckig und ziemlich runter gekommen war, fühlten wir uns ziemlich unwohl und wollten so schnell wie möglich da raus. Klumpen öffnete eine halbe Stunde später die Augen und ordnete an, dass einer zu Mc Donalds fahren müsse, um ihr etwas zu essen zu holen. Konnte das wirklich wahr sein? Lag da nun wirklich diese schwer übergewichtige Frau, weniger als leicht bekleidet, schwitzend auf dem Bett des Hausbewohners und schickte jemanden zu Mc Donalds? Ja, es war die Realität. Sogleich machte sich der Freund ihrer Freundin auf, um für Klumpen etwas Nahrhaftes zu besorgen. Als er mit einigen Tüten beladen wieder zurück war, probierte Klumpen einen Bissen, befand das Essen als ekelhaft und schmiss es weg. Wunderbar.

Einige Zeit später war Klumpen zum Start bereit. Endlich. Wir fuhren los und mussten wenige Minuten später an der nächsten Tankstelle wieder halten. Klumpen schickte mich in die Tankstelle um ihr ein Wasser zu kaufen, folgte mir allerdings. Während ich an der Kasse stand und mich fragte, was dies zu bedeuten haben könnte, wurde ich von einem würgenden und gurgelnden Geräusch aus meinen Gedanken gerissen. Klumpen war mir zwar gefolgt, war aber weiter zu den Toiletten gelaufen. Das abschreckende Geräusch, von dem nicht nur ich, sondern auch der Tankwart an der Kasse schockiert war, kam aus der Toilette, wo sich Klumpen erneut übergeben musste.

Schnell bezahlte ich und ging zum Auto zurück, um dieser peinlich Situation aus dem Weg zu gehen. Wenig später kam auch Klumpen zurück. Das Gesicht mit Erbrochenem verziert ebenso wie ihre Hände. Ich glaubte meinen Augen nicht trauen zu können. Das war derart ekelhaft, dass ich am liebsten auch auf die Toilette gerannt wäre. Sie wischte sich die Reste aus dem Gesicht und setzte sich hinter das Steuer. Dennoch machte sie keine Anstalten den Wagen zu starten.

Sie fragte meine Freundin, ob diese nicht fahren könne und stieg aus. Schnell wechselten sie die Plätze, wir drehten eine kleine Übungsrunde auf dem Parkplatz und die Fahrt ging weiter. Klumpen schlief, meine Freundin fuhr und ich war immer noch von dem Ekel überwältigt.

Zwei Stunden später hatten wir dann endlich unser Ziel erreicht. Bis auf einige Verwechselungen zwischen Blinker und Scheibenwischer und einer Sekunde auf dem Fahrradweg, hatte meine Freundin die Fahrt richtig gut gemeistert.

Am nächsten Tag buchten wir unser Busticket für die Rückfahrt. Klumpen schien davon eher weniger begeistert, akzeptierte dann aber doch noch, dass wir Reisende sind, die nicht so lange an einer Stelle bleiben können und wollen. Wir packten unsere Sachen und am nächsten Morgen fuhr uns Granny zum Busbahnhof. Der Abschied war kurz und schmerzlos.

Insgesamt war dieser Trip an die Sunshine Coast nicht nur finanziell eines der besten Dinge, die uns passieren konnten, sondern auch sonst sehr erholsam und aufregend. Wir hatten endlich einmal die Möglichkeit gehabt, die australische Jugend kennen zu lernen und uns als Teil einer Gesellschaft und nicht als Backpacker zu fühlen. Dafür sind wir nach wie vor dankbar.

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Ouback (Currawilla)
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 11:16

Unser erster Tag im absoluten Nichts verlief recht ruhig, da der größte Teil der zu erledigenden Aufgaben bereits getan war. Allerdings stand uns noch der Kompost bevor. Dieser musste jeden zweiten Tag gewendet und gewässert werden. Wir schlüpften also in unsere ältesten Klamotten und begaben uns in den Kampf. Und es war wirklich ein Kampf. Der Gestank, der Dreck und die pralle Sonne waren unser geringstes Problem. Vielmehr waren es die unzähligen kleinen Fliegen, die uns nahezu aufgefressen haben. Sie waren einfach überall, um uns zu nerven und die Arbeit zu erschweren. In den Augen, in den Ohren, in der Nase und sogar im Mund. Vier Misthaufen und einige Fliegenangriffe später waren wir dann fix und fertig. Nachdem wir uns wieder umgezogen und etwas frisch gemacht hatten, gingen wir in die Küche um mit dem Kochen zu beginnen.

Diese Aufgabe hatte uns am meisten Sorge bereitet, da unsere Kochkünste bislang doch eher im Bereich des Aufwärmens in der Mikrowelle bzw. des Nudelkochens lagen. Zu unserem Glück waren die vier zu bekochenden Männer alles andere als anspruchsvoll was das Essen betraf. Wir sollten „ein wenig Fleisch“ (dies bedeutete soviel wie 5-6 Kilo) in einem großen Topf zusammen mit ein paar Zwiebeln, Möhren und Kartoffeln kochen.

Während wir uns noch Gedanken machten, wer nun in den Kühlraum des Grauens gehen müsse, um ein großes Stück Fleisch daraus zu besorgen, kam auch schon glücklicherweise der Hausherr mit einem großen Topf voll Fleisch zu uns und verließ wieder die Küche, um zurück zur Arbeit zu gehen. Ich öffnete den Topf und glaubte Opfer einer Sinnestäuschung zu sein. In diesem ca. 20 Liter großem Topf lagen nicht nur dicke, blutige Fleischbrocken, sondern auch ein gehirnähnliches Konstrukt und zu unserem Entsetzen eine sehr, sehr lange Zunge. So schnell es ging schlossen wir wieder den Deckel. Nachdem der erste Schock über die Menge und Art des Inhaltes in dem Topf überwunden war, begannen wir damit, die Zwiebeln, Kartoffeln und Möhren klein zu schneiden. Vier Stunden später öffneten wir dann den Topf, um das Gemüse mit hinein zu werfen und zu sehen wie weit das Fleisch bereits gegart war. Und weitere 20 Minuten später war dann endlich alles fertig. Wir hatten große Mühe damit, den Topf von der Herdplatte zur Spüle zu hieven, um das fettige Wasser abgießen zu können. Wir drapierten das Fleisch auf zwei Silberplatten und das Gemüse in eine kleine Schale. Nun kam das wohl Schlimmste an dieser ganzen Sache. Da das Fleisch mehr als verfettet war, mussten wir nun den Speck und die fettigen Schwarten entfernen und zu allem Ekel die Zunge pellen. Es war unvorstellbar ekelhaft. Ich, die von ihrem siebten bis zum 19. Lebensjahr eiserne Vegetarierin gewesen war und stets vorsichtig und angeekelt im Umgang mit rohem Fleisch etc. war, musste die Haut einer Kuhzunge, mitsamt der kleinen Härchen von dem adrigen Fleisch abziehen!

Nicht nur der Anblick des Kühlhauses, sondern auch diese Aktion waren Auslöser dafür, dass ich beschloss, in Zukunft wieder vegetarisch zu essen. Meine Freundin, die sonst gerne Fleisch ist, war ebenfalls so angewidert, dass sie beschloss, für die nächsten zwei Wochen erstmal kein Fleisch mehr zu essen. Mittlerweile waren auch die vier Männer wieder nach und nach eingetroffen und fanden einen Berg Fleisch mit einer klein geschnittenen Kartoffel und etwas Gemüse vor. Anders als erwartet, waren diese darüber eher weniger erfreut. Die Kartoffeln sollten ebenso wie die Zwiebeln und Möhren im ganzen Stück bleiben, sodass jeder eine Kartoffel, eine Möhre und eine Zwiebel neben einem Berg Fleisch auf seinem Teller liegen hatte. Nichts desto trotz, begannen sie ihre hungrigen Mäuler zu stopfen und waren mehr als verwundert über die Tatsache, dass wir nicht von dem Fleisch essen wollten, sondern vor einem kleinen Teller Kartoffeln und Möhren saßen. Auf die Begründung, dass wir Vegetarier seien, reagierten sie sogar ziemlich geschockt. Nachdem alle aufgegessen hatten spülten wir noch ab und marschierten mit fettbespritzten Klamotten und nach Fett stinkend in unser Zimmer.

Die darauf folgenden Tage verliefen ähnlich. Morgens um sieben Uhr aufstehen, die Tiere füttern, Käfige reinigen, den Misthaufen wenden, frühstücken, ein wenig relaxen und kochen. Bei unseren alltäglichen Kochaktionen mussten wir immer wieder feststellen, dass die vier Männer tatsächlich sieben Tage die Woche, zwei mal täglich nichts Anderes essen als Fleisch. Neben dem typischen Fleisch-mit-Kartoffeln-und-Möhren Gericht, stand auch noch das Barbecue ganz hoch im Rennen. Neben einem „Barby“ am Mittag, wie sie es so liebevoll nannten, gab es dann auch jeden Morgen noch ein kleines Barby „to go“, welches aus den Fleischresten vom Vortag und einer ungetoasteten Scheibe Toast mit Zwiebeln bestand.

Leider mussten wir feststellen, dass dieser Haushalt nicht nur aus überzeugten Fleischessern bestand, sondern auch 100%ig auf deren Essgewohnheiten ausgerichtet war: Außer ein paar Nudeln, einigen Kartoffeln, ein paar Karotten, Zwiebeln und Äpfel, die allerdings für die Vögel gedacht waren, gab es auch nicht viel anderes aus dem Bereich Gemüse und Obst. Somit war unsere Ernährung nicht besonders abwechselungsreich.

Eines Abends, es war bereits dunkel, wir waren mal wieder in der Küche am brutzeln und die Jungs waren noch auf der Cattlestation, fingen die Hunde plötzlich an zu bellen. Da sie sich sonst immer sehr ruhig verhielten, war ich ein wenig verwundert, machte mir aber keine weiteren Gedanken und kochte weiter. Plötzlich stand hinter uns ein uns unbekannter Mann und fragte wo er Roger (den Hausherrn) finden könne. Mehr als erschrocken standen wir bevor wir antworten konnten eine Weile einfach nur so da, so dass der über unsere Sprachlosigkeit erstaunte Unbekannte ohne unsere Antwort abzuwarten wieder verschwand. Wer war dieser Mann? Was wollte er? Eine Stunde später kamen dann die Anderen und als wir ihnen gerade von diesem kuriosen Auftritt berichten wollten, stand der Mann auch schon wieder in der Tür. Wie sich herausstellte, war der Unbekannte ein weiterer Farmarbeiter, der nun zur Saison das Team ergänzte. Seine Aufgabe sollte es sein, das riesige Farmareal mit seinem „Helikopter“ zu überfliegen und nach den Rindern Ausschau zu halten. Mit seinen Angaben sollten dann die Jungs geleitet werden, um das Vieh eintreiben zu können. Der mit einigem Stolz angekündigte „Helikopter“ war wie sich im Nachhinein rausstellte, ein kleiner, eiförmiger Ultraleichtflieger ohne Dach und auf drei Rädern, der zum Starten angeschoben werden musste und in dem gerade mal der Pilot Platz hatte.

Neben der Tatsache, dass dieser Typ (für australische Verhältnisse) unverschämt gut aussah, war er auch noch charakterlich gesehen recht unverschämt. Nicht nur dass er direkt nach seiner Ankunft unsere Reaktion lauthals kritisierte und sich über uns lustig machte, sondern auch, dass er sich über das doch sehr rustikale Essen (die ungeschälten, ungeschnittenen Kartoffeln) bei uns beschwerte.

Am nächsten Tag erledigten wir wie immer unsere Aufgaben. Alles schien in bester Ordnung zu sein, bis uns plötzlich während der Fütterung die Hunde aus dem Zwinger liefen. An sich war dies ja nichts Schlimmes, zumal wir sie eh noch hätten rauslassen müssen, um ein wenig mit ihnen zu spielen und herumzulaufen. Jedoch waren wir etwas irritiert, als sie hinter einem Hügel verschwanden und drei von ihnen erst nach einiger Zeit wieder erschienen. Mit Schrecken stellten wir fest, dass einer von ihnen mit Stolz etwas Kleines im Maul trug. Was war das für eine Beute? Während meine Freundin schon vermutete, dass die drei großen Hunde den einzig kleinen getötet hatten, fiel mir ein, dass das Gehege der Hühner noch offen und diese zum Auslaufen noch draußen waren. Ich ahnte Schlimmstes und tatsächlich: Einer der Hunde hatte ein Huhn gerissen und lief nun stolz mit seiner Jagdbeute im Maul auf uns zu. Wir gaben unser Bestes, um das Huhn irgendwie aus dem Maul zu bekommen. Fehlanzeige! Anstatt es loszulassen kamen nun auch die anderen Hunde, um mit dem gerissenen Huhn zu spielen. Wir waren mehr als verzweifelt und wussten nicht mehr weiter.

Da gelang meiner Freundin das Unfassbare: Für einen Moment hatte der Hund das Huhn auf den Boden fallen lassen. Plötzlich und unerwartet lief das schon für tot erklärte Huhn in die nächste Ecke. Wir konnten aufatmen! Das Huhn lebte, die Hunde waren wieder in ihrem Gehege. Plötzlich entdeckte ich, wie die Katze aus der Ecke kam und das Huhn erneut angegriffen wurde. Da die Katze allerdings sehr schreckhaft war, war es für uns eine Leichtigkeit sie zu vertreiben. Da saß es nun, das kleine Huhn. Verletzt und verängstigt. Was sollten wir tun? Die Verletzung war zwar glücklicherweise recht klein, die Gefahr einer Entzündung aber umso größer. Wir beschlossen, um Ärger aus dem Weg zu gehen, das Huhn zurückzubringen, zu warten, wie sich die Sache entwickeln würde und erst dann etwas zu sagen, wenn es notwendig sei. Glücklicherweise erholte sich das Huhn recht schnell von dem ganzen Spektakel und die Wunde verheilte ohne große Schwierigkeiten, so dass keiner etwas bemerkte und wir zu allem Überfluss einige Tage später noch das Kompliment bekamen, schlaue Mädchen zu sein, da wir die Hühner nicht mit den Hunden zusammen raus gelassen hatten.

Am Abend saßen wir dann mit den Cowboys zusammen, tranken 4x Gold (Bier)und Bundaberg Rum mit Cola aus Dosen und vertrieben unsere Zeit mit Billard und Karten spielen. Am nächsten Morgen mussten die Männer wieder einmal sehr früh d.h. schon um vier Uhr raus. Da wir den Abend zuvor bis zwei Uhr zusammen gesessen hatten, dürfte ihnen dieses sehr schwer gefallen sein, was sie leider nicht daran hinderte uns daran teilhaben zu lassen. Somit gaben sie sich allergrößte Mühe uns um vier Uhr morgens für eine Fahrt im Truck aus unseren Träumen zu reißen. Nach mehreren Versuchen gaben sie dann auch endlich auf und wir konnten wieder in tiefen Schlummer versinken.

Wenige Tage später passierte dann auch schon das nächste Unglück. Als wäre die Sache mit dem Huhn nicht schon schlimm und stressig genug gewesen, geschah an diesem Tag etwas noch viel Schlimmeres. Wie immer erledigten wir alles, schlossen dieses Mal sogar den Hühnerkäfig, bevor wir zu den Hunden gingen und waren auch sonst sehr vorsichtig. Als wir dann die Hunde raus ließen, um uns ein wenig mit ihnen zu beschäftigen, passierte es. Wir unterhielten uns und plötzlich sahen wir um uns herum weit und breit keinen Hund mehr. Wir liefen den kleinen Hügel hinunter, gingen zum Gästehaus und suchten auch sonst alle Bereiche um das Haus herum ab. Keine Chance. Die blöden Köter waren einfach nicht mehr aufzufinden. Langsam wurde die Situation ernst. Es waren bereits zwei Stunden vergangen, die Hunde immer noch nicht zurück und zwei der jüngeren Männer auf dem Weg zur Küche. Was sollten wir tun? Da ich kein guter Lügner bin und auch sonst recht schnell von einem schlechten Gewissen geplagt werde, erzählte ich ihnen von der misslichen Lage. Leider konnte ich ihre Reaktion darauf nicht so ganz deuten, da diese eher neutral ausfiel. Als ich dann jedoch wenig später den Helikopter über uns hörte und der Andere auf einem Quad an mir vorbeifuhr und mich fragte ob ich mit ihm die Hunde suchen wolle, dachte ich, es sei eine wirklich ernste Lage.

Ich erinnerte mich daran, wie die Frau uns bei unserer Schnelleinweisung gewarnt hatte, bloß gut auf ihre vier Lieblinge aufzupassen und gut für diese zu sorgen. Langsam bekam ich Angst. Wie würde der Hausherr reagieren? Würde er ausrasten, weil er genau weiß wie viel die Hunde seiner Frau bedeuten? Würde er uns eine verpassen? So war er immer ein recht fröhlicher Mann gewesen aber wir hatten ihn auch nie länger als eine Stunde am Tag gesehen.

Wir beschlossen also erneut auf die Suche zu gehen. Wir suchten wieder das gesamte Gebiet um das Haus herum ab. Von den Hunden leider keine Spur. Dann kam uns der Gedanke, dass die Hunde eventuell auf die andere Seite des kleinen Tümpels geschwommen waren und nun nicht mehr zurück finden konnten. Wir nahmen uns also das kleine Paddelboot und paddelten (mit einem Paddel) auf die andere Seite. Beim Anlegen stieg ich als erstes aus dem Boot um es mit dem Seil an Land zu ziehen. Leider stieß ich mich wohl etwas zu stark vom Boot ab, so dass ich nur knapp am Uferrand aufkam. Da der Boden die Konsistenz eines Moorbodens hatte, rutschte ich ab, sackte ein und viel in die dreckig braune, von Krebsen und Schlangen bewohnte Brühe. Fantastisch! Konnte dieser Tag wirklich noch schlimmer werden?

Wir wanderten immer weiter vom Haus weg durch die ausgedörrte Wüstenlandschaft. Wuchsen um das Haus herum zumindest noch vereinzelt trockene Pflanzen, so war nun weit und breit nichts anderes mehr als harter, aufgesprungener, trockener Sandboden zu sehen. Die Sonne schien, in der Ferne verschwamm der Horizont in der flimmernden Hitze, die Fliegen summten in Schwärmen um uns herum. Mein weißes T-Shirt war plötzlich schwarz vor Fliegen.

Bei mir begann sich so langsam alles zu drehen. Wir waren bereits zwei Stunden durch die pralle Sonne gewandert und hatten immer noch keine Spur von den Hunden finden können. Nach drei, vier Stunden der Orientierungslosigkeit fanden wir dann endlich wieder zum Haus zurück. Aus Angst vor der Reaktion des Hausherrn setzten wir uns erst einmal im Gästehaus hin, um die Situation zu überdenken und für den Notfall Fluchtpläne zu schmieden. Diesmal würde es allerdings nahezu unmöglich sein zu entkommen, da wir nun nicht nur fünf Stunden vom nächsten Ort (oh je, Windorah), sondern auch fünf Stunden vom nächsten Haus entfernt waren. Letztendlich sahen wir ein, dass wir uns der Sache stellen mussten und gingen zum Haus. Es war bereits am Dämmern, wir beide hatten den totalen Sonnenbrand und ich hatte einen ziemlichen Sonnenstich, so dass ich mich mit zwei Schmerztabletten und einer Flasche Wasser ins Bett legen musste. Die Jungs waren mehr als nett und beruhigten uns.

Später fuhren wir dann mit den Quads zur Cattlestation um Roger von der Sache zu berichten. Die Jungs setzten sich dabei für uns ein, berichteten ihm davon, wie wir den ganzen Tag nach den Hunden gesucht hatten. Dies wäre allerdings gar nicht nötig gewesen, da Roger anders als erwartet reagierte: Er lachte nur und sagte, dass diese schon irgendwann wieder kommen würden. Spätestens dann wenn sie Hunger hätten. Er berichtete davon, dass dies schon einmal passiert sei und er eher glücklich über den Verlust der Hunde wäre, weil diese immer nur Unsinn machen. Erleichtert wie noch nie fuhren wir zurück und diesmal konnte auch ich die schnelle Quadfahrt durch die Sandberge genießen.

Roger sollte Recht behalten. Noch in der gleichen Nacht kamen die Hunde völlig erschöpft und verdreckt zurück und rührten sich auch die nächsten Tage nicht mehr von der Stelle. Unsere Geschichte von der aufwendigen Suchaktion mit Sonnenstich und Schlammbad wurde dann noch Wochen später belächelt und Freunden berichtet.

Am nächsten Tag sind wir dann mit den Jungs auf den Motorcrossrädern ein bisschen rumgedüst. Ansonsten verliefen die darauf folgenden Tage eher langweilig. Wir schauten viele DVDs und mussten feststellen, dass das Freizeitangebot im Outback ziemlich mager ist.

Eines Morgens wachten wir auf und uns wurde mitgeteilt, dass wir ein 4 Tage altes Kälbchen versorgen müssten, da die Mutter gestorben war. Es war noch so klein, dass wir es noch mit der Flasche zwei mal täglich füttern mussten. Dies war Anfangs leider gar nicht so einfach, da das Kälbchen sich sehr stark gegen unsere Fütterungsversuche wehrte. Als wir es dann nach drei Stunden guten Zuredens und zig Versuchen beinahe problemlos füttern konnten, war das zum ersten Mal ein richtig gutes Gefühl und ein Erfolgserlebnis. Jeden Tag freute ich mich nun, wenn ich zu ihm gehen konnte und es mich bereits erwartete. Wir tauften es Popel. Leider schien eines der anderen und schon sehr stabilen Kälbchen zu merken, dass es nun nicht mehr an erster Stelle stand und versuchte ständig aus der Flasche zu trinken und Popel beiseite zu drängen. Wir hatten echte Mühe und mussten zu zweit in das Gehege, so dass einer Popel füttern und der andere das zweite Kälbchen festhalten konnte. Dabei wurde mir so einige Male mit voller Wucht auf den Fuß getrampelt und ich wurde immer mal wieder weggerammt.

Wir waren nun bereits über eine Woche hier und hatten uns an die Stille und den monotonen Tagesablauf gewöhnt. Von den Jungs war bereits einer zurück zu seiner Familie gegangen. Offenbar hatte Roger die aufkommende Langeweile bemerkt, da uns er uns eine neue Tagesaufgabe präsentierte: Kühlraum aufräumen und säubern. Der Kühlraum, so groß wie ein kleines Schlafzimmer, war alles andere als sauber und gut sortiert, was wir allerdings erst auf den zweiten Blick bemerkten. Nicht nur, dass sich an den Gitterstäben der Schimmel festgefressen hatte, sondern auch, dass über die Hälfte der Lebensmittel bereits seit vier Jahren oder länger abgelaufen waren (kein Scherz). Der Reinigungstag hielt also einige echte Überraschungen bei der Entdeckung antiker Lebensmittel, teilweise aus vergangenen Jahrtausenden, bereit.

Die darauf folgenden Tage starteten wir den Versuch, die völlig verstaubten Fenster zu Reinigen, jedoch ohne Erfolg. Der Wüstendsand war einfach zu hartnäckig und somit beendeten wir die große Reinigungsphase und legten uns in die Sonne. Mittlerweile hatten wir nur noch zwei der Männer zu versorgen, da der Hausherr für einige Tage mit dem Truck unterwegs war um die Rinder auf eine andere Farm in der Nähe von Brisbane zu bringen. Da einer der Jungs Junggeselle und Selbstversorgung gewohnt war, übernahm er das Kochen, so dass auch diese Aufgabe vorübergehend entfiel.

Eines frühen Morgens wurden wir mal wieder von dem ohrenbetäubenden Geräusch der Telefonklingel in der Garage geweckt. Da das Beantworten der Anrufe ebenfalls zu unseren Pflichten gehörte, rannte meine Freundin beim dritten Anruf los und kam wenige Minuten später zurück. Es war meine Mutter. Sie hatte sich Sorgen gemacht und das Schlimmste befürchtet, da sie schon Ewigkeiten, d.h. seit einer Woche, nichts mehr von mir gehört hatte. Ich konnte sie glücklicherweise recht schnell wieder beruhigen, merkte dabei allerdings auch, wie sehr mir der telefonische Kontakt gefehlt hatte.

Am Abend machten wir dann unseren alltäglichen Rundgang, fütterten Popel und trieben die Hühner ein. Aus den anfangs 13 Hühnern waren mittlerweile leider zwölf geworden, da eines von einer Schlange gefressen wurde. An diesem Abend mussten wir leider feststellen, dass sich die Zahl wieder um eines vermindert hatte. Wir suchten es überall und fanden es dann plötzlich kopflos im Gehege der fetten Schweine.

Wir hatten es fast geschafft, zwei Hühner weniger und um einige Erfahrungen reicher neigte sich unsere Zeit auf der Farm dem Ende. Die Frau war bereits mit ihren beiden Söhnen und ihrem Neffen zurückgekehrt, wir erhielten jeder 400 aus. $ und unsere Rückfahrt wurde geplant.

Die letzten drei Tage verbrachten wir mit den drei Kindern alleine, da Roger und seine Frau noch einmal eine Fahrt mit dem Truck machen mussten und die Cowboys alle zurück zu ihren Familien gefahren waren, da alle Arbeit getan war. Leider war dies schwerer als gedacht. Einer der Jungs erwies sich als absolut tollpatschig, so dass ihm ständig die unmöglichsten Dinge passierten, wie z. B. eine Maschine Wäsche mit einem Fotokalender anzustellen. Die anderen Beiden waren einfach nur chaotisch und anstrengend. Hatte man einmal kein Auge auf sie, geschah gleich irgendein Unglück, sei es ein Streit, der selbstverständlich in einer Prügelei ausgetragen wurde, ein kleiner Unfall beim Fahren mit den Motocrossrädern oder eine Spielerei mit einem geladenen Gewehr, bei dem sich ein Schuss löste und ein hässliches Loch in der Zimmerdecke hinterließ. Wir hatten also alle Hände voll damit zu tun, darauf aufzupassen, dass keiner umkommt.

Um den Jungs einen Tag der Langeweile zu ersparen und sie zumindest für ein paar Sekunden vorm Fernseher wegzuholen, schlugen wir vor mit ihnen etwas zu unternehmen. Die Jungs waren begeistert und schlugen daraufhin vor, Schwimmen zu gehen. Wo sollte man hier nur schwimmen gehen können fragte ich mich? In dem Tümpel in den ich zuvor einmal reingefallen war? Die Jungs kannten scheinbar einen kleinen Tümpel oder Teich wenige Minuten vom Haus entfernt. Wir packten Sonnencreme und etwas zu Trinken ein und schon konnte es losgehen. Während wir noch davon ausgingen zu Fuß zu gehen hörten wir schon jemanden Hupen. Wir blickten in die Garage und da saß der kleine zwölfjährige Junge in einem Pick up und die anderen beiden hinten auf der Ladefläche. Lässig rief er soviel wie: „Springt auf!“, und wollte starten. Ich war fassungslos. Was hatten diese kleinen Gören nun schon wieder für einen Unsinn vor? Ich erkundiget mich und fand heraus, dass dies in Australien bzw. im Outback eine völlig normale Sache sei, so lange die Kinder auf ihrem eigenen Gelände bleiben. Erstaunlicherweise konnte der kleine Junge auch noch recht gut Auto fahren.

Am nächsten Tag war dann der Tag der Abreise. Wir wurden nach Longreach gebracht und von dort aus ging es mit dem Greyhoundbus weiter. Die Frau hatte die Fahrtkosten übernommen, uns auch sonst noch tausendmal für unsere spontane Hilfsbereitschaft gedankt und uns ihre Telefonnummer gegeben für den Fall der Fälle. Ebenso bot sie uns an, für ein paar Tage in dem Haus ihrer Mutter an der Sunshinecoast wohnen zu können.

Im Großen und Ganzen würde ich diese Episode im Outback als Glück im Unglück bezeichnen und ich bin sehr glücklich, diese Erfahrung gemacht haben zu dürfen.

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Brisbane / der Jobclub / Windorah / die Flucht ins wahre Outback
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 22:25

Wir waren nun also aus dem schlimmsten Hostel das wir je gesehen hatten ausgezogen und auf dem Weg, in das „Base Palace Backpackers“ einzuziehen. Dieses Hostel hat nicht nur den Vorteil, dass es mehr als zentral (in der Nähe der Queens Plaza) gelegen ist und ein eigenes Internet Cafe hat, sondern auch einen (und das war für uns das Entscheidende) Jobclub. Wir checkten also bereits am frühen Morgen ein und inspizierten neugierig das gesamte Hostel.

Die Duschen waren einigermaßen sauber, unser Zimmer riesig groß, Telefone an jeder Ecke und der Club, der unter unserem Hostel lag, lockte mit täglichen Angeboten, die ähnlich wie im „Westend“ per Lautsprecherdurchsage verkündet wurden. Im Großen und Ganzen schien dies also ein recht angenehmes bzw. normales Hostel zu sein.

Was uns jedoch viel mehr interessierte war der Jobclub, welcher in uns die stille Hoffnung auf einen Job hervorrief. Wir erkundigten uns nach den Öffnungszeiten und saßen bereits am gleichen Nachmittag mit ca. 20 anderen verzweifelten Backpackern vor dem Schreibtisch der Jobvermittlung. Nach einigen Minuten des Wartens begrüßte uns dann ein etwas älterer Herr mit goldenem Siegelring am Finger und erklärte uns im Schnellverfahren welche Jobmöglichkeiten er zur Auswahl habe.

Neben Schlachter, Bauarbeiter, Möbelpacker und so einigen anderen körperlich schweren Tätigkeiten stand der Beruf des Kellners und Bartenders in einem Countrypub zur Verfügung. Nachdem bereits die erste Hälfte der wartenden Backpacker verschwand traten wir etwas weiter nach vorne und fragten mal genauer nach. Er erklärte uns, dass eine Mitgliedschaft in diesem Jobclub für Bewohner des Hostels 35 aus $ und für alle anderen 50 aus $ kostet, die Mitgliedsgebühr jedoch erst bei Vermittlung gezahlt werden müsse.

Zugleich bot er uns an, als Fruit Picker bzw. Plant Nurses im Outback zu arbeiten, teilte uns jedoch ebenso mit, dass wir dafür bereits am nächsten Morgen auschecken und losfahren müssten. Da wir das Hostel allerdings bereits für drei Nächte gebucht hatten, beschlossen wir dieses Angebot nicht anzunehmen. Daraufhin bot er uns einen Job in einem der Countrypubs an. Wir sollten dort 35 Stunden die Woche als Barmate arbeiten und dafür 300 aus $ plus freie Unterkunft und Verpflegung bekommen. Dies klang nach einem für uns geeigneten Job und wir beschlossen, unsere Eltern nach ihrer Meinung zu fragen.

Während unsere Eltern eher weniger begeistert waren über die Vorstellung uns hinter einer Bar mit alten, stinkenden und aufdringlichen Truckern zu sehen, waren wir einfach nur glücklich über die Aussicht auf einen Job. Am nächsten Tag sagten wir trotz der Bedenken unserer Eltern zu, zahlten unseren Beitrag und bekamen eine Mitgliedschaftskarte, mit der wir ein halbes Jahr lang die Angebote des Jobclubs in Anspruch nehmen können. Unser Jobinterview erledigten wir dann auch gleich per Telefon und uns wurde dabei eine Unterkunft mit eigenem Bad in einem der Hotelzimmer versprochen. Auch schien die Frau am Telefon recht nett zu sein und wir wussten nun, dass wir für die nächsten zwei Monate in einem Hotel / Motel namens „Western Star Hotel“ in Windorah arbeiten würden.

Windorah ist ein Ort, der weder über Bus- noch Bahnverbindung verfügt und fünf (!) Autostunden vom nächsten Ort mit Einkaufsmöglichkeiten entfernt ist. Uns war klar, die nächste Zeit würden wir nicht viel anderes sehen als Wüstensand, betrunkene Trucker und noch mal Wüstensand. Dennoch waren wir froh und erleichtert. Wir hatten endlich einen Job gefunden.

Wir buchten ein Busticket für den Greyhoundbus für 150 aus $ nach Longreach und bereits wenige Tage später ging es auch schon los. Die Fahrt kam uns vor wie eine Ewigkeit. Wir fuhren stundenlang durch das mittlerweile nächtliche Nichts, konnten nicht schlafen und hielten alle halbe Stunde an irgendwelchen Tank- und Truckerstops an, um Leute einzusammeln oder Pakete abzuliefern. Nach ca. 20 Stunden scheinbar endloser Fahrt erreichten wir dann endlich vollkommen übermüdet Longreach.

Anders als erwartet und vereinbart wurden wir jedoch nicht von der netten Dame am Telefon empfangen und abgeholt, sondern standen mehr oder weniger alleine vor einer alten Garage. Wir beschlossen auf die andere Seite, zu den Parkplätzen zu gehen, da wir vermuteten, dort auf unsere zukünftige Chefin zu treffen. Leider wurden wir auch hier von niemandem erwartet und so standen wir verzweifelt mit Sack und Pack inmitten eines kleinen Ortes im Outback.

Auch nach einer Stunde des Wartens hatte sich nichts an unserer Situation geändert. Wir saßen nun zwar nicht mehr in der prallen Sonne, sondern in einem kleinen Bushäuschen, hatten aber nach wie vor niemanden erkennen können, der sich in irgendeiner Art und Weise für uns zwei verantwortlich gefühlt hätte. Wir beschlossen also eine Telefonzelle aufzusuchen und die Frau / unsere Chefin, die uns abholen sollte, anzurufen. Nach einigen Minuten des Suchens und einigen Verbindungsproblemen meldete sich eine weibliche Stimme. Die Frau am anderen Ende der Leitung schien nun leider nicht mehr so nett wie bei unserem ersten Telefonat und verkündete mit aggressiver Stimme, dass uns um die Mittagszeit herum ein Mann namens John abholen würde und legte auf.

Leider wussten wir weder, wie dieser Mann aussehen sollte, noch wo er uns abholen würde und so warteten wir zwei weitere Stunden auf diesen ominösen John.

Jedes Mal wenn ein etwas älterer Herr, mit Cowboyhut in einem alten Pick Up an uns vorbeifuhr bildeten wir uns ein, es könnte John sein. Dann endlich war er da. Anders als angenommen fuhr er allerdings keinen verdreckten Pick Up, sondern einen kleinen alten Ford, der bis oben hin mit Bettwäsche und Klamotten beladen war. Er selber war auf der Durchreise und dazu verdonnert worden uns mitzunehmen. Wir saßen nun also mit einem wildfremden Mann, der genauso wenig begeistert von der Situation war wie wir, in seinem zugemüllten Auto und mussten uns zwanghaft über irgendwelche langweiligen Themen wie z.B. das Wetter unterhalten.

Nach sechs Stunden Fahrt durch das absolute Nirgendwo erreichten wir Windorah: Eine Straße, viel Sand, sechs Häuser, das Motel, eine Tankstelle, die von einem blinden Tankwart geführt wird, sowie ein kleines Informationscenter lagen vor uns.

Neben der kuriosen Tatsache dass ein Blinder eine Tankstelle führt wurde uns ebenso von einem Dorfbewohner berichtet, dessen Toilette bei einem Sturm weggeflogen war. Da dieser wie scheinbar die meisten Bewohner Windorahs unter einem außergewöhnlichen Alkoholdurst leidet, verprasste er das von der Regierung zur Verfügung gestellte Geld zur Erneuerung einer Toilette für diverse alkoholische Getränke und uriniert angeblich seither in sein eigenes Haus. Wie uns unser Fahrer John (auch J.B. genannt) bei der Einfahrt in das Dorf erklärte, wohnen in Windorah sage und schreibe 50 Einwohner, von denen über die Hälfte bereits das Rentenalter überschritten hat.

Wir waren froh endlich da zu sein und auch unser zukünftiger Arbeitsplatz wirkte einladend. Mit voller Vorfreude auf eine Dusche und eine kurze Pause trafen wir nun endlich auf unsere Chefin Barbara. Sie begrüßte uns kurz und teilte uns dann mehr oder weniger nebenbei mit, dass sie zur Zeit kein leeres Zimmer für uns hätte und wir vorerst bzw. für den ersten Monat bei einem guten Bekannten von ihr, der zwar etwas gruselig aussähe aber ganz nett sein solle, wohnen müssten.

Nichts Böses ahnend stiegen wir wieder zurück in das Auto und wurden zu unserem Schlafplatz gefahren. Wir konnten es kaum glauben. Wir standen nun tatsächlich vor einem dieser auf Stelzen stehenden Häuser und wurden von einem mehr als stattlich gebauten, einzahnigen Mann barfuß und in kaputten Klamotten empfangen.

Wir betraten den „Garten“ und traten als erstes auf ein Schweinebein. Um uns herum lagen Barbies, Mülltüten und irgendwelche anderen Knochen. Es war einfach nur ekelhaft. Als wir dann das Haus betraten und dies ebenso verdreckt und unordentlich war wie der Garten, war auch der letzte Funken Hoffnung auf ein gemütliches Zimmer verschwunden. Nun standen wir also mit diesem ekelhaft aussehenden Mann inmitten eines vollkommen verdreckten Wohnzimmers und wussten einfach nicht mehr was wir sagen oder denken sollten.

Ich sah mich um und entdeckte eine Matratze. Ich ahnte schon, dass dies unser Schlafplatz sein sollte und tatsächlich teilte er uns wenig später mit, dass dies für eine von uns das Bett sei. Uns beiden war gleich klar, dass wir unter keinen Umständen in dem Wohnzimmer eines fremden Mannes schlafen würden. Er zeigte uns ein weiteres verdrecktes und bis oben hin mit Spielsachen, Klamotten und anderem Müll vollgestopftes Zimmer. Hier sollte die andere von uns beiden schlafen. Zwar war dieses Zimmer nicht weniger abstoßend als das Wohnzimmer, verfügte allerdings über eine Tür und ermöglichte es somit, nicht mit dem abschreckenden Mann in einem Raum schlafen zu müssen.

Wir beschlossen, die Matratze aus dem Wohnzimmer mit in das andere Zimmer zu legen um zusammen schlafen zu können. Dies war leider gar nicht so einfach, da das Zimmer nicht nur furchtbar klein, sondern auch furchtbar zugemüllt war. Nach mehrmaligem Umstapeln des Mülls, einigen ekelhaften Entdeckungen wie z.B. Pornomagazinen mit nackten Frauen auf Schweinekadavern, benutzter Unterwäsche und verschimmeltes Essen, schafften wir es endlich die Matratze neben das „Bett“ zu platzieren.

Während meine Freundin sich im Badezimmer duschte, saß ich in dieser abgedunkelten Kammer und war kurz vor einem Heulkrampf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Statt in einem der Hotelzimmer saßen wir bei einem alkoholisierten Perversen. Während ich in meinen Gedanken vertieft, mit Tränen in den Augen auf meinen „Bett“ saß hörte ich den Mann fragen, ob wir einen Kaffe wollten. Um nicht unhöflich zu sein antwortete ich mit ja. Wenig später saß ich auch schon mit dem Einzahnigen an einem Tisch und wusste nicht, worüber ich mit ihm reden sollte. Er schien nett, aber nicht ganz normal zu sein. Nicht nur der Alkoholgeruch und sein ungepflegtes Erscheinungsbild, sondern auch der Zustand in dem er hauste ließen darauf schließen. Auf die Unordnung angesprochen erzählte er, dass er zu beschäftigt sei um aufzuräumen, hatte aber keinen Job und war mehr oder weniger den ganzen Tag zu Hause oder in der Bar, in der wir arbeiten sollten.

Nachdem ich den Kaffe aus einem der verdreckten Becher runtergewürgt hatte, ging ich ins Bad. Das Badezimmer war ebenso wie der Rest des Hauses verdreckt. Ein abartiger Geruch von Hühner- und Hundefutter kam mir bereits beim Öffnen der Tür entgegen. Kein Wunder, denn auf dem Boden des Badezimmers und in der Dusche lag überall Hundefutter. Abschließen konnte man die Tür nicht. Ich fühlte mich mehr als unwohl als ich mich in diesem absoluten Gestank duschte und vor mir auch noch eine xxl- Flasche mit Läuse-Shampoo entdeckte.

Geduscht und tot unglücklich machten wir uns auf zur Bar, um unsere erste Schicht anzutreten. Dort angekommen wurden wir allerdings darauf hingewiesen, dass wir uns erstmal schlafen legen sollten und am nächsten Morgen alles erklärt bekommen würden. Somit gingen wir wieder zurück und beschlossen die Chance zu nutzen, uns jetzt wo wir allein waren in dem Haus ein wenig umzusehen.

An den Wänden hingen Bilder, auf denen eine Familie abgebildet war, der Einzahnige jedoch nirgendwo zu entdecken war. Ebenso fanden wir noch zwei weitere Kinderzimmer und eine Menge von Medikamenten. Was war hier los? War dieser Mann wirklich der Bewohner dieses Hauses? War er von seiner Familie verlassen worden? Viele schon nahezu kranke Fragen schossen uns durch den Kopf. Wir fanden zwar keine Antwort, wussten aber gleich, dass wir hier auf keinen Fall bleiben würden. Plötzlich stand der Einzahnige hinter uns. Er gab uns ein Bettlaken, wir setzten uns ins Wohnzimmer und er fragte, ob wir eine DVD sehen wollten. Um auf andere Gedanken zu kommen, fanden wir, dies sei eine gute Idee. Während wir die überragend große DVD-Sammlung nach einem passenden Film durchsuchten, fanden wir auch hier zwischen den vielen Kinder- und Horrorfilmen ein paar Pornovideos. Wir ließen uns nichts anmerken und entschieden uns für einen unrealistischen Kinderfilm, um aus dieser kranken Situation zumindest visuell zu entkommen.

Der Einzahnige ging derweil auf das Zimmer zu, in dem wir schlafen sollten, um das Bett mit dem Laken zu beziehen. Dummerweise war ich davon ausgegangen von diesem Mann kein Laken zu bekommen und hatte mir heimlich bei unserer Durchsuchungsaktion eines aus dem Schrank genommen. Ich schritt schnell ein und versicherte ihm, dass ich mein Bett später selber beziehen würde. Er verabschiedete sich daraufhin und ging zurück zur Bar. Eine Stunde später kam er zurück, legte sich auf den Wohnzimmerboden und schlief nach wenigen Minuten ein.

Wenig später gingen auch wir schlafen. Wir lagen zusammengepfercht in unserem Zimmer und konnten nicht glauben, dass es irgendwo schlimmer sein konnte als im Horror-Hostel „Valley Veranda“ in Brisbane. Scheinbar sollte sich der Spruch: “Sage niemals nie”, oder auch: „Schlimmer geht immer!“, gerade hier bewahrheiten.

Am nächsten Morgen begaben wir uns gegen acht Uhr auf den Weg zu der Bar. Unsere Chefin kam auf uns zu und fragte ob wir gut geschlafen hätten. Wir baten sie daraufhin uns irgendwo anders unter zu bringen. Sie versicherte uns eine Lösung zu finden und verabschiedete sich kurze Zeit später, da sie für die nächsten fünf Tage im Urlaub sein würde!

Wir fühlten uns allein gelassen und verarscht. Nach einem kurzen Frühstück kamen ein paar Leute in unserem Alter auf uns zu um uns alles zu zeigen. Es waren Backpacker wie wir. Auch sie wohnten nicht wie versprochen in einem Zimmer des Hotels, sondern in einer Abstellkammer und in einem Wohnwagen. Wir erzählten ihnen von unserer Horror Nacht und eines der Mädchen lief daraufhin zum Telefon, um der Chefin von unseren Klagen zu berichten.

Wie wir mitbekommen konnten, war diese sehr aufgebracht und versprach den Einzahnigen dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Wir verstanden nun gar nichts mehr. Wieso wollte sie jemand anderes als sich selbst für dieses Desaster verantwortlich machen? War nicht sie es gewesen, die uns in diesem Haus untergebracht hatte, obwohl sie sich über die dortigen Zustände im Klaren war? So eine blöde Pute!

Unseren ersten Arbeitstag verlebten wir recht gut, ich reinigte die Hotel- und Motelzimmer, stellte dabei fest, dass weniger als die Hälfte der Zimmer belegt waren und wir somit sehr wohl in einem der Hotelzimmer hätten schlafen können, machte die Betten und meine Freundin half in der Bar. Am Abend wurde es dann leider alles andere als einfach. Da uns keiner so wirklich eingewiesen hatte und sich die Mädchen zurückgezogen hatten um zu essen, standen wir nun zu zweit alleine an der Bar. Um uns rum ein Haufen Männer, die durstig waren und einen derart starken Akzent sprachen, dass es uns einfach nicht gelang auch nur eine Bestellung auf Anhieb zu verstehen. Hinzu kamen dann die kuriosen Extra-Wünsche, wie z. B. eine Flasche Jim Beam zu kaufen bzw. anschreiben zu lassen, daraus einen Jim Beam Cola zu machen und den Rest der Flasche mit einem Namensschild wieder zurück zu stellen, um später erneut daraus zu servieren. Nachdem ich mehr oder weniger an der Bar versagt hatte beschloss ich in die Küche zu gehen um dort zu helfen, die Bestellungen anzurichten und später an den verschiedenen Tischen zu servieren. Dies wiederum war keine große Schwierigkeit, wobei auch dies durch die vielen Männer, die einen ständig ansprachen eher unangenehm war.

Am späten Abend hatten wir es dann endlich geschafft. Hungrig wie wir waren suchten wir uns in der Küche etwas zum Essen raus und mussten dabei feststellen, dass diese Bar nicht nur Essen verkaufte, das zuvor auf den Boden gefallen war oder in altem Fett gebraten wurde, sondern auch welches schon längst über dem Haltbarkeitsdatum lag.

Meinen zuvor so sorgfältig ausgewählten Fisch konnte ich einfach nicht runterkriegen, da er nach nichts anderem als nach Erde und Schimmel schmeckte. Die Getränke, von denen wir ausgegangen waren, dass diese mit zur kostenlosen Verpflegung gehörten, mussten wir selber zahlen und waren mehr als überteuert. So sollte beispielsweise eine kleine 0,5 l Flasche Wasser 8, in Worten: acht, aus $ kosten.

Langsam wurde es uns wirklich zu viel: Das Essen war alt und gammelig, die Unterkunft miserabel, die Chefin nicht da und laut der anderen Mitarbeiter ein echter Drachen und die Getränke nicht inklusive. Außerdem erfuhren wir, dass wir in jedem Fall mehr als die vereinbarten 35 Stunden die Woche arbeiten müssten.

Auf unsere Beschwerden hin war uns für die Nacht eine neue Unterkunft hergerichtet worden: Ein ca. sechs Quadratmeter großes Office, in dem wir auf dem Boden schlafen sollten. Leider war die freie Bodenfläche so klein, dass wir unmöglich beide darauf Platz gehabt hätten. Das war jetzt der letzte, noch fehlende Anstoß, den wir für unsere Entscheidungsfindung noch brauchten: Nichts wie weg hier aus dieser Katastrophe! Und zwar so schnell wie möglich!

Wir schlossen uns heimlich in die Küche ein und versuchten unsere Eltern zu erreichen. Handyempfang? Keine Chance. Die einzige Telefonzelle im Ort? Keine Verbindung ins Ausland möglich. Die Lösung? Heimlich das Telefon der Bar benutzen. Schlechtes Gewissen? Nicht einmal ansatzweise, waren wir doch mehr oder weniger gezwungen, auf diese Art und Weise Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen.

Mit dem O.K. unserer Eltern, uns in einer Nacht und Nebel Aktion zu verdünnisieren, schmiedeten wir einen Plan. Wir gingen alle Möglichkeit durch, fanden aber keine, die uns noch in dieser Nacht hier weg bringen würde. Kein Bus, kein Zug. Wir waren auf andere Durchreisende angewiesen, die uns mit in den nächsten Ort nehmen würden. Da es mittlerweile allerdings schon ein Uhr nachts war und Trampen nicht gerade die sicherste Reisemethode ist, beschlossen wir noch bis zum nächsten Morgen zu warten.

Am nächsten Morgen wachten wir durchfroren in einer „Luxus-Suite“ auf. Die beiden Jungs, mit denen wir am Tag zuvor gearbeitet hatten, hatten uns ihren Schlafplatz in einer Abstellkammer für die Nacht überlassen, sich mit Weinbrand betrunken und mehr oder weniger gestapelt und im Sitzen in „unserem“ kleinen Office geschlafen. Nach einer kurzen Dusche und ein paar Cornflakes (diese waren das einzig Essbare) machten wir uns auf den Weg zu dem Informationspunkt um herauszufinden, ob irgendjemand an diesem Tag nach Longreach fahren würde. Die nette Dame hinterm Tresen erzählte uns von einem großen Typen mit Cowboyhut und blauem Hemd namens Chris, der bereits in einer Stunde losfahren würde. Wir suchten alles ab, konnten aber keinen Chris finden. Wir gingen also erneut zum Informationsstand um uns zu erkundigen ob sonst noch jemand nach Longreach fahren würde.

Wir betraten den Laden und trafen auf die nette Dame und zwei weitere Frauen im Alter von ca. 40 Jahren. Wir erzählten ihr, Chris nicht gefunden zu haben und fragten nach anderen Möglichkeiten. Plötzlich klinkte sich eine der anderen Frauen in das Gespräch ein und fragte wo wir denn hin wollten. Wir erzählten ihr von den zwei Tagen im Countrypub und davon, dass wir irgendwie zurück nach Longreach kommen müssten, um von da aus zurück nach Brisbane fahren zu können. Sie meinte nur, dass sie uns mitnehmen könne, da sie Richtung Brisbane wolle, um ihre zwei Söhne zu besuchen, die dort auf eine Schule gehen. Ohne lange zu überlegen vereinbarten wir, dass sie uns in 20 Minuten vor dem Hintereingang des Motels abholen würde.

Mehr als erleichtert liefen wir zurück um unsere Sachen zu packen und den anderen mitzuteilen, dass wir gehen würden. Diese versuchten uns zwar noch zum Bleiben zu überreden, konnten uns dann aber auch verstehen und unseren Wunsch den Ort zu verlassen nachvollziehen.

Schnell verabschiedeten wir uns noch von den Jungs und dann ging es auch schon los. Ein großer Pick up stand vor der Tür und die kleine freundliche Frau hievte unsere schweren Taschen auf die Ladefläche. Da saßen wir nun wieder bei einer wildfremden Person im Auto und wussten nicht was uns erwarten würde. Sie fragte uns weshalb wir diesen Ort verlassen wollten und wir erklärten ihr daraufhin die Umstände unter denen wir hier leben und arbeiten sollten. Daraufhin erzählte sie uns, dass die Besitzerin der Bar von allen verachtet wird und schon öfter solche Dinge vorgekommen seien. Dann fragte sie uns ob wir kochen könnten. Ohne lange darüber nachzudenken, weshalb sie dies wissen wolle, bejahten wir ihre Frage. Ihre nächste Frage war daraufhin, ob wir Lust hätten für zwei Wochen auf ihrer Farm zu leben und dort auf das Haus aufzupassen, während sie weg sei. Wieder einmal überlegten wir nicht und antworteten mit einem ja. Wir hatten für die lange Fahrt in dieses Dorf 150 aus $ ausgegeben und wollten die Chance nutzen nicht völlig umsonst hierher gefahren zu sein. Und somit fuhren wir los.

Während der Fahrt gingen mir unzählige Gedanken durch den Kopf und ich begann mich über meine Naivität und meine Dummheit zu ärgern. Was wäre wenn sie uns einfach verschleppen würde? Würde es überhaupt jemand merken? Was für eine Farm würde uns da nun wieder erwarten? Vielleicht würde diese Farm noch viel schlimmer sein als das, was wir zuvor in Windorah erlebt hatten. Ich konnte keine Ruhe finden und wollte am liebsten aussteigen, doch um uns herum war bereits seit einer Stunde nichts anderes mehr gewesen als Sand.

Auch ihre Versicherungen, dass sie uns niemals in eine Situation stecken würde, in der wir uns unwohl fühlen würden, oder dass die Jungs bzw. die Cowboys wirklich alle total nett seien und wir uns keine Sorgen machen bräuchten, dass die uns jemals etwas antun würden, konnten mich nicht aufmuntern. Wieder einmal war mir zum Heulen zu Mute.

Nach fünf Stunden Fahrt durch das absolute Nirgendwo, welches ich bereits in Windorah vermutet hatte, hier nun aber tatsächlich vorfinden konnte, erreichten wir inmitten der wüstenähnlichen Gegend eine kleine Farm. Wir standen nun vor einem hellgelben Steinhaus, welches in Australien schon nahezu untypisch ist, da die meisten Häuser trotz Hitze aus Holz gebaut werden. Wir warteten im Wagen, während die Frau mit ihrem Mann über etwas redete. Dann bat sie uns auszusteigen. Schon kamen zwei Cowboys auf einem Quad angefahren und begrüßten uns. Im Schnelldurchlauf zeigte sie uns die komplette Farm, die aus einem Hauptgebäude, in dem Küche, Wohnzimmer, Büro und Zimmer der Familie liegen und einem Nebengebäude, in dem ein Badezimmer und vier weitere Zimmer für die Arbeiter befinden, besteht.

Weiterhin verfügt die Farm über eine riesige Garage, in der mehrere Motorräder, ein Truck, zwei Pick-Ups und jede Menge Autoteile standen und ein großes Kühlhaus. Als wir das Kühlhaus betraten konnte ich nicht glauben was ich sah. Vor uns hingen dutzende blutige Rinderhälften, Schwänze und Zungen. Wo war ich hier nur wieder gelandet? Glücklicherweise schloss sie recht schnell wieder die Tür und zeigte uns die Tiere.

Die Farm ist mehr eine so genannte Cattle Station (Rinderfarm) als ein Bauernhof. Da die Rinder allerdings weit verteilt auf den hunderten Quadratkilometern von Land verteilt sind, fielen diese nicht mit unser Aufgabengebiet. Unsere Aufgabe war es vielmehr, uns um die vier riesig großen Schweine, die zwei kleinen mutterlosen Kälbchen, die 13 Hühner, die vier Vögel, die fünf Hunde, die Katze und den Gemüsegarten sowie um den Kompost zu kümmern. Ebenso war es unsere Aufgabe, für die fünf Ringer, wie sich die australischen Cowboys nennen, zu sorgen, sie zu bekochen und den Haushalt zu schmeißen.

Nach der kleinen Rundtour durch Haus und Umgebung zeigte sie uns unser Zimmer und fragte erneut ob wir uns wirklich sicher seien dies machen zu wollen. Da unser erster Eindruck von dieser Farm sehr gut war und wir uns den Aufgaben durchaus gewachsen fühlten, bejahten wir ihre Frage, sie bedankte sich und fuhr bereits wenige Minuten später auch schon los. Ohne uns.

Da standen wir nun inmitten der Halbwüste und vor uns lagen zwei Wochen unverhoffte Farmarbeit. Wie würden wir diese zwei Wochen verleben? War unser erster Eindruck von der Farm wirklich der Richtige oder sollte uns erneut eine böse Überraschung erwarten? Wir wussten es nicht.

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Byron Bay / Brisbane / 2 N�chte in „dem“ Horror Hostel
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 20:58

Nachdem auch unsere letzten Hoffnungen auf einen Job in Sydney geplatzt waren und wir so ziemlich alle Möglichkeiten der Jobsuche ausgeschöpft hatten, beschlossen wir die Stadt zu verlassen. Da wir uns vorgenommen hatten, die gesamte Ostküste entlang zu reisen, stand bereits nach wenigen Minuten der Überlegung fest, dass unser nächstes Ziel Byron Bay sein würde. Wir wussten zwar nicht, wie groß dieser Ort ist oder ob unsere Chancen auf einen Job dort besser sein würden, waren aber dennoch frohen Mutes und guter Hoffnung.

Um die Weiterreise so günstig wie möglich zu gestalten, erkundigten wir uns im Voraus über Bus- und Bahnpreise, um diese dann vergleichen zu können. Wir suchten dazu das Travelcenter bzw. den Bahnhof Sydneys sowie eine „Wicked Travel“ Filiale auf. „Wicked Travel“ ist eine der unzähligen Reiseberatungsstellen / ein Reisebüro für Backpacker. Anders als erwartet war der Preis für die Zugfahrt um einiges günstiger als der für die Busreise. Als wir uns jedoch am nächsten Tag erneut auf den Weg zum Bahnhof machten, um ein Zugticket zu buchen, hatte sich der Preis bereits erhöht und wir bekamen die kleine aber dennoch sehr entscheidende Information, dass wir zwei mal umsteigen müssten um unser Ziel zu erreichen. Auch die Lage des Bahnhofs am Zielort war eher unvorteilhaft: Wir wären in einem Nachbarort angekommen und hätten dort erneut in einen Bus oder ein Taxi umsteigen müssen. Da durch die plötzliche und unerwartete Preiserhöhung über Nacht der Zugpreis nun über dem Buspreis lag und wir auch sonst mit den Reisebedingungen nicht so zufrieden waren, beschlossen wir nun doch per Bus zu reisen. Bei „Wicked Travel“ angekommen, wurde uns jedoch auch hier ein völlig anderer Preis als am Tag zuvor mitgeteilt. Dennoch war dieser immer noch der geringere und somit buchten wir für 81 aus $ ein Busticket für den „Premier Motor Service“ (ein etwas kleinerer Busbetrieb, der ausschließlich die Ostküste entlang fährt und für diese Strecken meist auch günstiger ist als der „Greyhound Bus“).

Mehr als glücklich über die bevorstehende Veränderung und neuer Hoffnung auf einen Job packten wir unsere Sachen zusammen. Bereits am nächsten Tag checkten wir aus unserem Hostel aus. Da wir uns für den Abendbus um 22.30 Uhr entschieden hatten, um eine Nacht im Hostel zu sparen, mussten wir den letzten Tag ohne Zimmer überstehen.

Leider war der Luggageroom (Gepäckraum) in diesem Hostel kostenpflichtig und somit mussten wir anfangs all unsere Sachen mit uns tragen. Als wir dann ein Pärchen mit dem Magic Stick (interne Bezeichnung für den langen Stab, an dem der Schlüssel zum Gepäckraum hängt) auf dem Weg zum Luggageroom sahen, folgten wir ihnen jedoch unauffällig und nutzten die Chance unsere Rucksäcke und Taschen dort unterzubringen.

Zu unserem Abschied wurden wir dann von einem der Mitarbeiter des Hostels zum Frühstücken eingeladen. Was wir dabei allerdings nicht wussten, war dass wir in ein typisch britisches Restaurant gehen würden. Voller Vorfreude auf ein ausgiebiges Frühstück gingen wir also los. Im Restaurant angekommen sicherte ich uns einen Tisch am Fenster, während meine Freundin und unsere Bekanntschaft die Bestellung an der Bar aufgaben. Nichts ahnend saß ich also an diesem Tisch und war sehr verwundert als meine Freundin plötzlich mit einem Teller ankam, auf dem ich weit und breit weder Brötchen noch Marmelade finden konnte. Stattdessen schmiegten sich fetttriefend Spiegelei, Bacon und mini Würstchen aneinander. Da meine Freundin jedoch nur mit zwei Tellern ankam erwartete ich immer noch naiver und gutmütiger Weise ein anderes Frühstücksmeal zu bekommen. Leider war dem nicht so. Das Frühstück, auf das wir uns so gefreut hatten wurde zu einer Tortur. Da meine Freundin zuvor erzählt hatte, dass ich ein kleiner Nimmersatt sei konnte ich mich auch nicht auf die Ausrede: „Ich bin soooo satt“, verlassen. Ich war also mehr oder weniger gezwungen den noch rosa glänzenden Bacon, sowie das glibberig zerlaufene Spiegelei und das kleine und nahezu verbrannte Würstchen zu essen. Nach drei Stunden hatten wir es dann endlich auch geschafft, unsere mittlerweile auch noch kalten Speisen herunter zu schlingen. Trotz allem bedankten wir uns vielfach für die Einladung zum Frühstück und machten uns mit einer sich ankündigenden Magenverstimmung zurück auf den Weg ins Hostel.

Anders als alle anderen Tage in Sydney wollte dieser Tag leider einfach nicht verstreichen. Draußen regnete es und wir beschlossen uns in die Fernsehecke zu legen um ein wenig zu schlafen. Dies war keine wirklich gute Idee, da ich bereits nach wenigen Minuten von zwei Gruppen von Lebewesen umzingelt war: Die eine Gruppe bestand aus sich laut unterhaltenden Briten. Dies wäre ja noch erträglich gewesen, aber bei der anderen Gruppe handelte es sich um eine Großfamilie von Küchenschaben auf Familienausflug, und damit waren Ruhe und Gemütlichkeit vorbei. Angeekelt und abgenervt warteten wir bis zu unserer Abreise, immer auf der Hut vor den Mitbewohnern. Netterweise begleitete uns einer unserer Bekannten zum Busbahnhof und verabschiedete uns.

Im Bus fanden wir uns dann zwischen Indern und Öko- Backpackern wieder. Die Fahrt war jedoch kein Problem, wir hatten viel Beinfreiheit und konnten somit sogar einige Stunden schlafen. Neun Stunden später erreichten wir kurz nach Sonnenaufgang eine kleine Raststätte. Nachdem wir einen eher schlechten Kaffe getrunken, das Klo aufgesucht und uns die Beine vertreten hatten ging es auch schon weiter. Nach zwei weiteren Stunden waren wir dann endlich da. Wir stiegen aus dem Bus aus und ignorierten dummerweise die unzähligen Shuttelbusfahrer der jeweiligen Hostels und machten uns somit zu Fuß auf den Weg.

Dennoch schafften auch wir es bereits innerhalb weniger Minuten zu unserem Hostel zu finden, da der Ort sehr klein ist und das Hostel sehr nah an der Bushaltestelle liegt. Unser Hostel hieß „Main Beach Backpackers“, lag mehr oder weniger direkt am Strand und war dennoch sehr zentral gelegen. Weniger gut als die Lage war dann jedoch das Zimmer in das wir einzogen. Wir hievten unsere Koffer in den ersten Stock und öffneten die Tür zu einem dunklen, kleinen 8-Bett-Zimmer. Schränke hatten wir leider keine und auch das Erklimmen des Bettes wurde zu einer wahren Herausforderung, da die Leiter anstelle von Stufen nahezu messerscharfe, schmale Stäbe hatte und zudem aus der Verankerung am Bett gerissen war.

Unsere Zimmergenossen setzten sich aus zwei doch eher gefährlich aussehenden Kampfdäninnen, einer Amerikanerin, einer Hippie-Chinesin und zwei mehr als entspannten Deutschen zusammen. Nachdem wir unsere Sachen so gut wie möglich verstaut hatten, ein paar Worte mit den Bettnachbarn, die sich immer noch übermüdet und versoffen in ihren Betten wälzten, gewechselt hatten, machten wir uns auf zu den Duschen. Die Suche nach den sanitären Anlagen / den Duschen wurde durch den doch sehr penetranten Uringeruch, der uns bereits Kilometer vorher entgegenströmte erleichtert. Auch sonst wurde das Duschen eher weniger zum Vergnügen, da die Duschen draußen gelegen waren, kein warmes Wasser hatten, viel zu niedrig angebracht und zu allem Überfluss auch noch total verdreckt waren. Bei einem Übernachtungspreis von 25 aus $ pro Person in einem überfüllten 8-Bett-Zimmer war dies geradezu eine Unverschämtheit.

Nichts desto trotz waren wir noch immer guten Mutes und machten uns auf den Weg, um Ort und Strand zu erkunden. Unsere Erkundungstour war jedoch bereits nach einer Stunde getan und uns war klar, dass wir in diesem kleinen Urlaubsort nicht nach einem Job zu suchen brauchen. Insgesamt wirkte alles eher etwas amerikanisch angehaucht (breite Straßen, kleine Läden) und verströmte das Flair eines sehr entspannten Urlaubsortes.

Ich persönlich war von allem sehr angetan, während meine Freundin auch durch den atemberaubenden Strand leider nicht zu begeistern war.

Der Strand: Das sind ca. 30 km feinster weißer Sand, der beim Laufen unter den Füßen quietscht, blaues Wasser und surferfreundliche Wellen. Einfach traumhaft! Auch der in Strandnähe gelegene, kleine Wanderweg zum Leuchtturm, von dem aus man mit etwas Glück (wir hatten leider keines) sogar Delfine sehen kann, ist wirklich empfehlenswert. Uns wurde dazu auch erzählt, dass es auf dem Wanderweg einen Punkt gibt, der als der östlichste Punkt Australiens gilt.

Ebenso erfuhren wir von einigen Leuten, dass Byron Bay als ein typischer Hippie-Ort Australiens gilt, wovon wir uns auch später am Abend selber ein Bild machen konnten.

Als wir uns nämlich am Abend auf den Weg zu den Telefonzellen machten, um unseren Familien von den Neuheiten zu berichten, sahen wir unzählige Öko-Leute bzw. Anhänger der alten Hippie-Kultur, die sich zum Musizieren und heiterem Beisammensein auf den Bürgersteigen trafen. Wir vermuteten allerdings, dass diese ebenso wie wir keine Einwohner des Ortes, sondern nur Besucher waren, die wohlmöglich in der Arts-Factory (ein Hippie-Hostel, in dem Übernachtungen im Tippie- Zelt, Kunstkurse etc. angeboten werden) wohnen.

Nachdem wir unsere Familien auf den neuesten Stand gebracht hatten, gingen wir schlafen und verbrachten eine sehr unruhige erste Nacht in Byron Bay. Die Partylaune unserer Mitbewohner hatte sich leider nicht auf uns übertragen, so dass wir einfach nur angenervt waren von dem besoffenen Rumgetorkel durch unser Zimmer. Als ich dann am nächsten Morgen, geprägt von der schlaflosen Nacht auch noch vom Hochbett fiel, weil die Leiter sich während des Hinunterkletterns mal wieder aus der Verankerung löste, war meine Laune schon so ziemlich auf dem Nullpunkt angekommen.

Beim Frühstück stand mir dann auch leider noch das Krisengespräch mit meiner Freundin bevor. Ich hatte bemerkt, dass sie sich mehr als unwohl fühlte und wollte eine Lösung finden. Die Lösung lautete: Weiterreisen! Zwar war ich von dem Ort, der entspannten Stimmung und dem Strand wirklich begeistert, wusste aber auch, dass wir hier keinen Job finden würden und das Hostel nicht nur teuer, sondern auch schlecht war. Hinzu kam die Befürchtung, so wie viele andere Backpacker in Byron Bay in das Chill-Koma zu verfallen, d.h. die Tage entspannt am Strand oder im Bett zu verbringen und alles Andere, inkl. Jobsuche, einfach mal zu vergessen. Also machten wir uns wenige Stunden später auf den Weg und buchten ein Busticket zum Preis von 29 aus $ in die nächstgelegene größere Stadt, nämlich Brisbane.

An unserem letzten Abend trafen wir auf eine unserer Bekanntschaften, die mit zwei Jungs in einem Camper mitgefahren war und nun auch hier gelandet war. Wir beschlossen, uns billigen Alkohol (mal wieder: Goon) zu kaufen und uns auf der Dachterrasse ein paar Gläschen zu gönnen. Der Geschmack dieses Billig-Fusels ist, wie schon einmal bemerkt, nicht unangenehm. Weniger angenehm waren die hämmernden Kopfschmerzen, die sich bereits während der Trinkphase bemerkbar machten aber erst später, in der schlaflosen, von Schweißausbrüchen gekrönten Nacht, ihren Höhepunkt erreichten.

Am nächsten Morgen, dem Tag der Weiterreise, ging es mir dann glücklicherweise wieder gut, so dass die drei Stunden Fahrt nach Brisbane recht angenehm waren. Auch auf dieser vergleichsweise kurzen Strecke wurden in regelmäßigen Abständen Pausen an einem Roadhouse eingelegt, in denen die Möglichkeit bestand, auf die Toilette zu gehen und etwas zu essen oder zu trinken. Denn Essen und Trinken ist auf allen Busfahrten strengstens untersagt.

Auf unserem Weg durchquerten wir das allseits viel gepriesene und hoch gelobte Surfers Paradise und waren mehr als enttäuscht. Weder knackige Surfer-Boys noch schicke Strandhütten, stattdessen endlos hohe Hotelgebäude mit dem unwiderstehlichen Charme von billigen Massenunterkünften. Wie Benidorm, nur eben in Australien.

Kurze Zeit später erreichten wir dann Brisbane. Unser erster Gedanke war: Grässlich hässlich. Und dieser Ersteindruck sollte sich im weiteren Verlauf des Tages noch festigen.

Das Hostel, das wir bereits in Byron Bay gebucht hatten, hatte leider keinen Shuttelservice und somit mussten wir uns mit Sack und Pack zu Fuß auf den Weg machen. Wieder einmal irrten wir planlos durch eine fremde Stadt und mussten feststellen, dass die Entfernung weiter war als gedacht.

Nach mehrmaligem bergauf und bergab erreichten wir die Zielstraße, konnten aber weit und breit kein Hostel finden. Wir suchten noch 10 weitere Minuten und stellten dann fest, dass wir seit geraumer Zeit direkt vor der gesuchten Hausnummer standen. Es war kein Wunder, dass wir diese übersehen hatten, denn statt eines Hostels fanden wir ein kleines Familienhaus in einem ziemlich abgerissenen Zustand vor. Die Hausnummer war auf ein altes, zerfetztes Pappschild geschrieben und auch sonst konnten wir die im Internet präsentierte Außenansicht unserer Bleibe beim besten Willen nicht erkennen. Trotz dieses ersten Schocks hatten wir bis zu diesem Punkt noch die unsinnige Hoffnung auf ein gemütliches, sauberes Zimmer. Wir gingen zum Eingang und entdeckten einen dicken Mann, der es sich in einem alten Sessel gemütlich gemacht hatte und schlief. Leise schlichen wir an ihm vorbei auf der Suche nach einer Rezeption oder ähnlichem.

In einem kleinen, vermüllten Zimmer entdeckten wir eine asiatische Frau, die hinter einem Berg von Papierkram hervorlugte. Wir fragten sie, ob es möglich sei einzuchecken als plötzlich der eben noch schlafende Mann erschien und uns den zu zahlenden Preis für die gebuchten zwei Nächte nannte.

Wenig später wurden wir mit Schlüssel und Bettbezug ins Obergeschoss geschickt. Dies stellte bereits das erste Problem dar, da die Treppe derart schmal und steil war, dass wir nur schwer mit unseren Taschen hinauf kamen. Nun standen wir endlich vor unserer Zimmertür. Eine riesige Tür mit einer kinderfreundlich angebrachten Türklinke in Kniehöhe. Ich schloss die Tür auf und zugleich strömte uns ein unsäglicher Geruch von chinesischem Knoblauch entgegen. „Na ja, wenigsten gibt es hier keine Vampire“, schoss mir durch den Kopf als wir vorsichtig das Zimmer inspizierten. Das Zimmer war klein, dunkel und mehr oder weniger improvisiert. Es wirkte, als würden wir in einem ehemaligen Durchgang oder Flur liegen, da hinter uns, vor uns und neben uns verschlossene Türen waren. Vollkommen erschöpft und niedergeschlagen von diesem Anblick und den ersten Eindrücken unserer Bleibe machten wir uns auf die Suche nach der Quelle des Knoblauchgestanks und fanden in einer Ecke einen überdimensionierten, glänzenden Kochtopf, in dem sich ein Kind hätte verstecken können. Mutig wie wir nun einmal sind öffneten wir den Topf und hatten die Quelle des Gestankes gefunden: Wir konnten es nicht glauben, unfassbar, unsere Zimmergenossen hatten tatsächlich einen großen Topf mit Eintopf chinesischer Art in unserem Zimmer gebunkert!

Kurze Zeit später stürzten die beiden Mitbewohner dann auch in unser Zimmer. Sie waren, wer hätte es gedacht, ebenso wie alle anderen Hostelgäste, Chinesen. Wir versuchten uns mit ihnen auf Englisch zu unterhalten, ihnen klar zu machen, dass sie den Topf doch bitte woanders lagern sollten, aber mal wieder konnten oder wollten sie uns nicht verstehen. Wir beschlossen daraufhin, uns ein wenig in diesem Haus des Grauens umzusehen.

Unser erster Anlaufpunkt war das Bad bzw. der vermoderte Tümpel in dem wir uns waschen sollten. Ein altes, dreckiges, feuchtes, modriges und schimmliges Bad lag vor uns. Es war keines der typischen Hostelbäder, in denen man mehrere Duschen findet, die täglich von einer Putzkolonne gereinigt werden, sondern ein Bad wie man es aus einem Familienhaus kennt, jedoch in einer verdreckten und verwahrlosten Form. Von diesen Badezimmern gab es exakt zwei ebenso wie von den Toiletten, die zwar separat, jedoch nicht weniger alt und verdreckt waren.

Im Untergeschoss fanden wir dann die Küche. Auch diese war klein wie in einem Einfamilien Haus und wie bereits befürchtet ebenfalls total verdreckt. Wir konnten keine Sitzmöglichkeiten finden und gingen deshalb in einen garagenähnlichen Bereich weiter, der wohl das Esszimmer darstellen sollte. Tatsächlich, hier standen ein paar alte Schreibtisch- und Gartenstühle an einem Küchentisch, der jedoch so verdreckt war, dass eine ganze Familie von den dort liegenden Essensresten satt geworden wäre. Das Ergebnis dieser Besichtigungstour waren zwei eindeutige Entscheidungen: 1. Auswärts essen und 2. so schnell wie möglich wieder ausziehen. So machten wir uns auf den Weg in die Stadt und mussten dabei feststellen, dass das Hostel alles andere als zentral lag.

Am späten Abend kamen wir zurück in das zum Hostel umfunktionierte Familienhaus. Um uns nicht noch diverse Hautkrankheiten und Pilze einzufangen, bemühten wir uns, das Bad mit nur minimalen Berührungen zu benutzen. Das funktioniert auch ganz gut, leider wurde ich dabei selbst berührt, und zwar von etwas ganz anderem als einem Wasserhahn oder ähnlichem: Auf meiner Hand platzierte sich während ich mir das Gesicht wusch eine dicke, fette Kakerlake. Jetzt war ich endgültig am Boden. Ekel, Ekel und noch mal Ekel machte sich in mir breit.

Ich legte mich völlig angewidert in mein Bett und bemühte mich, so schnell wie möglich einzuschlafen, um nichts mehr von der Umgebung, in der ich mich befand mitzubekommen. Leider war dies nicht möglich, da vor unserem Zimmer eine kleine Chinesische Hausparty gefeiert wurde und der komplette Raum bei jedem Schritt, der vor der Tür gemacht wurde, bebte.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Bad und wurden von einer ewig langen Schlange von Asiaten überrascht. Wir beschlossen auf unserem Zimmer zu warten und sahen nach drei Stunden des Wartens ein, dass wir wohl auf unsere Dusche verzichten mussten. Wir gingen also bereits schlecht gelaunt zum Frühstück in die Küche. Auf alten, zerfressenen Schreibtischstühlen an dem immer noch dreckigen, mit Zigarettenkippen verzierten Tisch sitzend, kauten wir missmutig unser Toast. Gute Laune kam unter diesen Umständen gar nicht erst auf und entschlossen uns, den Tag in der Stadt zu verbringen.

Nach der Rückkehr am Abend beschlossen wir trotz der eigentlich unhaltbaren hygienischen Situation in der Küche eine Suppe zu kochen. Es war bereits 21.00 Uhr und wir wurden von dem alten, dicken Hausbesitzer alles andere als freundlich darauf hingewiesen, dass er um Punkt 22.00 Uhr die Küche abschließen würde und wir nun gar nicht mehr mit dem Kochen beginnen sollten. Wir reagierten nach dem Prinzip: „Eine Minute dumm stellen erspart Arbeit und Ärger“, und gingen dennoch in die Küche. Da war er! Der glänzende, kindergroße Kochtopf. Er stand auf der Herdplatte und immer wieder kamen irgendwelche Asiaten und schöpften sich etwas in ihre Schalen. Eine Prozedur, die sich dann am nächsten Morgen wiederholen sollte. Wir haben nicht herausgefunden, was für ein Gemisch sich in dem Topf befunden hat, es war in jedem Fall undefinierbar und eindeutig ekelig, aber offensichtlich nicht gefährlich, denn Lebensmittelvergiftungen hat es unter den asiatischen Mitbewohnern während unseres Aufenthaltes nicht gegeben.

Wir waren mehr als glücklich als wir nach zwei Tagen dieses Haus, das übrigens den klangvollen und völlig irreführenden Namen „Valley Veranda“ führt, verlassen konnten. Es war zwar vergleichsweise günstig, aber auch ein Preis von 24 aus $ pro Nacht in einem Vier-Bett-Zimmer war für diese Horror-Unterkunft zu viel.

Auch noch Tage später fragten wir uns, was diesen alten, dicken Mann wohl dazu getrieben hatte sein eigenes Haus zu einem derart schlechten und improvisierten Hostel umzufunktionieren.

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Jobsuche die 2. / Gro�einkauf
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 13:53
Mittlerweile waren bereits 20 Tage vergangen und wir hockten immer noch ohne Job in Sydney herum. So langsam legte sich die anfängliche Aufregung, der Entdeckergeist war in kleinen Schritten verschwunden und einer kleinen Depression gewichen. Kein Job, immer wieder Regen, Kälte, das Großstadtgetümmel, die unzähligen Asiaten; irgendwie hatten wir von all dem die Nase voll. Da es in der Stadt mit dem Job nicht klappte und uns auch sonst mehr nach einem ruhigeren Vorort zu Mute war, fuhren wir mit dem Zug nach Newtown.

Newtown ist ein kleiner Vorort von Sydney und mit dem Zug für ca. 3,50 aus $ zu erreichen. Bei unserer Jobsuche, die bislang größtenteils aus dem Verteilen unserer Lebensläufe bestand, hatten wir von einer Verkäuferin den “Geheimtipp” bekommen nach Newtown zu fahren. Dort sollten uns sehr viele Restaurants und Cafes erwarten, die vorzugsweise Backpacker aufgrund ihrer Flexibilität einstellen. Diese Chance wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und somit machten wir uns mit 20-fach ausgedruckten Lebensläufen auf den Weg. In Newtown angekommen war die Enttäuschung groß, denn der Ort war wie ausgestorben und besteht aus abgerissenen Alternativläden, Piercingstudios und leeren oder geschlossenen Cafes. Wir erkundigten uns bei einigen Passanten, ob dies die einzigen Einkaufsmöglichkeiten seien und wurden dabei zu einem Einkaufszentrum geschickt. Die Rede war von einem etwas kleineren Shopping-Center in Richtung Nirgendwo und einem etwas größeren in Richtung Sydney Stadt.

Wir beschlossen als erstes das kleinere Einkaufszentrum aufzusuchen und wurden nach 50 Minuten Fußmarsch auch endlich fündig. Das Einkaufszentrum ließ in uns neue Hoffnungen aufkommen und motivierte uns, in beinahe jeden Laden zu gehen und nach Arbeit zu fragen. Die meisten Shopkeeper nahmen unsere Lebensläufe auch mit positiven Kommentaren entgegen und versprachen sich umgehend bei uns zu melden, jedoch waren uns diese Floskeln und Abläufe bereits aus Sydney City bekannt. Während wir uns also einmal wieder mehr oder weniger erfolglos bei allen möglichen Geschäften bewarben, entdeckten wir einen Aldi Markt. Das große gelbe Schild mit dem blauen A ließ gleich ein sehr heimisches Gefühl in uns aufleben und wir beschlossen einen kleinen Lebensmitteleinkauf zu starten.

Aus diesem “kleinen” Einkauf resultierte dann eine größere Anzahl an Tüten, gefüllt mit Getränken, Schokolade, Früchten und was der Mensch sonst noch so braucht zum Glücklichsein. Nicht nur die Preise waren für australische Verhältnisse verführerisch günstig. Auch die Brotauswahl war bestechend gut, denn anders als bei Coles, Woolworth und Co. gab es hier das echte, gute Pumpernickel Schwarzbrot und das heimische Graubrot anstelle von zig verschiedenen Toastsorten.

Gut beladen und einige Dollar ärmer verließen wir das Einkaufszentrum und wollten nun trotz schwerer Ladung auch noch das zweite Shoppingcenter in Richtung Stadt aufsuchen. Leider sollte sich dies mal wieder schwieriger gestalten als erwartet. Um die Tüten nicht ganz so weit tragen zu müssen, beschlossen wir den Einkaufswagen noch ein Stück als Kleintransporter zu nutzen und dann in der Nähe der Bushaltestelle zu parken. Gesagt, getan. Wir packten unsere Bewerbungsmappe und unsere Einkäufe in den Einkaufswagen und schoben ihn bis zur nächsten Einkaufswagenstelle. Von hier aus waren es nur noch wenige Gehminuten bis zur nächsten Bushaltestelle. Trotz zunehmender Ebbe im Geldbeutel wollten wir uns ein Busticket zum nächsten Einkaufszentrum gönnen.

Nachdem wir einen passenden Bus gefunden, das Ticket gekauft und schon drei Haltestellen mit dem Bus gefahren waren, mussten wir feststellen, dass unsere Bewerbungsmappe verschwunden war. Wir durchsuchten noch einmal unsere Einkaufstüten, aber sie war nicht mehr aufzufinden. Uns dämmerte, dass wir die Mappe im Einkaufswagen hatten liegen lassen. Da sich in der Mappe nicht nur unsere kompletten Bewerbungsunterlagen, sondern auch ein paar Bankunterlagen meiner Freundin befanden, stiegen wir an der nächsten Haltestelle aus um schnellst möglich zum Einkaufswagen zurück zu kommen. Wir beschlossen, es sei logischer wenn wir nicht in ein weiteres Busticket investieren würden und nur einer von uns zurücklaufen würde während der andere mit den Einkäufen auf einer Bank wartet.

Da mich zu diesem Zeitpunkt noch eine bittere Erkältung plagte, opferte sich meine Freundin den Weg noch einmal zurückzulegen. Glück im Unglück: Nach 40 Minuten war sie mit der Mappe unter dem Arm zurück. Mittlerweile war allerdings unser Busticket wieder verfallen und wir wollten in kein neues investieren. Somit machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum nächsten Einkaufszentrum. Langsam wurde es dunkel und als auch nach drei Stunden Fußmarsch statt eines Einkaufszentrums die großen Tower der Innenstadt Sydneys in Sichtweite waren, wurde uns klar, dass das Einkaufszentrum nirgendwo anders als direkt in Sydneys Innenstadt sein musste. Wir waren also den ganzen Weg, den wir zuvor mit einer viertelstündigen Zugfahrt zurückgelegt hatten zu Fuß gegangen! Verschwitz, über die eigene Dämlichkeit verärgert und mit nahezu wunden Händen erreichten wir dann endlich das Einkaufszentrum und konnte noch gerade ein paar unserer Bewerbungen abgeben. Das wohl Ärgerlichste an dieser ganzen Aktion war unsere Dummheit und die Tatsache, dass wir nie wieder etwas von nur einem dieser Läden gehört haben.

Zwei Tage später beschlossen wir die Jobsuche nun etwas anders anzugehen. Wir begaben uns in eines der zahlreichen Internet Cafes und buchten uns für zwei Stunden ein. Wir besuchten Seiten wie Gumtree.com.au, jobseeker.com, seek.com, jobsjobsjobs.com, carrrierone.com und noch ein paar andere die wir uns per Google heraus gesucht hatten. Tatsächlich wurden wir auch auf all diesen Seiten Jobs angeboten. Allerdings waren die Angebote teilweise sehr unübersichtlich, ohne Kontaktnummer oder ohne nähere Beschreibung. Dennoch suchten wir uns einige Jobs raus und bewarben uns als Cleaner, Waitress, Cashier und für noch einige andere Stellen. Leider bekamen wir auch auf diese Bewerbungen wieder einmal keine Antworten. Also alles für die Katz…

Wenige Tage später versuchten wir dann noch einmal unser Glück bei einigen Jobagenturen, die wir uns im Internet unter Yellowpages.com.au rausgesucht hatten. Wir beschlossen diesmal zuerst anzurufen bevor wir wieder einmal die Suche und den Weg auf uns nehmen, um dann zu guter Letzt von irgendeiner gelangweilten, Kuchen mampfenden Tusse wieder weggeschickt zu werden. Leider mussten wir auch dieses Mal wieder Abfuhren einkassieren: Die eine Agentur war auf IT-Bereiche spezialisiert, die Andere war zu dem Zeitpunkt angeblich total überlastet mit Clienten und die nächsten Agenturen waren entweder nicht für den Stadtteil zuständig, verwiesen uns auf irgendeine Internetpräsenz oder hatten schlichtweg keine Jobs, die in unser Profil passen würden. Fazit: Wieder einmal war unsere Jobsuche fehlgeschlagen.

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Party am Darling Harbour / Bondi Beach / vor verschlossener T�r
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 11:29
Nachdem unsere ersten, sehr ausgiebigen Versuche einen Job in Sydney zu finden gescheitert waren, fanden wir, es sei mal wieder an der Zeit, das Nachtleben unsicher zu machen. Dieses Mal wollten wir jedoch nicht wieder Teil eines mit Backpackern vollgestopften Ladens sein, in dem es nahezu schon zur Tagesordnung gehört, dass sich irgendein betrunkener Kerl auf der Tanzfläche seiner Kleidung entledigt.

Wir beschlossen also an diesem Samstag Abend den Darling Harbour und einen der unzähligen Clubs an der Promenade zu besuchen. Somit machten wir uns zu fünft auf den Weg zum „Cargo“. Das „Cargo“ ist ein etwas schickerer und nahezu backpackerfreier Club. Der Eintritt ist kostenlos und die Musik ist für jeden Houseliebhaber ein wahrer Genuss. Bereits auf unserem Weg wurde uns klar, dass hier im Gegensatz zu den typischen Backpackerläden eine etwas andere Kleidungsnorm herrscht. Während die Leute im „Gaff“ und in der „Scubar“ eher leger bis nahezu geschmacklos gekleidet in Badelatschen, alten und kaputten Klamotten oder irgendwelchen hirnrissigen Verkleidungen zu sehen waren, kamen uns bereits auf der Promenade des Darling Harbours unzählige Leute in Anzug und Kleid entgegen. Diesmal waren also wir die Backpacker die sich, mehr oder weniger leger gekleidet, versuchen unters Partyvolk zu mischen.

Im „Cargo“ angekommen beschlossen wir erst einmal etwas zu trinken. Wir bestellten ein Bier und einen Wodka Energy und mussten für diese beiden Getränke leider stolze 25 aus $ zahlen. Was wir am Eintritt gespart hatten, mussten wir nun in die Getränke zahlen. Nachdem wir diesen Schock überwunden hatten, beschlossen wir nichts desto trotz den Dancefloor zu stürmen und den Abend zu genießen. Jedoch sollte sich dies schwerer gestalten als erwartet. Zum Einen war die Musik derart abwechslungslos, sodass selbst wir etwas angenervt waren und zum Anderen waren auch hier einige Kerle zu finden, die den Discobesuch scheinbar mit einem Jagdrevier oder einem Besuch an der Frischfleischtheke verwechselten. Somit waren Sprüche wie: „Ich habe übrigens eine eigene Wohnung, die kannst du dir gerne jetzt mit mir angucken gehen”, oder ewiges Anstarren gefolgt von Verfolgungsjagden wieder einmal die Norm. Unerwarteter Weise waren jedoch auch immer wieder willige weiblich Opfer zu sehen, die sich scheinbar durch diese “intelligenten und charmanten” Annmachsprüche weichklopfen ließen.

Einige Stunden später und einige Dollar ärmer beschlossen wir wieder zurück zum Hostel zu gehen. Auf unserem Rückweg bekam meine Freundin jedoch noch eine SMS von einer sehr netten (männlichen) Partybekanntschaft aus Schweden. Wir beschlossen seiner Einladung ins „Ivy“ (ein weiterer Club in der George Street) zu folgen. Wenige Minuten später standen wir auch schon vor den Toren dieses Clubs. Wir zwei in Jeans und vor uns eine endlos lange Schlange von Mädels in schicken Kleidern.

Wir sahen uns schon eingefroren die nächsten Stunden vor statt in dem Club verbringen als plötzlich ein junger Herr in etwas zu eng geratener schwarzer Hose (die scheinen hier der absolute Trend zu sein) auf uns zu kam und uns fragte, ob wir Lust hätten in den V.I.P. Bereich zu gehen. Wir überlegten nicht lange und sahen uns kurze Zeit später an der endlosen Schlange vorbeilaufen und mit einem Fahrstuhl ins Obergeschoss fahren. Dort angekommen fanden wir einen sehr gemütlichen Loungebereich mit Blick von oben auf die Tanzfläche vor. Alles war in einem eher antiken Stil eingerichtet.

Wie vereinbart trafen wir uns dann auch mit dem schwedischen jungen Herren, der rein “zufällig” einen recht gutaussehenden Freund mitgebracht hatte, der sich auch gleich zu mir setzte. Die Unterhaltung sollte jedoch nicht länger als ein paar Minuten andauern, da wir es aufgrund unserer zu dem Zeitpunkt noch recht bescheidenen Sprachkenntnisse mehr oder weniger versauten: Auf die einen Fragen antworteten wir nur sehr wortkarg mit einem ja oder nein und auf andere mit eher unangebrachten bzw. missverständlichen Antworten. Wir waren der Situation, uns mit einem gut aussehenden, netten Typen mit totalem Akzent in einem von Musik übertönten Club auf englisch zu unterhalten einfach noch nicht gewachsen. Somit waren wir die beiden schneller wieder los als uns eigentlich lieb war.

Mehr oder weniger enttäuscht und etwas verärgert über die eigene Dummheit suchten wir die Tanzfläche im Untergeschoss auf. Diese war in einer Art Garten untergebracht und somit draußen. Im Gegensatz zu den unzähligen Britinnen, die sich in ihren Minikleidchen ohne auch nur eine Spur von Gänsehaut präsentierten, fröstelten wir bei den geschätzten 7 grad in unseren Jeans und Lederjacken.

Am Montag beschlossen wir aufgrund des sonnigen Wetters zum Bondi Beach zu fahren. Nach endlos langem Suchen nach dem richtigen Bus, kauften wir uns schließlich ein Busticket zum Preis von 6 aus $ (Rückfahrt mit inbegriffen) und warteten im Bus darauf das Meer zu sehen. Endlich war es da… : das Meer! Voller Freude wanderten wir ein wenig am Wasser entlang und schossen die ersten Strandbilder. Nach einer Weile fuhren wir weiter zum Cooge Beach, da sich hier gelegentlich Wale blicken lassen. Zumindest hatten uns Freunde davon berichtet und als Beweis sogar ein paar Fotos zeigen können. Leider wanderten und warteten wir vergebens und auch nach mehreren Stunden war noch kein Wal zu sehen. Bis auf ein paar vereinzelte Surfer, denen die Kälte scheinbar nichts ausmachte, konnten wir an diesem Tag keine weiteren Lebewesen im Meer sehen. Dennoch waren wir nach unserem kleinen Ausflug aus dem Getümmel der Stadt an den Strand glücklich und erholt.

Am darauf folgenden Tag schüttete es mal wieder aus Eimern, und wir beschlossen, am Abend einem Bekannten, der schon seit einer Weile in Sydney lebt, ins Kino zu folgen. Er und seine Freunde hatten die Karten schon gekauft und somit war es keine Frage mehr, in welchen Film wir gehen würden. Überraschenderweise waren wir von der Wahl des Filmes sehr begeistert und auch der Preis war für unser doch sehr begrenztes Budget verkraftbar. Da wir an einem Dienstag ins Kino gegangen waren, mussten wir statt der üblichen 15 aus $ nur 9 Dollar zahlen, da in dem Kino in der George Street Kinotag war. Der Film hieß “Taken” und war mehr oder weniger actionreich, hatte dennoch eine sehr reale Handlung (Frauenhandel). Uns allen hat der Film sehr gut gefallen und wir würden ihn sogar weiterempfehlen.

Nach diesem so gelungenen Kinoabend machten wir uns frohen Mutes auf den Rückweg zum Hostel. Vor unserer Zimmertür angekommen erwartete uns jedoch mal wieder eine etwas weniger erfreuliche Überraschung. Der Schlüssel, der all die Tage zuvor so wunderbar ins Schloss gepasst hatte, wollte dieses Mal einfach nicht die Tür öffnen. Auch nach mehrmaligen Versuchen keine Chance. Nichts Gutes ahnend begaben wir uns zum Fahrstuhl, um an der Rezeption um Hilfe zu fragen. Plötzlich kam ein chinesischer junger Herr auf uns zu und sagte nur soviel wie “room broken”. Auch auf unsere Fragen hin, ob er das Schloss meint oder ob er meint, dass eingebrochen worden sei bekamen wir keine anderen Antworten.

Wir vermuteten das Schlimmste, z.B.: Jemand war in unser Zimmer eingebrochen und hatte all unsere Sachen mitgehen lassen. Aber alles halb so wild, denn an der Rezeption teilte uns einer der Mitarbeiter mit, dass eine Neuangereiste, die zu uns auf das Zimmer kommen sollte, beim Öffnen der Tür den Schlüssel abgebrochen hatte und dieser nun zur Hälfte noch im Schloss steckte. Ein Öffnen der Tür war also nicht möglich, das Zimmer blieb für uns verschlossen.

Die ersten Sekunden der Freude über die Tatsache, dass nicht eingebrochen wurde, wechselte nun in Verzweiflung und Wut. Als der Mitarbeiter des Hostels uns dann auch noch in einem Nebensatz mitteilte, dass wir vor Mittag des nächsten Tages nicht in das Zimmer kommen würden, da es nicht möglich sei um diese Zeit noch einen Schlüsseldienst zu rufen, war unsere gute Laune endgültig verschwunden. Die Tatsache, dass Schlafsachen, Waschzeug, Zahnbürste und Medikamente sich nun unter Verschluss befanden, stimmte uns zusehends wütender, so dass uns auch auf das “freundliche” Angebot, die Nacht in einem 6 Bett Zimmer zu verbringen, nicht wirklich aufheiterte.

Zu unserem Glück hatte der Mitarbeiter Erbarmen und versuchte mit diversen Aktionen die Tür zu öffnen. Wenig erfolgreich war die Variante „Actionfilm“, d.h. mit brutaler Gewalt gegen die Tür anrennen. Als nächste Variante folgte „Agententhriller“, d.h. mit allerlei filigranen Hilfsmitteln wie Kugelschreiber, Pinzette und Zirkel sollte das Schloss dazu gebracht werden, sich zu ergeben.

Erfolgreich war dann letztendlich die Variante „Verzweifelung“: Durch Einführen und behutsames Drehen des Rest-Schlüssels konnte das Schloss tatsächlich geöffnet werden und wir konnten endlich in unser Zimmer. Auch die kleine, zierliche Chinesin, die nicht im Traum danach aussah, als würde sie überhaupt die Kraft dazu besitzen einen Schlüssel abzubrechen, tauchte plötzlich auf und wollte ihre Koffer bzw. Schränke in unser Zimmer hieven. Unser freundlicher Helfer machte ihr jedoch mehr oder weniger unmissverständlich deutlich, dass sie nun bitte in dem ihr neu zugewiesenen Zimmer bleiben solle und versicherte uns, dass wir zumindest die nächsten zwei bis drei Nächte alleine schlafen dürfen. Zufrieden aber immer noch leicht entsetzt über die Dummheit Anderer fielen wir in unsere Betten.

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Botanic Garden/ Jobsuche die 1.
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 11:25

Da die letzte Woche vor allem durch Regen und für australische Verhältnisse ziemlich kühle Temperaturen geprägt war, beschlossen wir an diesem erstmals wieder sonnigen Tag in den Botanischen Garten Sydneys zu gehen. Auch die Anderen (ein paar deutsche Backpacker und ein Hostelmitarbeiter) fanden an diesem Entschluss Interesse und folgten uns. Somit machten wir uns, ausgestattet mit einer kleinen Decke und etwas Brot für die Vögel, auf den Weg.

Der Botanische Garten liegt in der Nähe des Opera Houses und bietet sich nicht nur als Ort der Entspannung, sondern auch zum Joggen und sportivem Austoben an. Am Vormittag werden kostenlose Führungen angeboten, an denen jeder teilnehmen kann. Da wir uns die Tage zuvor eher weniger mit der Tier- und Pflanzenwelt Australiens, als vielmehr mit den Jobangeboten auseinandergesetzt hatten, erwies sich dieser kleine Ausflug als eine interessante Abwechslung. Neben den unzähligen Palmen, Orchideen und anderen exotischen Pflanzen, waren auch einige für Deutschland eher untypische Tiere zu sehen. Wir trafen auf sogenannte Flughunde, kleine Papageien und Kakadus. Ein merkwürdiges Tier namens Flughund

Da wir Brot zum Füttern der Vögel mitgebracht hatten, ergab sich die Möglichkeit, die Vögel aus nächster Nähe bzw. auf unseren eigenen Schultern sitzend zu betrachten. Allerdings sollte man beim Füttern vorsichtig sein, da zum Einen die Schnäbel recht scharf sind und zum Anderen die Gefahr besteht, dass einem auf die Schulter gekackt wird. Dieses Problem hatte bereits nach wenigen Minuten einer unserer Bekannten und es war sehr schwer, die Flecken schnell und gründlich zu entfernen.

Nach der Fütterung der Vögel und einem kleinen Schläfchen in der Sonne bekamen wir Lust auf einen guten Kaffe und machten uns auf die Suche nach einem geeigneten Cafe. Das Cafe des Botanischen Gartens lädt zwar durch die zentrale Lage inmitten von Palmen und anderen Pflanzen zum Verweilen ein, ist jedoch preislich gesehen ebenso wie der kleine Souvenirshop den vielen Touristen angepasst und somit für den kleinen Backpackergeldbeutel zu teuer. Als wir uns also gerade gegen das überteuerte Cafe und für einen Latte im Starbucks, welcher hier wesentlich günstiger als in Deutschland ist, entschieden hatten, wurden wir Augenzeugen, wie sich ein riesiger Vogel mit langem, spitzen Schnabel über die Pizza eines Pärchens hermachte. Diese waren eher weniger begeistert und zugleich hilflos, während meine Freundin hemmungslos wie ein japanischer Tourist das ganze fotografierte. Nach dieser gelungen Abwechslung ließen wir wie geplant den Tag mit einem Latte ausklingen.

Am nächsten Tag kehrte unsere alte Verzweiflung zurück. Ein Job musste her, und das so schnell wie möglich. Wir hatten uns bereits die letzen Tage direkt nach unserer Ankunft hingesetzt und einen Lebenslauf geschrieben, welcher hier von äußerster Notwendigkeit ist. Ebenso hatten wir diesen bereits zig mal ausgedruckt und in nahezu jedem Geschäft verteilt. Dennoch waren wir nach wie vor joblos und Thema unserer Frühstücksunterhaltung war mal wieder die Jobsuche. Diesmal klinkte sich einer der Hostelmitarbeiter ein, um uns neuen Mut zu machen und gab uns einen Zettel, auf dem nach Backpackerbabes für das Verteilen von Flyern gesucht wurde. Da wir uns für nichts zu schade waren, riefen wir bereits wenige Minuten später die Nummer auf dem Zettel an und wurden eingeladen, in 20 Minuten vorbei zu kommen.

Wir machten uns also gleich voller Hoffnung auf den Weg zu dem Fitnessstudio, für das wir die Flyer verteilen sollten. Dort angekommen begrüßte uns gleich eine völlig überdrehte Frau, die sich so verhielt als wäre man seit wenigen Minuten ihre beste Freundin. Sie erklärte uns kurz unsere Aufgabe und vereinbarte mit uns ein Probearbeiten um 15.00 Uhr. Beim Flyerverteilen ging es leider weniger darum Flyer zu verteilen, als vielmehr darum, die Leute nach ihren Telefonnummern und Adressen zu fragen und ihnen ein Abo für das Fitnessstudio zu verkaufen. Obwohl uns diese Tatsache bereits schon etwas abschreckte, beschlossen wir es zumindest einmal zu probieren.

Wenige Stunden später standen wir also in ziemlicher Kälte, getrennt voneinander an Sydneys Hauptverkehrskreuzungen und sollten fremde Menschen nach ihren Nummern und Adressen fragen. Dies gestaltete sich jedoch problematischer als gedacht. Zum Einen zogen die Leute so schnell an einem vorbei und ignorierten einen so sehr, dass man noch nicht einmal annähernd sein Verkaufslächeln aufsetzen und den eingeübten Satz aussprechen konnte, und zum Anderen stand ich am Chinese Corner, welcher dementsprechend auch hauptsächlich von Chinesen durchquert wurde, welche mich selbst wenn sie wollten nicht verstehen konnten.

Eineinhalb Stunden und einige dämliche Anmachsprüche später, hatte ich immer noch keine Nummer in der Tasche und war kurz davor aufzugeben und das ganze abzubrechen, als plötzlich meine Freundin ebenso entnervt auf mich zu kam. Auch bei ihr war es nicht viel besser gelaufen. Sie hatte es zwar geschafft drei Leuten ihre Nummern abzuschwatzen, dennoch hatte auch sie Probleme und wollte einfach nur, dass diese zwei endlos scheinenden Probestunden endlich zu Ende gingen. Als sich dann zu allem Überfluss auch noch ein chinesisches Pärchen neben uns stellte, dass mit Bambushölzern Musik zu machen versuchte, konnten wir eigentlich nur noch über die total bescheuerte Situation lachen. Als die zwei Stunden endlich zu Ende waren und wir die insgesamt fünf Nummern abgeben mussten, war uns allen bewusst, dass dies unser erster und unser letzter Tag in diesem Business war. Wenigstens bekamen wir für die zwei Stunden 20 aus. $ und konnten uns somit unser Abendbrot erstmals aus eigener Tasche finanzieren. Durchgefroren und völlig entmutigt aber zugleich auch froh über das erste selbst verdiente Geld gingen wir ins Bett.

Da wir bei unserer Flyer Aktion von einer anderen Deutschen den Rat bekommen hatten, uns beim Löwenbräu zu bewerben, machten wir uns am nächsten Tag gleich auf den Weg. Sie hatte uns zwar erzählt, dass sie nicht genommen wurde, meinte aber auch, dass wir es mit unseren blonden Haaren in dem deutschen Lokal trotzdem mal versuchen sollten. Das Restaurant Löwenbräu befindet sich in den sogenannten “The Rocks”. Diese sind eine Art Ortsteil von Sydney, der über der Harbourbridge liegt und durch die kleinen Straßen im Vergleich zu Sydneys Innenstadt eher gemütlich wirkt.

Nachdem uns der Weg von zwei Passanten falsch erklärt wurde und wir bereits einige Stunden unterwegs waren, fanden wir endlich das Lokal. Am Eingang begrüßte uns ein kräftiger, deutscher, älterer Herr und auch im Lokal arbeiteten hauptsächlich Deutsche. Mit der deutschen Musik im Hintergrund kam bei uns zum Einen ein heimisches Gefühl auf, zum Anderen war es auch irgendwie ironisch auf einem anderen Kontinent in einem deutschen Lokal zu stehen und zu sehen auf welche Eigenarten wir Deutschen scheinbar beschränkt werden. Sauerkraut, Weißwurst, Dirndl / Lederhosen, Schlager und Bier. Wir sahen uns schon in dem doch eher lächerlichen Aufzug den chinesischen Touristen das Sauerkraut auftischen, bis wir mit dem Chef Bekanntschaft machen durften. Dieser Herr war so was von unfreundlich und schob uns gleich mit einem Personalbogen in die nächste Ecke ab.

Nachdem wir die zweieinhalb Seiten mit all unseren Daten ausgefüllt und abgegeben hatten, offenbarte uns der super-missgelaunte Chef, dass sie aufgrund schlechter Erfahrungen keine Backpacker mehr nehmen und verabschiedete uns. Wütend und deprimiert zugleich verließen wir den Laden und gingen zurück zum Hostel.

Auf dem Weg dahin sahen wir einen Aushang an einem Cafe, das Aushilfen suchte. Das Cafe bestand aus zwei kleinen Tischen und einem kleinen Tresen und schien auch als Laie zu bewältigen zu sein. Als wir unsere Lebensläufe abgeben wollten, erklärte uns die Inhaberin, dass sie nur Leute mit mindestens einjähriger Erfahrung einstellt. Dies schien uns aufgrund der Lokalgröße so derart lächerlich, dass wir nicht wussten, ob wir diese Frau wirklich ernst nehmen sollten. An diesem Abend mussten wir voller Enttäuschung feststellen, dass es wohl nicht so einfach ist wie vermutet, einen Job zu finden und beschlossen am nächsten Tag eine Jobagentur aufzusuchen.

Wie geplant gingen wir also am nächsten Tag, nachdem wir noch einige weitere Lebensläufe verteilt hatten, zu einer Jobagentur, deren Adresse wir im Internet gefunden hatten. Da es mittlerweile bereits halb fünf am Nachmittag war und die Agentur um 17.00 Uhr schloss, waren die Mitarbeiter dieser Firma schon in Feierabendlaune. Wir trafen also nach unzähligem Klingeln und einigen Minuten des Wartens auf eine Frau mittleren Alters, die sich gerade ein Stück Kuchen in den Mund schob und uns mit vollem Mund zu erklären versuchte, dass sie gerade verhindert sei, da sie und ihre Mitarbeiter gerade in einer wichtigen Besprechung wären. Somit nahm sie zwischen Tür und Angel unsere Lebensläufe entgegen und begleitete uns direkt im Anschluss darauf zum Ausgang. Wieder einmal wurden wir abgeschoben und hatten das Gefühl, ein absoluter Verlierer, mit dem Namen Backpacker, in diesem Land zu sein. Wie bereits erwartet hörten wir auch viele Wochen später noch nichts von dieser Agentur, auf die wir so viel Hoffnung und Erwartungen gesetzt hatten. Scheißladen!

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Erste Erfahrungen mit dem Nachtleben / Auf der Suche nach Alternativen zum Hostel
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 08:16

Nach unserer ersten Woche in Sydney, die vor allem durch organisatorische Aktionen, wie z.B. das Eröffnen eines Kontos, das Beantragen der Tax file number und die Jobsuche geprägt war, wollten wir nun auch endlich einen Einblick in Sydneys Nachtleben bekommen. Da wir uns bislang immer noch gegen die ständigen Aufforderungen der Westendmitarbeiter gewehrt hatten und somit nicht feiern gegangen waren, war es uns möglich gewesen das Partyverhalten der Anderen zu beobachten. Dabei fiel uns auf, dass die Leute in Australien immer sehr früh feiern gehen, welches für einen Neuling wie mich sehr gewöhnungsbedürftig war. Girls in der Küche – für die Boyz zu stressigWährend wir um ca. 19.00 Uhr noch in der Gemeinschaftsküche standen und unser Abendessen zubereiteten, waren andere bzw. die Partygänger schon längst betrunken und ordentlich in Feierlaune. Dabei durften wir so einige Male mit ansehen, wie sich der ein oder andere volltrunkene Ire ausgezogen hat, gestürzt ist oder sich in der Küche erbrochen hat.

Trotz ungewöhnlich früher Ausgehzeit, schafften wir es dennoch diesen Freitag auch endlich einmal rechtzeitig fertig zu sein. Da die sogenannte Scubar auf dem Plan stand, beschlossen wir der Gruppe dahin zu folgen. Die Scubar ist ein kleiner, typischer Backpackerladen und kooperiert mit einigen Hostels. Daher ist dort vor allem mit anderen Backpackern zu rechnen. Nightlife in der ScubarDa wir mit unserer Hostelgruppe unterwegs waren, mussten wir keinen Eintritt bezahlen und bekamen jeder einen Coupon für ein Freigetränk. Bei unserer Ankunft um 21.00 Uhr vor der Bar begrüßte uns zu meiner Verwunderung ein Türsteher, der genauestens alle Ausweise kontrollierte. Wie ich später erfahren durfte, ist es in Australien Vorschrift, dass jede Bar, jedes Cafe ab einer bestimmten Uhrzeit von jedem den Ausweis kontrollieren muss, um zu verhindern das Minderjährige nach 22.00 Uhr auf der Straße sind. Harte Sitten!

Nachdem wir den Eingang in die Scubar passiert hatten fanden wir einen recht guten Dj, einen Billardtisch und gähnende Leere vor, jedoch zeigte sich bereits eine Stunde später der ganze Laden in einem völlig anderem Licht: Aus der zuvor ruhigen Bar wurde plötzlich ein gut gefüllter Club mit Tanzfläche, der Billardtisch verschwand und die Leute die zuvor noch recht träge ihre Kugeln versenkt hatten, bewegten sich nun im Rhythmus zu den neuesten House Beats.

Somit wurde der anfangs so langweilige Abend dann doch noch recht witzig und ich durfte bzw. musste auch schon nach kurzer Zeit mit der australischen Offenheit Bekanntschaft machen. Ein absolut abstoßender Kerl im Strickpullover mit Elchmotiv wollte einfach nicht verstehen, dass ich nicht mit ihm tanzen wollte und riss mich wie ein wild gewordenes Schwein hin und her. Zu allem Überfluss bedankte er sich dann lächerlicher Weise noch für den Tanz und gab mir einen Kuss auf die Wange. Auch meine Freundinnen durften miterleben mit welchen Erwartungen die Männer in solche Backpackerläden kommen. Frischfleisch: leicht zu haben und schon bald nicht mehr in der gleichen Stadt und somit ein bisschen Spaß ohne unerwünschte Folgen.

Da der Alkohol in Australien sehr teuer ist und wir auch keine Zeit mehr hatten im Hostel etwas vorzutrinken, durften wir das peinliche Flirtverhalten der Australier in absolut nüchternem Zustand erleben. Um halb drei war dann völlig unerwartet die Party zu Ende. Eine Putzkolonne fing so penetrant an zu putzen, dass selbst der Partywütigste mit dem Wischmob zwischen den Beinen nicht standhalten konnte und den Laden verlies. Mittlerweile konnte ich auch verstehen, weshalb alle immer schon so früh losgingen um zu feiern und am nächsten Tag verhältnismäßig früh wieder auf den Beinen waren. In Australien ist es normal, dass alle Clubs zwischen 2 und 3 Uhr Nachts schließen.

Nach ein paar Stunden Schlaf und einem typischen Backpacker Frühstück, welches aus billigem Coles Toast und irgendeiner günstigen Variante von Aufschnitt besteht, machten wir uns auf die Suche nach dem so genannten Georga House. Wir hatten durch einen Bekannten, der bereits seit einem halben Jahr in Australien lebt und arbeitet, erfahren, dass dies ein Studenten Haus sei, in dem man zu recht humanen Preisen ein eigenes Zimmer bekommen kann. Erwartungsvoll suchten wir halb Sydney ab. Wir fragten unzählige Passanten, denen dieses Studentenhaus jedoch nicht bekannt war und begannen langsam zu verzweifeln. Als dann ca. 2 Stunden später zwei Herren mittleren Alters uns derart verzweifelt, mit Stadtplan unter dem Arm an der Ampel entdeckten, zögerten sie nicht lang uns zu fragen, ob wir irgendwie Hilfe brauchen könnten. Da beide ebenfalls nicht aus Sydney kamen, waren sie uns zwar keine große Hilfe, boten uns aber an, mit zu ihrem Hotel zu kommen um dort von dem Portier Hilfe zu bekommen. Auch dem noch recht jugendlichen Portier war das Georga House kein Begriff, dennoch recherchierte er solange im Internet bis er uns die Adresse und eine Wegbeschreibung geben konnte. Wir waren sehr dankbar und zugleich verwundert über diese außerordentliche Hilfsbereitschaft, die hier zu Lande jedoch normal zu sein scheint.

Nachdem wir einige Kilometer gelaufen waren, erreichten wir endlich die Straße in der das Georga Haus sein sollte. Mittlerweile war es schon dunkel geworden und wir liefen durch einen doch eher ghettoartigen Bezirk. Als wir dann endlich den Eingang betraten, wurden uns auch sofort freundlicher Weise die Zimmer gezeigt. Es gab Doppel- und Einzelzimmer, die jeweils mit einem Waschbecken, einem Schreibtisch, einem Schrank und einem Stockbett bzw. Einzelbett ausgestattet waren. Zusätzlich verfügte jedes Zimmer über einen eigenen Internetanschluss. Der Nachteil jedoch war, dass man kein eigenes Badezimmer hatte und dass das gesamte Haus sehr zugig und ungemütlich war. Wir vereinbarten nach unserer Besichtigung zwei Tage Bedenkzeit und verließen das Haus.

Da wir uns tatsächlich entschieden hatten dort hin umzuziehen, checkten wir in unserem Hostel aus und riefen die Leute vom Studentenhaus an um unser bereits reserviertes Zimmer zu bestätigen. Dies gestaltete sich jedoch etwas problematisch, da zum Einen das reservierte Doppelzimmer nicht mehr verfügbar war und zum Anderen die Preisinformation falsch war. Zwar war der Preis von 200 aus $ pro Woche pro Person mit Frühstück noch recht günstig, jedoch für unseren kleinen Backpackergeldbeutel zu hoch. Daher mussten wir leider absagen, was das Personal des Hauses nicht so spontan akzeptieren wollte. Ich musste mich also tatsächlich auf eine Diskussion am Telefon einlassen, in der ich eine günstigere Schlafmöglichkeit nennen sollte! Nach dieser für mich als Nicht-Australierin recht komplizierten Diskussion, stellten wir fest, dass wir nun mehr oder weniger Obdachlos waren. Wir gingen also wieder mit Sack und Pack zu unserem Hostel zurück und wurden da bei unserer Rückkehr eher mitleidig belächelt.

Nach diesem schlechten Start in den Morgen beschlossen wir am Abend erneut mit unseren neu gewonnenen Bekanntschaften aus dem Hostel (gleichaltrige Backpacker aus Deutschland) die Nacht zum Tag zu machen. Auf dem Plan stand „The Gaff“, ein weiterer Backpackerladen an der Oxfordstreet, welche in Sydney als absolute Schwulenstraße gilt. Great: German Girls im GaffAm Abend kauften wir uns Bier, was neben „Goon“ (ein absolut billiger Wein, der dementsprechende Kopfschmerzen verursacht) noch verhältnismäßig günstig ist. Da wir recht müde waren, beschlossen wir, uns vorher noch kurz hinzulegen, um ein wenig zu schlafen. Leider wachten wir erst einige Stunden später um halb elf am Abend wieder auf. Nichts desto trotz machten wir uns mit jeweils einem Bier intus, d.h. also nüchtern und müde, auf den Weg und fanden uns wenige Minuten später zwischen unzähligen Fetish Stores und vielen unglaublich gut aussehenden Männern wieder, die jedoch leider alle „vom anderen Ufer“ waren. Obwohl wir zusehends mehr verunsichert waren, gingen wir weiter und erreichten nach ein paar Minuten das „Gaff“.

Dort angenkommen, war die Kasse kaputt und somit wurden nur noch Leute rein gelassen, die bereits eine Eintrittskarten hatten. Selbstverständlich gehörten wir nicht dazu und wir sahen unseren Abend schon den Bach runter gehen. Zu unserem Glück bemerkten zwei Neuseeländer unsere Enttäuschung. „Zufälligerweise“ hatten die beiden noch zwei Eintrittskarten, die sie uns überließen. Als wir dann endlich im Gaff, statt nur davor standen, strömte uns ein unsäglicher Alkoholgeruch entgegen und wir wurden in die Menschenmassen gedrängt. Immer noch im Gaff, aber einige Cocktails späterDie zwei Neuseeländer luden uns noch auf ein Bier ein, was sich jedoch zu einer absolut nervtötenden Tortur entwickelte. Denn sobald wir ein Bier ausgetrunken hatten und uns gerade verabschieden wollten, kam einer der Beiden und stellte uns das nächste auf den Tisch. Wir wollten den Abend alleine bzw. ohne diese beiden älteren Herren verbringen, jedoch auch nicht unhöflich sein. Somit gaben wir uns als derart langweilige Personen aus, dass sogar diese beiden penetranten Herren uns nach eineinhalb Stunden in Ruhe ließen. Endlich hatten wir also die Chance uns in dem Laden umzusehen.Glätteisen als besonderer Service auf öffentlichen Toiletten

Das Gaff ist eine Backpackerbar, die zum Einen mit recht günstigen Angeboten, wie z.B. Bier für 2 aus$ und zum Anderen mit speziellen Veranstaltungen, wie z.B. Ladies Night lockt. Außerdem verfügt das Gaff am Wochenende über eine zweite, größere Tanzfläche im Untergeschoss. Die Leute im Gaff sind hauptsächlich Backpacker und somit darf man sich über unzählige rumknutschende Paare nicht wundern.

Otto Opossum beim DinerNach einigen Stunden, so um halb drei, war der Laden dann ziemlich leer und somit beschlossen auch wir den Weg zurück ins Hostel anzutreten. Dabei stießen wir auf ein kleines und niedliches Tier am Wegrand. Es war ein Opossum. Diese sind in Australien an jeder Ecke zu finden und bekannt dafür, den Menschen alles zu wegzufressen.

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Die Anreise/ Erste Eindruecke
Allgemein — posted_by mellizo1 @ 08:12

Am 10.08.2008 war es endlich soweit, meine Reise nach Australien, ein Land das ich zuvor nur aus Erzählungen kannte, konnte beginnen. Aus der anfangs spontanen Idee wurde, als ich eine Mitreisende gefunden und mein Work and Holiday Visum in der Tasche hatte, Ernst. Während das Beantragen des Visums noch sehr schnell und leicht per Internet zu bewältigen war, ergaben sich bereits bei der Buchung des Fluges erste Schwierigkeiten, da meine Freundin zu dem Zeitpunkt noch keine Kreditkarte besaß. Diese ist für eine Online-Buchung jedoch erforderlich. Somit war sie gezwungen, ihren Flug in einem Reisebüro für 50 Euro mehr zu buchen.

Bei der Buchung eines Fluges ist es auf alle Fälle ratsam sich im voraus über Preise etc. zu informieren und zu vergleichen, da diese je nach Fluggesellschaft und Datum sehr stark variieren können. Die Eröffnung eines Kontos verlief wiederum schnell und problemlos. Durch den Rat einer Bekannten erfuhren wir, dass es vorteilhaft sei, das Konto bei der Deutschen Bank zu eröffnen, da diese es durch Kooperation mit der Westpack in Australien ermöglicht, gebührenfrei in Australien vom deutschen Konto abzuheben.

Für die Buchung eines Hostels ließen wir uns bei der Planung besonders viel Zeit. Wir suchten im Internet nach günstigen und möglichst flughafennahen Hostels und wurden schließlich mit dem „Maze“ fündig. Die Buchung zog sich jedoch unerwartet lange hin, da wir scheinbar komplizierte Fragen gestellt hatten: Wir wollten zum Einen wissen, ob die Zimmer über ein eigenes Badezimmer verfügen und zum Anderen, ob es möglich sei zum gewünschten Datum ein Doppelzimmer zu bekommen. Wir bekamen zwar bereits nach wenigen Tagen eine Antwort, die darauf hinwies, dass es keine eigenen Badezimmer gibt, jedoch ohne Angaben zur Buchung. Wir antworteten daraufhin, dass es in Ordnung sei und wir das Zimmer trotzdem gern hätten und bekamen daraufhin abermals eine Mail die uns wieder nur versicherte, dass die Zimmer über keine eigenen Badezimmer verfügen. Nach etlichem hin und her (10 E-mails) konnten wir das Personal dann endlich dazu bringen uns für 2 Nächte dort einzubuchen. Wie sich jedoch später rausstellte war dies ein ziemlicher Reinfall.

Nun stand ich also bereits am frühen Morgen mit vollgepackter Tasche am Bremer Flughafen und wartete nach einem tränenreichen Abschied von meiner Familie darauf endlich in den Flieger, der uns nach Frankfurt bringen sollte, einsteigen zu können. Fliegen macht Spaß…Noch einmal ging ich alles durch : Reisepass, Ausweis, Universalstecker, Bikini, alles dabei. Nachdem wir in Frankfurt angekommen waren, dauerte es auch nicht mehr lange bis wir in die Maschine nach Singapur, von wo aus wir dann endlich weiter nach Sydney fliegen sollten, einsteigen konnten. Die gesamte Flugdauer von 27 Stunden verlief dank nettem Bordpersonal, verschiedenen Unterhaltungsmöglichkeiten wie z.B. Filmen, Serien, Nintendospielen etc. und einigen netten Bekanntschaften mit anderen Reisenden recht schnell und auf angenehme Weise. Jedoch konnte ich trotz allem nicht richtig schlafen, da zum Einen der Platz für ein gemütliches Schläfchen gefehlt hat und zum Anderen meine Aufregung einfach zu groß war.

Nach zwei Zwischenstopps und ein paar Sonnenauf- und untergängen erreichten wir dann endlich völlig übermüdet und um einige Bekanntschaften reicher unseren Zielflughafen in Sydney. Bei unserer Ankunft stießen wir nicht nur auf die bereits erwartete Kälte (im August findet in Südaustralien der Winter statt), sondern auch auf Dunkelheit, die wir um 18.30 Uhr noch nicht erwartet hatten. Nachdem wir uns durch die unzähligen Kontrollen begeben hatten, bei denen wir unter anderem lernen durften, dass man weder dreckige Schuhe noch Lebensmittel in den Koffern haben darf, um keine Keime, Insekten oder andere Lebewesen einzuschleppen, mussten wir uns auf die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit zu unserem Hostel (Maze) machen. Diese Suche gestaltete sich jedoch leichter als gedacht, da wir bereits am Ausgang von einem Shuttelbusfahrer abgefangen wurden, der uns und noch ein paar andere Backpacker für 12 Dollar pro Person zum Hostel chauffierte. Großstadtpanorama

Im Hostel angekommen machte sich dann eine große Enttäuschung breit. Das, wie bereits erwähnt, so sorgfältig im Internet ausgesuchte Hostel bzw. das gebuchte Doppelzimmer erwies sich als totale Pleite: Klein (Raumgröße = Bettgröße), dreckig und dunkel. Und zu allem Überfluss war das ganze Gebäude nicht heizbar, so dass uns bei 10 Grad Außentemperatur wohlige 6 Grad Innentemperatur erwarteten. Nach einem kurzen aber intensiven Krisengespräch auf unserem viel zu kleinen und nur mit einem einzigen dünnen Laken ausgestatteten Doppelbett, beschlossen wir an der Rezeption zu fragen, ob es möglich sei, früher als geplant aus zu checken. Da wir jedoch bereits für die ersten beiden Nächte gezahlt hatten und dieses Geld auch bei sofortigem Auschecken nicht zurück erhalten würden, entschieden wir uns dann doch dafür, diese beiden Nächte tapfer durchzustehen. Pause vom SightseeingNach einer Nacht in eisiger Kälte und beklemmender Enge beschlossen wir dann am nächsten Morgen, die Stadt zu erkunden und alles nötige für einen Umzug und ein Leben in Australien zu organisieren.

Das erste was uns auf unserer Suche nach einem neuen geeigneten Hostel auffiel waren die Massen von Koreanern, koreanischen Läden und Restaurants. Auch ziemlich bekannt: Das Opera HouseHätte ich nicht genau gewusst, dass ich in Australien bin, wäre ich mir in diesem Moment garantiert nicht mehr ganz so sicher gewesen. Der Straßenverkehr welcher ja nun für uns auf der „falschen“ Seite stattfindet, machte uns als Fußgänger keine weiteren Schwierigkeiten, da ganz touristengerecht an jeder Ampel in dicken Buchstaben ein „Look left“ bzw. „Look right“ in den Boden gezeichnet ist. Auffallend jedoch war die Hektik mit der die Leute durch den Straßenverkehr hetzen. So blieb beispielsweise keine Ampel rot ohne das mindestens 10 Fußgänger währenddessen die Straße überquerten.Ziemlich bekannt: Die Harbour Bridge

Wir besuchten den Hafen, buchten in das gegenüberliegende Hostel („Westend“) um und besorgten uns eine australische Handykarte, um für Family & Friends zu Hause und zukünftige Arbeitgeber in Australien erreichbar zu sein. Dabei mussten wir im Nachhinein feststellen ,dass das von uns gewählte Netz (Optus) zwar eines der populärsten in Australien ist, jedoch nicht gerade das günstigste und zudem für uns auch nicht gerade vorteilhafteste, da wir keine günstigen internationalen Verbindungen nutzen konnten.

Die zweite Nacht im Maze verlief ebenso durchfroren und schlaflos, zumal wir auch noch sehr unter den 8 Stunden Zeitunterschied litten und sich der Jetlag mehr als bemerkbar machte. 4-Bett-Zimmer im Der Umzug in das „Westend“ am nächsten Morgen verlief kurz und schmerzlos und weckte in uns neue Hoffnungen auf eine angenehme Möglichkeit zur Nachtruhe. Da wir uns bereits am vorherigen Tag eines der Zimmer ansehen konnten und uns direkt nach einer Heizung auf dem Zimmer erkundigt hatten, mussten wir mit keinen weiteren unangenehmen Überraschungen rechnen. Also checkten wir in ein 4-Bett- Zimmer mit eigenem Bad / WC ein. Zu unserem Schreck mussten wir jedoch nach wenigen Stunden feststellen, dass die Heizung dieses Zimmers nicht funktionierte und mussten somit am gleichen Tag noch einmal unsere Sachen zusammen packen und ein Stockwerk weiter ziehen. Badezimmer im

Das „Westend“ ist vor allem für partywütige Nachtschwärmer und Alleinreisende zu empfehlen, da zum Einen ein Partyplaner für die gesamte Woche aushängt und das Personal einen mehr als ermutigt an den Angeboten teilzunehmen, was eine Kontaktaufnahme mit anderen Reisenden erleichtert. Zum Anderen besticht das Westend durch die sehr zentrale Lage und es ist auch ohne Taxi oder Bustransfer möglich, die unzähligen Bars und Clubs in Downtown Sydney zu Fuß zu erreichen. Ein weiteres Plus sind die eigenen Badezimmer. Dadurch bleibt einem der Stress mit dem hin und her Gerenne durch das halbe Hostel erspart. Die Preise sind verhältnismäßig human, so kostet eine Nacht im 4-Bett-Zimmer 29 aus. Dollar pro Person.

Ebenso bietet das Westend für diejenigen die sparsam leben möchten und denen es nichts ausmacht viele Leute um sich rum zu haben bzw. sich mit 28 Leuten ein Zimmer zu teilen die Möglichkeit, sich in die so genannte „Church“ einzubuchen. Man kann dort bereits für 13 aus. Dollar pro Nacht ein Bett bekommen, hat jedoch dann auch mit Geräuschen aller Art zu rechnen und nicht den Vorteil eines eigenen Bades, sondern muss das Etagenbad nutzen.

Die Sauberkeit des Hostel ist im Vergleich zum Maze in Ordnung und auch die Küche ist verhältnismäßig gut ausgestattet. Unsere erste Nacht im Westend verlief sehr ruhig und wurde mit einem Weckruf per Lautsprecher, der in allen Zimmern zu finden ist und über den die Partyangebote etc. angepriesen werden, mit einem “Good morning Westenders” beendet. Erst einmal ungewöhnlich: Palmen überallNachdem wir nun also endlich eine angenehme, warme, saubere Schlafmöglichkeit gefunden und genutzt hatten, machten wir uns am nächsten Morgen auf den Weg unsere Steuernummer zu beantragen. Diese ist notwendig um in Australien legal arbeiten zu können.Das Beantragen ging ganz einfach, da die Möglichkeit besteht dies über das Internet zu machen. Dennoch benötigt man eine Adresse, an die die Steuernummer (tax file number) geschickt werden kann, wobei dies kein größeres Problem sein sollte, da die meisten Hostels eine kostenlose Entgegennahme der Post anbieten.

Nachdem wir also unsere Steuernummer beantragt hatten, schrieben wir unsere Lebensläufe, da diese bei der Jobsuche von dem Großteil der Arbeitgeber gefordert werden. Es bietet sich jedoch an dies bereits zu Hause vor zu bereiten und ca. 50-mal auszudrucken, da somit Druck- und Nutzungskosten für den Computer gespart werden können.

Da wir mittlerweile ein leichtes Hungergefühl verspürten und die Selbstverpflegungsmöglichkeiten des Hostels nutzen wollten, machten wir uns auf die Suche nach einem günstigen und gut sortierten Supermarkt. Auch ungewöhnlich: Aborigines beim Nach einigem Hin- und Herlaufen in Richtung Chinatown stießen wir dabei mehr oder weniger zufällig auf “Paddy`s Market”, eine riesige Halle in der Nähe der Pitt Street, in der man so ziemlich alles kaufen kann. Die vielen Stände, die Mischung aus dem was dort verkauft wird (gefälschte Markenware, Obst, Taschen, Gewürze etc.) und die sehr bemühten Verkäufer erinnerten stark an einen türkischen Bazar. Um Obst und Gemüse zu erschwinglichen, wenn nicht sogar sehr günstigen Preisen (eine Honigmelone für einen Dollar) zu kaufen, kann man diesen Markt als einen echten Geheimtipp bezeichnen. Jedoch sollte man auf die Öffnungszeiten achten: Der Markt hat von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 9.00 bis 17.00 Uhr geöffnet und wird immer gut besucht.

Letzendlich könnte man unsere ersten Eindrücke von Australien in einen Satz packen: Vollkommen anders als erwartet, laut, stressig und viele Japaner / Koreaner / Chinesen, aber auch schick, modern und aufregend.

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