Bevölkerung Australiens bis zum Erstkontakt mit den Europäern

Die Besiedelung Australiens wird von ForscherInnen um 60.000 bis 32.000 v. Chr. angesetzt und muss durch die Isolation des Kontinents vom Festland seit etwa 70 Millionen Jahren über die See erfolgt sein. Die ältesten Funde menschlicher Überreste stammen von vor 40.000 Jahren. Die indigene Bevölkerung Australiens, die Aborigines, stand trotz der Überschwemmung der Landbrücke zwischen Australien und Neuguinea vor etwa 6.000 Jahren in Kontakt mit anderen Kulturen, darunter mit den Bevölkerungen Neuguineas, der Torres Strait Islands und Indonesiens. Die offiziell erste „Entdeckung“ Australiens wird dem holländischen Seefahrer Willem Janszoon zugeschrieben. Im 16. und 17. Jahrhundert gingen weitere  spanische und holländische Seefahrer in Australien an Land, doch es wurde erst im Jahr 1770 durch Captain James Cook formell als New South Wales für die britische Krone in Besitz genommen.


Besiedelung Australiens von Großbritannien aus

Nachdem Großbritannien durch die Unabhängigkeitserklärung seiner amerikanischen Kolonien nach dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 diese Kolonie verloren hatte, wollte es eine neue Kolonie aufbauen und wählte Australien zu diesem Zweck aus. Anstatt Sklaven für den Aufbau der Kolonie zu verwenden, wurden britische Strafgefangene nach Australien verschifft, wo sie nach siebenjähriger Aufbauarbeit ein Stück Land zugesprochen bekamen. Etwas später begannen auch freie Siedler, sich in Australien eine Existenz aufzubauen. Nachdem das erste Schiff mit Strafgefangenen, Seeleuten und Militärs die Südostküste Australiens im Jahr 1788 erreichte, begannen die Ankömmlinge mit dem Aufbau der neuen Kolonie, die New South Wales genannt wurde. Der Kontakt mit den Europäern hatte verheerende Auswirkungen für die australischen Indigenen: Die geschätzte Anzahl der Aborigines beim Erstkontakt mit den Europäern lag bei 500.000 Personen. Durch von den Europäern eingeschleppte Krankheiten (v.a. Blattern, Masern und Grippe) starben bis in die ersten Jahre des 20. Jahrhunderts neun Zehntel der Aborigines, d.h. ihre Anzahl lag nun bei etwa 50.000. Währenddessen errichteten die Siedler neue Kolonien: 1825 das später in Tasmanien umbenannte Van Diemen’s Land und 1827 Western Australia.

1835 erklärte der Gouverneur von New South Wales Australien zur terra nullius, d.h. zu einem Territorium, welches nie unter staatlicher Herrschaft gestanden hat und welches durch Besatzung unter staatliche Herrschaft gebracht werden kann. Er sprach damit den australischen Indigenen das Recht ab, Land zu verkaufen oder es jemandem zuzuweisen, und verbot den Erwerb von Land auf anderen Wegen als durch Zuteilung durch die britische Krone. Die bisher zwischen den britischen Siedlern und den Aborigines abgeschlossenen Verträge waren somit einseitig für nichtig erklärt.

Daraufhin folgten die Errichtung der Kolonie South Australia (1836), die Abtrennung Vicorias (1851) und Queenslands (1859) von New South Wales und die Übergabe der Kontrolle über das Northern Territory an South Australia übergeben (1863).


Goldrausch und Ausweitung der Siedlungen

Die Entdeckung von Gold 1851 in New South Wales und darauf in Victoria veränderte den Bevölkerungsstrom nach Australien schlagartig und dauerhaft: Während dieser Periode einer weltweiten Wirtschaftskrise emigrierten in diesem Jahrzehnt etwa 2 Prozent der Bevölkerung Großbritanniens und Irlands nach Australien, ebenso wie zahlreiche Kontinentaleuropäer, Nordamerikaner und Chinesen. Der Goldrausch, der vielen Siedlern bescheidenen Wohlstand ermöglichte, ließ bald die Anzahl der freien Siedler über jene der nach Australien deportierten Strafgefangene steigen. In den 1880ern breiteten sich durch diesen Ansturm die Siedlungen massiv aus, sodass zum Beispiel Melbourne eine Zeit lang die zweitgrößte Stadt des britischen Empire war. Zur gleichen Zeit begannen auch Proteste gegen die Immigration von chinesischen und anderen asiatischen Arbeitern, deren niedrige Gehälter die Politik der Gewerkschaften untergrub. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Einwanderung aus Asien gesetzlich eingeschränkt, was die Grundlage für die White Australia Policy bildete, die erst 1973 beendet wurde. 1901 einigten sich die australischen Kolonien auf die Einrichtung einer gemeinsamen, nationalen Regierung und erhielten die Erlaubnis Queen Victorias zur Gründung des Commonwealth of Australia. Während Canberra als neue Hauptstadt gebaut wurde, war Melbourne die Haupstadt Australiens. 1911 wurde das Australian Capital Territoy errichtet.


Immigrationswelle nach dem Zweiten Weltkrieg

Nachdem Australien im Zweiten Weltkrieg knapp einer japanischen Invasion entgangen war, gab die australische Regierung die Devise aus, Australien müssen umgehend seine Bevölkerung vergrößern, um zukünftigen Angriffen besser standhalten zu können. In den zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wurden mehr als zwei Millionen Menschen, darunter zahlreiche Juden und displaced persons aus Europa, in der überwiegenden Mehrheit aber Einwanderer von den britischen Inseln, ins Land geholt. Insgesamt wanderten seit dem Zweiten Weltkrieg 6,5 Millionen Menschen nach Australien ein und trugen damit enorm zum Bevölkerungswachstum von nur 7 Millionen im Jahr 1945 auf heute beinahe 22 Millionen Menschen bei.