Phillip Island Australia

Phillip Island ist eine Insel im australischen Bundesstaat Victoria. Sie ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden und um die 120 Kilometer von Melbourne, der Hauptstadt Victorias, entfernt. Von dort aus fährt man etwa 90 Autominuten bis zur Insel. Ungefähr 3,5 Millionen Menschen besuchen Phillip Island jährlich. Das meist, um den Phillip Island National Park zu sehen, der einen Großteil der Insel ausmacht. Daneben gibt es noch den Phillip Island Circuit Cup, eine Rennstrecke, auf der beispielsweise jedes Jahr der Große Preis von Australien für Motorräder ausgetragen wird oder auch die Superbike Meisterschaft der V8 Supercar-Serie statt findet.

Die eigentliche Attraktion jedoch, ist die Pinguin Parade. Jeden Tag, bei Sonnenuntergang verlassen die vielen, vielen Pinguine das Wasser und watscheln zusammen zu ihren Höhlen in den Sanddünen. Die Pinguine von Phillip Island sind weltweit die kleinsten Pinguine überhaupt. Beobachten können Besucher die putzigen Tiere von erhöhten Holzstegen, so dass die Pinguine dabei nicht gestört werden. Die Pinguin Parade ist Gewinner der Victorian Tourism Awards for Ecotourism (Tourismus-Preise für Öko-Tourismus in Victoria).

Neben den Pinguinen gibt es im Phillip Island National Park Robben, Koalas und noch weitere Tiere anzuschauen. The Nobbies Centre ist die neuste Meeresattraktion auf der Insel. Hier kann der Besucher mit interaktiven Bildschirmen spielen und mit Kameras ganz nah an die zu besichtigenden Tiere heran zoomen. Das sind hier in der Regel vor Allem Robben, Haie und Delfine.

Und fast das Beste dabei: der Eintritt ist frei! Man sollte allerdings auf die Öffnungszeiten achten, da das Center immer kurz vor Sonnenuntergang schließt, um die Lebewesen zu schützen. Diese Zeiten können immer wieder variieren.

Einem Koala regelrecht direkt ins Gesicht schauen ist im Koala Conservation Centre möglich. Hier laufen die Besucher über eine Art Holzstege durch Baumwipfel, wo die Tiere hausen. Über ihre Natur lernen Interessierte im Besucherzentrum. Außerdem gibt es noch eine Vielzahl von Vögeln zu sehen.

Auf eine Zeitreise begibt sich, wer Churchill Island besucht. Churchill Island ist eine historische Insel-Farm. Im besucherzentrum lernt man über die Geschichte der Farm, während man draußen tatsächlich dort umherwandern kann: durch antike Häuser und Ställe, wo man auf das ein oder andere Farmtier trifft. Diese sind zum Beispiel typischer Weise Pferde, Hochlandrinder, Schafe, Hühner aber sogar auch Pfauen stolzieren hier herum. Churchill Island bietet regelmäßig Märkte sowie andere Veranstaltungen und soll auch für private Feierlichkeiten wie Hochzeiten ideal sein.

Reisebericht Phillip Island

Heute versucht Florian Kuhlmey, unseren Reisemuffel Bernhard Bleibzuhaus zu einer Reise auf die kleine Insel Phillip Island zu bewegen.

Bernhard: Warum sollte ich denn ausgerechnet nach Phillip Island fahren?

Florian: Jedes Jahr kommen etwa 3,5 Millionen Besucher nach Phillip Island. Dabei hat die kleine Insel selbst gerade einmal 6.700 Einwohner. Was zieht all diese Menschen dennoch dorthin? Es ist ein Naturschauspiel, das sich jeden Abend aufs Neue wiederholt. Dann nämlich, wenn die kleinsten Pinguine der Welt an Land kommen und die anwesenden Zuschauer ins Staunen versetzen. Staunen auch Sie, wenn die putzigen Tierchen unmittelbar neben Ihnen vorbeiwatscheln.

Bernhard: Wie komme ich denn überhaupt dorthin?

Florian: Von Melbourne aus benötigt man mit dem Auto etwa zwei Stunden bis Phillip Island. Verlassen Sie die Stadt in südöstlicher Richtung auf dem Monash Freeway (M1). Auf der Höhe von Doveton folgen Sie der rechten Spur auf den Gippsland Freeway (M420). Kurz vor dem Ende dieses Freeways müssen Sie auf den South Gippsland Highway (M420) wechseln mit Cranbourne als der nächsten größeren Stadt auf Ihrem Weg. Kurz hinter der Abzweigung nach Lang Lang verlassen Sie den South Gippsland Highway wieder und setzen Ihren Weg stattdessen auf dem Bass Highway (A420) fort. Bei Anderson biegen Sie dann rechts ab auf die B420, welche direkt nach Phillip Island führt. Kommen Sie gerade aus östlicher Richtung und wollen noch vor Melbourne einen Stopp auf Phillip Island einlegen, so können Sie die Insel entweder vom Norden oder von Süden aus erreichen. Bei der nördlichen Variante folgen Sie einfach dem Princess Highway (A1) bzw. Princess Freeway (M1) bis kurz hinter Warragul. Nehmen Sie nun die Ausfahrt nach Drouin und fahren weiter auf der C431 bis Sie kurz hinter Lang Lang auf den South Gippsland Highway stoßen (siehe oben). Sollten Sie sich für die südliche Variante entscheiden (z. B. wenn Sie vorher den Wilsons Promontory National Park besuchen möchten), fahren Sie bis Inverloch, wo Sie auf den Bass Highway stoßen. Diesem folgen Sie wiederum bis Anderson, wo die B420 nach Phillip Island abzweigt. Achtung: Gerade auf dem letzten Stück nach Phillip Island besteht an Wochenenden im Sommer akute Staugefahr. Vermeiden Sie längere Wartezeiten, indem Sie weder am Freitag oder Samstag zur Insel hinfahren noch diese am Sonntag verlassen.

Bernhard: Was gibt's denn da nun genau zu sehen?

Florian: Ein Aufenthalt auf Phillip Island ist nicht komplett ohne den Besuch der weltberühmten Penguin Parade. Seien auch Sie Zeuge, wenn die kleinsten Pinguine der Welt (33 cm groß) jeden Abend im Lichte der Dämmerung aus dem dunklen Meer auftauchen und den Weg zu ihren Nestern watschelnd an Land fortsetzen. Sicher, das ganze Spektakel hat mittlerweile schon fast absurde Dimensionen angenommen, wenn man etwa die riesigen Betontribünen für die Zuschauer betrachtet oder die Unmengen von Pinguinartikeln im dortigen Souvenirshop. Und sicher, die Eintrittspreise sind eindeutig überhöht (auch in Anbetracht der Tatsache, dass man im Inneren nicht einmal fotografieren darf). Und dennoch entschädigen einen die Pinguine selbst für einiges. Wenn die kleinen Tierchen direkt neben einem vorbeiwatscheln, teilweise nur wenige Zentimeter entfernt, und dabei ihre eigentümlichen Laute ausstoßen, ist man schlichtweg begeistert von diesem Naturschauspiel, das man mit Ausnahme der Antarktis wohl nirgendwo sonst auf der Welt geboten bekommt. Abschließend noch zwei Insidertipps zur Penguin Parade: Erstens ziehen Sie sich warm an! Selbst im Sommer wird es an diesem Küstenstreifen Australiens abends empfindlich kühl. Zweitens seien Sie nicht enttäuscht, wenn Sie die Pinguine zu Beginn nicht aus der Nähe betrachten können. Wirklich nahe kommt man den Tieren erst auf dem Rückweg von der Tribüne zum Hauptgebäude. Plötzlich sieht man sich auf dem breiten Holzweg überall umgeben von Pinguinen und stoppt immer wieder, um einen ausführlichen Blick auf die kleinen Tierchen werfen zu können. Das alles macht die Penguin Parade zweifellos zum Highlight eines jeden Besuches auf Phillip Island. Jedoch hat die Insel noch wesentlich mehr zu bieten. Verbinden sie z. B. Ihren Besuch der Penguin Parade mit einem vorherigen Abstecher zu The Nobbies, welche sich ebenfalls im äußersten Südwesten der Insel befinden. Als „Nobbies" bezeichnen die Australier die kleinen, felsigen Inseln, welche sich unmittelbar an das Ende von Phillip Island anschließen. Ein Stückchen dahinter liegen schließlich die so genannten Seal Rocks, auf denen sich, der Name lässt es bereits vermuten, die mit etwa 16.000 Tieren größte Robbenkolonie Australiens befindet. Allerdings nur von Oktober bis Dezember! In diesen Sommermonaten kann man die Tiere mithilfe der überall aufgestellten Ferngläser beobachten. Aber auch in den übrigen Monaten lohnt der Weg zu The Nobbies. Bietet die Steilküste doch spektakuläre Ausblicke und zahlreiche Möglichkeiten zu kleineren oder größeren Spaziergängen. Ebenfalls empfehlenswert ist ein Rundgang durch das pittoreske Cowes, der größten Stadt auf Phillip Island. Schlendern Sie entlang der Strandpromenade oder legen Sie sich bei gutem Wetter selbst an den Strand. Von Cowes aus können Sie im Übrigen auch eine Bootsfahrt direkt zu den Seal Rocks oder zur naturgeschützten French Island unternehmen. Die Fähre zur Mornington Peninsula legt ebenfalls hier an. Über den Wildlife Park auf Phillip Island scheiden sich die Geister. Für die einen ist er ein Relikt aus vergangener Zeit, als das Wort Ökotourismus noch nicht einmal erfunden war. Sie kritisieren die bloße Zurschaustellung einheimischer Tiere, die aus ihrer natürlichen Umgebung herausgerissen wurden. Für die anderen ist der Wildlife Park eine einzigartige Möglichkeit, zahlreiche in Australien beheimatete Tiere wie Kängurus oder Wallabies einmal aus der Nähe betrachten und sogar berühren zu können. Tatsächlich gleicht der Wildlife Park auf Phillip Island an vielen Stellen einem deutschen Streichelzoo nur eben mit australischen Tieren. Entscheiden Sie selbst, zu welcher Gruppe sie gehören möchten und damit ob der Besuch des Wildlife Parks für Sie in Frage kommt oder nicht. Darüber hinaus verfügt Phillip Island über einige weitere Attraktionen, deren Besuch man allerdings getrost auslassen kann. So ist etwa das „historische" Dorf auf Churchill Island für europäische Augen nur wenig beeindruckend. Der Mini-Vergnügungspark A Maze 'N Things mit seinen wahrlich „schrägen" Attraktionen ist sicherlich vom Ansatz her gut gedacht, kommt aber auch nie über diesen Ansatz hinaus. Die Autorennbahn Phillip Island Grand Prix Circuit wirkt auf der sonst so naturfixierten Insel völlig fehl am Platz. Doch am enttäuschensten ist wohl das Koala Conservation Centre. Hier wurde einfach nur ein Zaun um einen Eukalyptuswald herum errichtet, in dem sich bereits vorher schon Koalabären befunden haben. Jetzt darf man jedoch für das Betreten des Geländes Eintritt bezahlen, nur um sich dann den Hals zu verrenken, damit man mit Mühe und Not ein oder zwei der Tiere erspähen kann, die einige Meter entfernt in den Bäumen hängen und schlafen. Denn genau das machen Koalas den ganzen Tag über. Sie schlafen! Für zwei Gruppen ist eine Reise nach Phillip Island besonders lohnend. Wanderer finden hier viele Möglichkeiten, ihrem Hobby nachzugehen. So bietet etwa Rhyll im Nordosten der Insel und Cape Woolonai im Südosten herrliche Wanderwege. Aber auch Surfer kommen bei der etwas stärkeren Brandung im Süden voll auf ihre Kosten. Egal welcher Gruppe Sie angehören und was für ein Typ Tourist Sie sind, in jedem Fall sollten Sie gleich zu Beginn Ihres Besuches auf Phillip Island beim Tourist Information Centre vorbeischauen. Dieses befindet sich fast unmittelbar hinter der Brücke, über die Sie auf die Insel gelangen. Stoppen Sie hier als erstes. Decken Sie sich mit den Informationsbroschüren ein, die Sie für Ihren individuellen Aufenthalt sinnvoll finden. Und buchen Sie bereits hier einige Tickets für etwaige Attraktionen, die Sie als sehenswert erachten. Dies ist zwar nicht zwangsläufig notwendig, aber zumindest für die Penguin Parade am selben Abend durchaus von Vorteil. Denn gerade an Wochenenden kann es passieren, dass es vorort keine Karten mehr gibt.

Bernhard: Und was kostet mich der ganze Spaß?

Florian: Der Besuch der Penguin Parade kostet 17,00 (11,20) Dollar. Plätze auf der Sondertribüne „Penguins Plus" kosten 27,00 (18,00) Dollar, sind aber nicht unbedingt notwendig, da der spannende Teil sich wie gesagt hinter der Tribüne abspielt. Der Eintritt im Wildlife Park beträgt 12,00 (10,00) Dollar. Für den Besuch von Churchill Island zahlen Sie 9,00 (6,00) Dollar, ebenso für das Koala Conservation Centre. Eine Führung über den Grand Prix Circuit kostet Sie 18,00 (9,00) Dollar. Bestimmte Kombi-Tickets sind ebenfalls verfügbar. So gibt es den „3 Parks Pass" (Penguin Parade, Koala Conservation Centre, Churchill Island) für 30,00 (20,00) Dollar und den Family Fun Pass für zwei Erwachsene und zwei Kinder (A Maze 'N Things, Churchill Island, Grand Prix Circuit, Koala Conservation Centre, Penguin Parade) für 170,00 Dollar. Ausführlichere Informationen hierzu bietet Ihnen das Tourist Information Centre in Newhaven.

Bernhard: Muss ich da etwa auch noch übernachten?

Florian: Es wäre ratsam auf Phillip Island zumindest eine Nacht zu verbringen. Die Pinguine kommen abends immer in der Dämmerung an Land und begeben sich zum Schlafen in Ihre Nester. Es gibt jedoch andere einheimische Tiere wie Koalas, Wombats und Kängurus, die um diese Zeit erst richtig aktiv werden. Will man also vermeiden, dass einem diese Tiere vor das eigene Auto laufen, sollte man nach dem Besuch der Penguin Parade lieber auf Phillip Island bleiben. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es auf dieser durch und durch touristisch geprägten Insel jedenfalls genug. Die meisten davon befinden sich zweifellos in Cowes, aber auch auf der restlichen Insel werden Sie garantiert fündig werden. Die Preise beginnen bei 22,00 Dollar für ein unpowered site auf einem abgelegenen Campingplatz und steigern sich entsprechend je nach Lage und Komfort. Daneben besteht natürlich noch die Möglichkeit, einen geführten Tagesausflug von Melbourne aus zu unternehmen. Solche Touren kosten ab 90,00 Dollar aufwärts (je nach Dauer und Inhalt), bieten aber den Vorteil, dass man noch am selben Abend nach der Penguin Parade sicher wieder nach Melbourne zurückkehrt.

Bernhard: Na gut! Hört sich ja ganz akzeptabel an.

Florian: Phillip Island ist auf jeden Fall eine Reise wert. Es gibt wirklich viel zu sehen auf dieser kleinen Insel, wobei klein nicht unbedingt schlecht sein muss, wie Ihnen die kleinsten Pinguine der Welt auf ihrer allabendlichen Parade beweisen werden.

Florian Kuhlmey