Autoverkauf in Australien
... das hätte mir auch vorher jemand sagen können.

Wer sich in Australien als Reisender ein Auto zulegen möchte, um eine Rundreise auf eigene Faust zu unternehmen, der sollte schon beim Erwerb an den Wieder-Verkauf denken. Das Kauf-Verkauf-Prozedere kann mitunter ziemlich komplex und belastend werden, berücksichtigt man nicht die vielen Faktoren, die sich schon bei der Kaufentscheidung vor- oder nachteilig auf den Absatz des Vehikels auswirken. Australien besteht aus 7 Bundesstaaten, die allesamt ihre eigene bürokratische Abwicklung in Sachen Gebrauchtwagenhandel vorsehen.

Grundsätzlich gilt für Reisende: Wenn es geht, unbedingt das Fahrzeug in dem Bundesstaat verkaufen, in dem man es gekauft hat. Eine Ausnahme stellt dabei Western Australia dar, wo man alles via Internet, Telefon und Kreditkarte abwickeln kann. Für angehende Road-Trip-Abenteurer empfiehlt sich also ein gut geprüftes WA registriertes Fahrzeug zu kaufen.

Kurz noch eine Infos: Wer meint, in Australien müssen die Autos jährlich zu einer Inspektion gebracht werden, um dort einer Straßentauglichkeitsprüfung unterzogen zu werden, liegt falsch (ACHTUNG: ausser in New Southwales) . Erst einmal ein Fahrzeug erworben, muss der Besitzer lediglich die Registrierung (Rego = Sachschadenversicherung, die jeweils bis zu einem Jahr gegen eine Gebühr erworben werden kann) verlängern. Beim Verkauf sollte man darauf achten, dass noch ein paar Monate Rego-Laufzeit übrig sind, da man sein Fahrzeug dadurch wesentlich einfacher verkauft. Komplett uninteressant für Käufer sind Autos ohne Regolaufzeit.

Das sogenannte Road Worthy Certificate (RWC = TÜV bzw. Pickerlgutachten) muss bzw. sollte in allen Staaten außer in WA und SA beim Verkauf durchgeführt werden. Lästigerweise benötigt man in den Staaten Queensland und Victoria zusätzlich noch ein sogenanntes Safety Certificate, welches nach Ausstellung 14 Tage gültig ist. Dieses mehr oder weniger unnötige Zertifikat, bestätigt den meist sehr ungenauen Check einer authorisierten Werkstatt und kostet dem Verkäufer an die 120 AUD (Bitte auf Aktualität überprüfen, Stand Nov. 2011). Außerdem benötigt man in allen Bundesstaaten eine gültige Rego, um das Fahrzeug überhaupt verkaufen zu können. Um diese zu verlängern, muss man sich - außer in WA - im jeweiligen Rego-Bundesstaat befinden. Dieser Umstand kann ausgesprochen erschwerlich werden. Ist diese Abgelaufen, muss man sein Fahrzeug neu zulassen und dazu sollte man es – zumindest als Backpacker - nie kommen lassen. Übrigens: Wer sein Auto (ausser WA-Rego) in einem anderen Bundesstaat verkaufen möchte, muss es dort neu zulassen. Es lohnt sich beinahe kaum, sich über die behördlichen Hürden einer interstaatlichen Ummeldung eines Vehikels und deren Aufwände zu informieren, da die Komplexiät einen kalten Schauder über den Backpacker-Rücken rieseln lässt. Man halte sich deshalb schon im Vorfeld an folgende Regeln:

  • Regel Nr. 1: Wenn möglich: Kauf eines in Western Australia registrierten Autos
  • Regel Nr. 2: Wenn nicht möglich: Verkauf in gleichem Bundesstaat wie Kauf
  • Regel Nr. 3: Kauf eines LPG-betriebenen Fahrzeuges (ungemeine Treibstoffersparnis)
  • Regel Nr. 4: Kauft kein importiertes Fahrzeug (Ersatzteilproblematik)

An dieser Stelle noch kurz ein paar Wörter zu LPG: In den 90ern wurde in Australien der Einbau von Erdgas-Systemen gefördert. Dabei wurde ein massiver Gastank mit einer Versorgerleitung und einem Injektor eingebaut, der das Erdgas dann mehr oder weniger direkt dem Kraftstroff-Kreislauf zuführte. Deshalb gibt es noch immer sehr günstige Gebrauchtwagen mit Hybrid-Motoren, sprich Benzin- und LPG-Tanks. Per Knopfdruck wird zwischen den Systemen gewechselt, wobei der gravierende Unterschied im Kraftstoffpreis liegt: Ein Kilo LPG (entspricht einem Liter auf der Tankstelle) kostet zwischen 50 $cent (urbaner Bereich) und 80 $cent (ländlicher Raum), ein Liter Benzin hingegen ca. 1,4 $. Wer clever tankt spart sich über die Monate je nach Länge der Spritztour sogar den Anschaffungswert des Fahrzeugs. Folgende Milchmädchenrechnung soll uns dies näher bringen:

Benziner:
20.000 km (und die fährt man in Australien in 4 Monaten locker)/ 100 km x 10 Liter (Spritverbrauch) x 1,4 AUD = 2.800 AUD Spritkosten
LPG:
Gleiche Fahrtleistung bei gleichem Verbrauch nur x 0,65 AUD = 1.300 AUD

Um die Differenz von 1.500 AUD geht sich schon ein LPG-betriebener Ford Falcon Stationwagon mit WA Rego aus. Verkauft man sein Fahreug wieder um 1.500 AUD, war man im Vergleich zum Benziner nicht nur gratis unterwegs, man hat auch nichts für die "Miete" bezahlt. Selbst die eine oder andere Reparatur fällt dann nicht so ins Gewicht.

Als Käufer wird man irgendwann (hoffentlich) auch zum Verkäufer.  Hat das Fahrzeug den Trip überlebt, sollte man sich schon etwa 3 Wochen vor Abflug um den Verkauf kümmern. Der Autoverkauf erleichtert sich durch folgende Faktoren:

  • Regel Nr. 1, 2 und 3 wurden eingehalten
  • Rego-Restlaufzeit
  • Einwandfreies Road-Worthy-Certificate (Check kann man auch bei WA-Fahrzeugen machen)
  • Niedriger Spritverbrauch (Benzinger > Diesel > LPG)
  • Motorkompressionstest
  • Bett
  • Camping-Austrüstung

Mehr braucht der Backpacker nicht! Der Erwerb und Verkauf eines in WA registrierten Fahrzeuges ist dermaßen unkompliziert, dass er sogar von Europa aus funktioniert. Hat man Freunde in Australien, die sich noch um den Verkauf kümmern können, obwohl man schon wieder in Deutschland ist, erspart man sich noch den Zeitdruck. Eine andere bewährte Methode um den Faktor Zeit zu entschärfen, ist die Vorankündigung des Fahrzeugverkaufs schon 2 bis 3 Wochen bevor man überhaupt am Abflugort eintrifft. Am besten, man stellt sein Fahrzeug auf www.gumtree.com.au und gibt als Ort, jenen des Abflughafens an. Man informiert über die Lage und sammelt sich über die Zeit Interessenten. Man sollte dennoch mindestens eine Woche vor Abflug vor Ort sein, denn man kann ja nie wissen, ob dann nicht alle Verkäufer abspringen. Man sollte sich außerdem schon um den Prüfbericht, die nötigen Formulare und um eventuell notwendige Reparaturen kümmern.

Man ist auch gut beraten, sich vorwiegend Europäer als Käufer zu suchen, da die Geldüberweisung viel schneller abläuft und keine Spesen anfallen. Eine Überweisung von Australien nach Deutschland dauert mindestens 3 WERKTAGE. Wurde der Überweisungsauftrag also am Freitag erteilt, ist das Geld erst am Mittwoch am deutschen Konto. Möglichst sollte man vermeiden, den Barbetrag in AUD zu bekommen: spätestens bei der Wechselstube am Flughafen weiß man warum.

Ist das Auto nur noch fahrender Schrott? Ein RWC zahlt sich nicht mehr aus und die Zeit drängt? Dann bleiben noch die „wrecker“ (Schrotthändler). Über google-maps lassen sie sich einfach lokalisieren. Übrigens schleppt die Road-Assistance (entspricht ADAC, ÖAMTC, ARBÖ usw.) nicht kostenlos zu Schrotthändlern, sondern nur zur nächsten authorisierten Werkstatt. Ist der Abschlepper erst einmal da, kann man das dann jedoch unter sich ausmachen (keines Falls jedoch am Telefon!) Für sehr alte Schrottkisten kann es sogar problematisch werden einen Wrecker zu finden, der noch etwas dafür bezahlt. Ein paar Hunderter sollten jedoch schon drinnen sein. Hat man sich an Regel Nr. 2 gehalten, kann man mit seinen Nummerntafeln zum Verkehrsamt gehen und erhält das Geld der Rego-Restlaufzeit zurück, wobei sich dieser Weg allemal auszahlt, betrachte man die hohen Regogebühren.

Worst case: Kein Wrecker konnte gefunden werden, die Rego-Laufzeit beschränkt sich nur noch auf wenige Wochen und das Auto rührt sich nicht mehr vom Fleck. Möglicherweise hängt man irgendwo im Outback fest und hat kaum noch Geld. Der Autokauf entpuppte sich als völliger Flop und man traut sich schon gar nicht mehr seinen Online-Kontostand checken. An dieser Stelle möchte der Ratgeber noch eine vierte Regel ins Spiel bringen, nämlich

Regel Nr. 4: Setze nicht mehr als 2.000 AUD für ein Backpackerfahrzeug auf’s Spiel

Lieber ein fahrender Stationwagon mit Matratze und Dachträger, als ein kränkelnder Kleinbus. Da Stationwagons unter Backpackern nicht so beliebt sind, kann man sie auch weitaus günstiger kaufen. Busse werden nur so teuer gehandelt, weil der gemeine urbane Gebrauchtwagenhändler weiß, was die Touris aus Übersee wollen.

Der Gebrauchtwagenkauf in Australien ist wie ein Roulette-Tisch voller Spielsüchtiger, die keine Ahnung von Statistik haben. Zur absoluten Ausnahme zählt jener, der bei seinem Roadtrip keinerlei Schäden am Auto erlitten hat und es danach noch problemlos verkauft. Der Kreislauf des statistischen Pechs wird danach jedoch wieder durch den geschlossen, der das Vehikel erwirbt und die Sorgen des Vorgängers mit seinem hart Erarbeitetem erwarb. So humorvoll dies hier formuliert sei, so Ernst ist der Ratschlag: Setzt nicht alles auf eine Zahl. Gestrandete Backpacker findet man an jeder Ecke, Autos werden zu Bagatellen verkauft, da sich keine Käufer finden lassen. Backpacker werden in Werkstätten abgezockt, dass sich der Australier vor lauter Schande über sein Land, den Tränen nahe fühlt. Riskiert nicht zu viel und lasst euch nicht von bunten Hippie-Bussen verleiten. Kauft niemals in Großstädten von Australiern und vertraut niemals dem Verkäufer. Ihr werdet wissen, was ich meine, wenn ihr euch selbst Verkäufer nennen dürft.