Outback Australien – Arbeit im Pub

Der heutige Tag sollte definitiv Veränderung mit sich bringen. Eine positive Wendung des Ganzen wäre nämlich wirklich mal nicht schlecht. Geduscht und fertig gemacht zogen wir in Richtung Pub, endlich raus aus dem Stelzenhaus.

Natürlich waren wir in dem Glauben heute das versprochene, eigene Zimmer im Motel zu bekommen, doch weit gefehlt.

Wir liefen in den Pub und wurden von zwei irischen Mädchen empfangen, unseren Vorgängern. Diese wollten aber in den kommenden Tagen den Ort verlassen, da sie bereits zwei Monate hier arbeiteten. Ich konnte mir leider nur überhaupt nicht vorstellen, dass hier überhaupt Kundschaft vorhanden war, daher war ich auch sehr misstrauisch was die Telefonate betraf, denn in denen wurde immer beteuert dass der Laden boomen würde.

Die beiden Mädels begegneten uns sehr distanziert und schienen ihre Arbeit auch anfangs sehr ernst zu nehmen. Sie wohnten übrigens auch nicht in einem der Motelzimmer, stattdessen schliefen sie zu zweit in einem abgetrennten Teil eines Wohnwagens, der zur Hälfte ein Büro darstellte.

Und der Hauptgewinn geht an- Frauke und Jantje.

Die Hoffnung jemals ein Zimmer im Motel zubekommen war somit gestorben, aber dies war nicht die einzige Einschränkung mit der wir leben sollten. Im Laufe des Vormittags lernten wir außerdem noch zwei andere Jungen kennen, die ebenfalls in dem Pub arbeiteten. Alle samt waren wir im Alter von 19 bis 26 Jahren und im Vergleich zu so mancher Kundschaft „blutjung“.

Frauke und ich wurden aufgeteilt, während sie mit den beiden irischen Mädchen die Motelzimmer putzen musste und Wäsche aufhing, sollte ich mit den beiden Jungen den Pub säubern und die Bestände auffüllen.

Nicht gerade begeistert, aber ohne ein Wort zu sagen, ließen wir erst einmal alles über uns ergehen. Der „richtige Betrieb“ sollte nämlich erst abends losgehen. Nachdem die Chefin den Pub verlassen hat und wir sie ab dem Tag auch nie wieder sahen, schwang ich den Putzfeudel und brachte alte Flaschen in den Müll. Mit den beiden Jungen, verstand ich mich auf Anhieb gut, allerdings fragten sie mich was in Gottes Namen uns in die Wüste verschlagen hätte?

Meine Antwort kam zögerlich- War es die spannende Erfahrung, der Reiz an etwas Neuem oder die pure Verzweiflung, weil wir einen Job suchten?
Ich für meinen Teil antwortete, so plausibel es auch zu sein schien, dass wir das Geld benötigten, weil wir Backpacker seien.

Mit einem dicken Grinsen im Gesicht plauderten wir heimlich eine Weile in einem der großen Kühlschränke. ´Heimlich` daher, weil ich erste Macken von der Chefin raus bekam. Angeblich soll sie sehr kleinlich und zimperlich sein, aber das eigentlich nur im Umgang mit Jungen.

Nach rund vier Stunden Arbeit, traf ich Frauke mit leicht aufgequollenen Händen. Sie musste die Toiletten putzen und zwar ohne Handschuhe, die Begeisterung stand ihr nahezu ins Gesicht geschrieben.

Es war nicht das Gelbe vom Ei, aber immerhin Arbeit und wir verdienten Geld, also beschwerten wir uns zur Abwechslung mal nicht. Nicht sofort!

Der späte Abend sollte jedoch abgehen wie Schwitzkatze.

Währenddessen die Chefin für einen Urlaub an die Küste gefahren ist, selbstverständlich ohne uns einzuweisen, sollten wir die Spätschicht zusammen mit den amerikanischen Jungs und den irischen Mädels schmeißen.

Die Tatsache, dass eines der Mädels krank geworden ist, sollte uns nicht abhalten. Frauke und ich wurden eingeteilt, sie sollte ihren Platz hinter der Bar finden und ich meinen in der Küche. Einen ausgebildeten Koch gab es nicht. Lediglich einer der Jungen köchelte etwas vor sich hin, der andere schmiss routiniert die Bar.

Ich versuchte mich nützlich zumachen, indem ich Gemüse schnippelte und Toastbrot mit Butter beschmierte. Während ich das tat, unterhielt ich mich mit dem „Koch“. Ab und an fiel mal eine Kleinigkeit runter, aber hey, wen störts?

In dem Gespräch bekam ich heraus, dass abends wirklich ein Hochbetrieb herrschen sollte. Die Trucker, die tagsüber das Vieh durch die Gegend fuhren konnten nur in Windorah Halt machen um sich zu erholen oder eine kleine Mahlzeit einzunehmen. Tatsächlich, die Bestellungen per Bon kamen massenweise in die Küche geflogen und von der Ruhe und Stille die man vom Outback kennt war nichts mehr zu sehen.

Nach bereits drei Stunden bemerkte ich, dass Hygiene schon lange keine Rolle mehr spielte und somit wurde doch glatt mal eine heruntergefallene Pommes zweimal frittiert. Klar, ich meine warum wegschmeißen?

Der Koch wies mich übrigens freundlicher Weise daraufhin, dass ich bald diejenige sein sollte, die diese Aufgabenfelder übernehmen würde, denn die beiden Mädels würden abreisen.
Mich wunderte dies ein wenig, denn abgesprochen war, dass Frauke und ich den Pub schmeißen sollten. Dass dies jedoch der „schlimmere“ der beiden Arbeitsbereiche sein sollte, merkte ich schnell.

Frauke kam mir mit einer Bestellung entgegen und bat mich sehnlichst mit ihr die Positionen zu tauschen. Nach einer weiteren halben Stunde ließ ich mich auch drauf ein und taperte hinter den Tresen. Der Raum war prallgefüllt mit lauter alten Truckfahrern und auch jungen Bauarbeitern, den so genannten „Ringers“. Lautes Gelächter und Geschrei herrschten dort, wo ich wohl die nächsten drei bis fünf Stunden die weiteren Bestellungen aufnehmen sollte. Darunter nicht nur „Order“ für das Essen, sondern selbstverständlich auch für die Getränke.

Das blöde an der Sache war nur, dass ich mich genau Null mit dem Kassensystem auskannte und auch nach mehrmaligem Zeigen noch viel Unfug damit betrieben hatte. Am liebsten hätte ich unprofessioneller Weise in diesem Moment alles niedergeschrieben, aber das konnte ich ja auch nicht bringen.

Selbstgeschriebene Bons? Schon mal was davon gehört? Wenn ich verzweifelt bin, werde ich zumindest kreativ, sehen wir`s mal so.

Schon kam der erste „Besoffski“ an den Tresen getaumelt und ich konnte sein Gestammel nicht vom starken Akzent oder der Volltrunkenheit unterscheiden. Ich suchte Hilfe bei einem der Jungs, der die Bestellung letzten Endes für mich aufnehmen musste. Relativ schnell bemerkte ich jedoch, dass es größtenteils wirklich an dem Akzent lag und an den fehlenden Kenntnissen von zahlreichen Abkürzungen was die Alkoholsorten betraf.

Ich wusste quasi ´nicht viel` und davon aber am meisten.

Das war der Satz des Tages, denn darauf baute sich der gesamte Abend auf „nicht viel wissen“. Meine eigene Inkompetenz regte mich sehr auf. Doch was müssen erst die Leute gedacht haben, die wie knapp jeden Abend für sie ganz normale Bestellungen aufgegeben haben?

Natürlich kam auch noch der „Small- Talk“ dazu, na klar musste ja auch kommen.

´Sichereres Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit` war zumindest das Prinzip, welches ich ab diesem Moment verfolgte.

Nett lächelnd und nickend, ab und an mal ein kleines „yes“ und ich hoffte charmant aus der Situation herauszukommen. Nix da.

Ein wenig eskaliert ist das Kellnern allerdings als ich fast eine Viertelstunde für das Suchen eines Sechserträgers VB (australische Biersorte) benötigte. Das Ende vom Lied, der Mann kletterte selbst hinter die Theke, um sich das Bier zu holen.

Überfordert stand ich, kleines Blondchen, nun hinter dem Tresen, Kunden schienen sich fast schon selbst zu bedienen und auch die beiden irischen Mädels waren topfit und bereit für ein wenig Unterhaltung und Trinkerei. Vom freundlichen Helfen war nichts zu merken. Stattdessen aßen sie erst einmal im Beisein der Gäste ihr Abendessen und tranken mit den „Ringers“.

Es gab jedoch auch lustige Momente, Verständnis für unseren ersten Arbeitstag und Unterstützung von den Jungen. Ein sehr eigener Slang der im Outback lebenden Menschen und unser vielleicht verfrühtes Gefühl all dies sei nichts für uns, vereinten Frauke und meine Wenigkeit mal wieder zu einer kleinen Krisensitzung.

Nach der Schicht verzogen wir uns zuerst zusammen auf die Toilette und dann setzten wir uns auf die Veranda, von einem der Motelzimmer.

Wir sprachen über unsere ersten Eindrücke, einige Eskapaden und über die Aufgaben die wir zu bewältigen hatten. Voreilige Entscheidungen sollten noch nicht getroffen werden.

Zeit für`s Bettchen, nach einem ersten Arbeitstag mit den verschiedensten Aufgabenbereichen sollten wir unseren Weg zurück in die Bude des „Einzahnigen Henkers“ finden.

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